Mo, 18. Dezember 2017

Dreifache Mutter

30.09.2015 17:27

Georgia: Erstmals seit 70 Jahren Frau hingerichtet

Sogar ein Gnadengesuch von Papst Franziskus hat nichts bewirkt: Mit Kelly Gissendaner ist im US-Bundesstaat Georgia zum ersten Mal seit 70 Jahren wieder eine Frau hingerichtet worden. Das Todesurteil gegen die 47-jährige Mutter von drei Kindern wurde Mittwochfrüh mit einer Giftspritze vollstreckt, wie die Strafvollzugsbehörden mitteilten.

Nur wenige Stunden zuvor hatten ihre Anwälte noch mehrere Gnadengesuche eingereicht - ebenfalls vergeblich. Gissendaner wurde am Mittwoch um 0.21 Uhr Ortszeit für tot erklärt. Vor der Hinrichtung hatte sie nach Angaben einer Behördensprecherin noch letzte Worte gesprochen und um ein Gebet gebeten. Vor dem Gefängnis in Jackson protestieren Dutzende Gegner der Todesstrafe gegen die Hinrichtung der dreifachen Mutter.

Gissendaner hatte im Februar 1997 ihren damaligen Liebhaber Gregory Owen angeheuert, ihren Ehemann zu töten, um dessen Lebensversicherung zu kassieren. Owen wurde 1998 im Gegenzug für ein Schuldeingeständnis zu lebenslanger Haft verurteilt. Gissendaner lehnte ein Schuldeingeständnis ab und wurde zum Tode verurteilt.

Kinder und Papst baten um Gnade
Ursprünglich sollte die Hinrichtung schon am Dienstagabend stattfinden, Gissendaners Anwälte wandten sich jedoch in letzter Minute erneut an das Oberste Gericht in Georgia und an den Obersten Gerichtshof der USA. Ihre Anträge wurden ablehnt. Auch Gissendaners Tochter und ihre zwei Söhne baten um Gnade für ihre Mutter. "Wir haben unseren Vater verloren. Wir können uns nicht vorstellen, auch noch unsere Mutter zu verlieren", sagten sie Anfang September.

Auch der Papst hatte vergeblich versucht, Gissendaner zu helfen. In der vergangenen Woche hatte Franziskus in einer Rede vor dem US-Kongress die Abschaffung der Todesstrafe gefordert. Am Dienstag bat der Vatikan-Botschafter in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, im Namen des Papstes darum, das Todesurteil gegen Gissendaner in eine lebenslange Haftstrafe umzuwandeln, um für "mehr Gerechtigkeit und Barmherzigkeit" zu sorgen.

Erste Todeskandidatin seit 1945 in Georgia
Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist Gissendaner die 16. Frau, die seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA im Jahr 1976 hingerichtet wurde. In Georgia wurde zum letzten Mal 1945 ein Todesurteil an einer Frau vollstreckt. Die Todesstrafe ist in 32 der 50 US-Staaten sowie auf Bundesebene erlaubt, die Zahl der Hinrichtungen geht seit Jahren beständig zurück.

In den kommenden Tagen sollen in den USA zwei weitere Todesurteile vollstreckt werden. Am Mittwoch soll in Oklahoma der 52-jährige Richard Glossip mit der Giftspritze hingerichtet werden. Glossip war wegen der Ermordung eines Motel-Besitzers im Jahr 1997 zum Tode verurteilt worden, beteuert aber seine Unschuld. Zahlreiche Prominente setzen sich für seine Begnadigung ein, darunter Hollywoodstar Susan Sarandon und Milliardär Richard Branson.

Am Donnerstag soll in Virginia der salvadorianische Einwanderer Alfredo Prieto hingerichtet werden. Er wurde des dreifachen Mordes für schuldig befunden, ist nach Angaben seiner Anwälte aber geistig behindert. Am Dienstag forderte die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte, ein Gremium der Organisation Amerikanischer Staaten, die Hinrichtung auszusetzen.

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