Do, 14. Dezember 2017

Kassa-Pflicht

30.09.2015 17:21

"Anschlag" auf die Buschenschenken

In drei Monaten tritt sie in Kraft: die umstrittene Registrierkassenpflicht. Damit soll in Handel, Gewerbe und Gastronomie der Betrug durch manipulierte Abrechnungen unterbunden werden. Doch die Neuregelung ist vor allem für kleinere Betriebe eine große Belastung, in der Steiermark etwa für Buschenschank-Betreiber.

Was seit jeher mit Zettel und Kuli erledigt wurde, soll künftig ein moderner Computer übernehmen. Dass die Rechnung für Wein, Traubensaft und Brettljause ab 1. Jänner 2016 eine Registrierkassa ausspucken muss und nicht mehr von Hand erledigt werden kann (wenn der Umsatz pro Jahr 15.000 Euro übersteigt bzw. der Barumsatz höher als 7500 Euro ist), stört vor allem kleinere Buschenschank-Betreiber. Und davon gibt es in der Steiermark nicht wenig.

Viele noch ohne Kassa
"Von den etwa 800 weiß-grünen Betrieben haben geschätzt nur zehn Prozent schon seit langem eine solche Kasse", sagt Johann Dreisiebner, Präsident des steirischen Weinbauverbandes. Der Experte kann zwar die Bedenken seiner Kollegen verstehen, sieht aber nicht nur Schlechtes auf die Branche zukommen: "Jene, die schon länger damit arbeiten, wissen, dass eine Registrierkassa auch durchaus praktisch ist. Sie vereinfacht die Logistik enorm."

Für Buschenschankbetreiber Stefan M. ist das nur ein schwacher Trost. Der 58-jährige Steirer hat seit Beschluss der Steuerreform schlaflose Nächte, wie er im Gespräch mit der "Steirerkrone" erzählt: "Ich hab nur zwei Monate im Jahr offen, mache nur einen kleinen Gewinn. Jetzt soll ich mir nach etlichen anderen Prügeln, die man uns in den vergangenen Jahren zwischen die Beine geworfen hat, auch noch eine mehrere tausend Euro teure Registrierkassa anschaffen? Was bleibt mir dann noch übrig?"

"Die Jungen tun sich das nicht mehr an"
Werner Luttenberger, der Weinbau-Chef der Landwirtschaftskammer, findet ebenso starke Worte: "Das gleicht einem Anschlag auf unser Kulturgut!" Dass dadurch etliche Betriebe für immer verloren gehen, steht für ihn außer Zweifel: "Die Elterngeneration macht vielleicht noch mit. Aber die Jungen tun sich das nicht mehr an." Seine letzte Hoffnung: "Dass es vernünftige Übergangslösungen gibt und man in der Praxis schaut, ob eine solche Kasse wirklich bei jeden Betrieb Sinn macht und sein muss."

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