Mo, 18. Dezember 2017

VW-Betrugs-Skandal

29.09.2015 18:28

Nicht nur VW: Millionen Audis und Skodas betroffen

Er selbst wäscht seine Hände weiterhin in Unschuld, doch nun ermittelt die Staatsanwaltschaft im Skandal um manipulierte Abgaswerte gegen Ex-Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. Der Verdacht: Betrug. Inzwischen mussten weitere Top-Manager ihren Hut nehmen. Nach und nach zeigt sich, wie verbreitet die manipulierten Motoren in anderen Konzernmarken sind. VW startet als erste Konzernmarke den konkreten Rückruf betroffener Fahrzeuge in die Werkstätten.

Winterkorn war am vergangenen Mittwoch als Vorstandschef zurückgetreten. Zuvor hatte er zugegeben, dass VW Fahrzeuge mit manipulierten Abgaswerten verkauft hat und sich dafür entschuldigt. Er beteuert aber, von nichts gewusst zu haben - obwohl es offenbar seit Jahren Hinweise im Konzern gegeben hat.

Weltweit sind bis zu elf Millionen Fahrzeuge von dem Skandal betroffen, der den Ruf des weltweit größten Autobauers schwer ramponiert hat. Davon entfallen allein auf die Marke VW Pkw fünf Millionen Wagen, VW Nutzfahrzeuge 1,8 Millionen, bei Audi sind es 2,1 Millionen Fahrzeuge und bei Skoda 1,2 Millionen Stück. Um wie viele Autos es in Österreich geht, ist noch nicht bekannt; nur bei Audi gibt es die Zahl 62.000.

VW ruft die betroffenen 5 Millionen Fahrzeuge nun in die Werkstätten. Es handelt sich z. B. um den Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation oder die erste Generation des Tiguan, die mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet sind. Es wurde angekündigt, dass alle betroffenen Konzernmarken nationale Internetseiten schalten werden, wo sich Kunden über den aktuellen Stand der Dinge fortlaufend informieren können.

Drei weitere Manager gefeuert
Wie die Nachrichtenagentur Reuters von Insidern erfuhr, suspendierte der Wolfsburger Autobauer drei weitere Vorstände. Die Entwicklungschefs der Marken Audi, VW Pkw und Porsche, Ulrich Hackenberg, Heinz-Jakob Neußer und Wolfgang Hatz, seien von ihren Aufgaben entbunden worden, sagten mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen. Derzeit werde ermittelt, inwieweit die Manager in die Abgas-Manipulationen verwickelt seien. VW wollte sich mit Verweis auf arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen nicht zu den Suspendierungen äußern. Winterkorns Nachfolger Matthias Müller, der zuvor die Geschicke von Porsche geleitet hat, hat eine schonungslose Aufklärung angekündigt.

Audi-Entwicklungschef Hackenberg hat einem Insider zufolge rechtliche Schritte gegen seine Beurlaubung eingeleitet. Er war 2007 zusammen mit Winterkorn von Audi nach Wolfsburg gewechselt und gilt als Erfinder des Baukastensystems, das Volkswagen derzeit bei immer mehr Marken einführt. Später kehrte Hackenberg nach Ingolstadt zurück, um Audi mit neuen Elektroautos auf die Sprünge zu helfen.

Den Ruf hat es bereits gekostet, viel Geld wird folgen
Volkswagen muss wegen des Skandals nicht nur um seinen Ruf fürchten und mit massiven Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen rechnen. Jetzt wurde auch bekannt, dass Spanien von der VW-Tochter Seat Subventionen für spritsparende Autos zurückfordern will, wenn sie nicht den Abgas-Regeln entsprechen. In der Schweiz gilt nach Angaben des Importeurs Amag ein Verkaufsstopp für die betroffenen Autos.

Volkswagen will in den nächsten Tagen einen Maßnahmen- und Zeitplan veröffentlichen. Daraus werde hervorgehen, welche Fahrzeuge wann zurückgerufen werden sollten, kündigte ein Sprecher an. Dazu liefen derzeit weltweit Gespräche mit den Behörden. Am Mittwoch tagt Insidern zufolge erneut das Aufsichtsratspräsidium, um die Aufklärung der Abgasaffäre voranzutreiben.

Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat VW bis zum 7. Oktober eine Frist gesetzt. Bis dahin sollen die Wolfsburger einen konkreten Plan vorlegen, wann ihre Fahrzeuge ohne Manipulationssoftware die Abgas-Vorgaben einhalten. Wie lange Volkswagen am Ende Zeit zur Nachbesserung haben werde, lasse sich noch nicht absehen. "Von vornherein zu sagen, in einem halben Jahr muss das erledigt sein, wäre wahrscheinlich unrealistisch", sagte ein KBA-Sprecher. Falls die Nachbesserung nicht gelingen sollte, drohten den betroffenen Fahrzeugen auf Deutschlands Straßen der Verlust der Zulassung und den entsprechenden Modellen ein Verkaufsverbot. In Deutschland sind insgesamt 2,8 Millionen Fahrzeuge des Wolfsburger Konzerns mit manipulierten Abgas-Systemen unterwegs.

Volkswagen drohen massive Schadensersatzforderungen. In den USA sei eine erste Klage von Aktionären anhängig, berichtete das "Handelsblatt" in seiner Onlineausgabe. Ein Pensionsfonds aus Michigan habe diese auf den Weg gebracht und wolle auch andere Aktionäre vertreten. Seit Bekanntwerden des Skandals sind in den USA zudem mindestens zwei Dutzend Klagen von Autobesitzern eingereicht worden. Deren Anwälte argumentieren damit, dass VW die Kunden getäuscht habe. Diese hätten mehr gezahlt, um vermeintlich umweltfreundliche Autos zu fahren.

Die Landesbank Baden-Württemberg schätzt, dass sich der Schaden am Ende weltweit auf fast 50 Milliarden Euro summieren könnte. Dabei gehen die Analysten allein in den USA von 16 Milliarden Euro für Strafzahlungen und 10 Milliarden Euro an Kosten für den Rückkauf beanstandeter Fahrzeuge aus.

In Österreich bietet der Verein für Konsumenteninformation an, Schadenersatzansprüche zu prüfen. Bereits 2.600 VW-Kunden haben sich bereits an den VKI gewendet, wie Sprecher Peter Kolba mitteilte. Die Konsumentenschützer suchen die Zusammenarbeit mit US-Anwälten, die in den USA Sammelklagen einbringen. Denn es sei nicht einzusehen, warum US-Kunden Schadenersatz bekommen, weil es das Instrument der Sammelklagen dort gibt, europäische Kunden aber leer ausgehen.

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