Di, 12. Dezember 2017

Rückschlag in Syrien

26.09.2015 10:51

US-Verbündete übergaben Waffen an Extremisten

Keine guten Nachrichten für Washington im Kampf gegen Extremisten: Von den USA in der Türkei ausgebildete syrische Kämpfer haben nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums einen Teil ihrer Ausrüstung dem Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front ausgehändigt. Sechs Armeelaster sowie ein Teil der Munition seien auf diese Weise in die Hände der radikalislamischen Miliz gefallen, musste Pentagon-Sprecher Jeff Davis am Freitag eingestehen. US-Außenminister John Kerry plant indes eine neue diplomatische Initiative im Syrien-Krieg.

Die Gruppe mit etwa 70 in der Türkei trainierten Kämpfern war am vergangenen Wochenende in Syrien eingetroffen. Schon kurz darauf gab es auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter Berichte, einige Kämpfer seien zur Al-Nusra-Front übergelaufen oder hätten ihre Ausrüstung an die Dschihadisten übergeben.

Pentagon räumt Verlust von Militärausrüstung ein
Das Pentagon dementierte diese Berichte zunächst, musste aber nun einräumen, dass zumindest die Angaben zur Militärausrüstung zutrafen. Zuvor war eine erste Gruppe von 54 Rebellen kurz nach ihrem Eintreffen in Syrien im Juli von Al-Nusra-Kämpfern angegriffen und getötet oder entführt worden.

Den Pentagon-Angaben zufolge entspricht das nun an die Extremisten übergebene Material rund einem Viertel der von der US-geführten Militärkoalition zur Verfügung gestellten Ausrüstung. Offenbar wollten die Rebellen damit sicherstellen, dass sie ungehindert in ihr Einsatzgebiet kommen, sagte ein Sprecher des für den Einsatz zuständigen Central Command.

Milliardenschweres US-Programm umstritten
Die USA fliegen mit internationalen Partnern Luftangriffe gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat in Syrien und im Irak. Darüber hinaus bilden sie in der Türkei syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS aus. Das eine halbe Milliarde Dollar teure Programm ist allerdings umstritten: Ursprünglich sah es vor, drei Jahre lang jährlich 5400 Kämpfer in der Türkei auszubilden und nach Syrien zu schicken. Doch es kommt nicht so recht voran, unter anderem, weil es an geeigneten Kandidaten fehlt.

Vor knapp zwei Wochen musste ein für das Programm zuständiger General vor einem Senatsausschuss einräumen, dass nur "vier oder fünf" Kämpfer tatsächlich vor Ort im Einsatz gegen den IS seien. Die US-Regierung denkt nun über eine Reform nach.

Kerry sucht Syrien-"Rezept"
US-Außenminister Kerry plant nun eine neue diplomatische Initiative im Syrien-Krieg. Er werde kommende Woche bei mehreren Treffen Möglichkeiten einer politischen Lösung ausloten, hieß es am Freitag aus US-Regierungskreisen. Zentral sei die Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. Dort wolle Kerry verschiedene Ideen für einen neuen Anlauf testen, nachdem der vor drei Jahren in Gang gebrachte UN-Friedensprozess erfolglos geblieben sei. "Daher wird es von Minister Kerry Bestrebungen geben, ein Rezept zu finden, das eine Rückkehr zu wirklichen, substanziellen Verhandlungen bringt", sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter.

Ein Hauptstreitpunkt ist Regierungsvertretern zufolge die Frage nach der Zukunft des syrischen Machthabers Bashar al-Assad. Die USA pochen weiter auf dessen Ablösung, zeigten sich zuletzt aber flexibel in ihren Vorstellungen, wann dies der Fall sein soll. Von europäischen Verbündeten kommen - unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise - zustimmende Signale. Für einen Dialog mit Assad hatten sich zuletzt etwa die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sowie Außenminister Sebastian Kurz und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner ausgesprochen.

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