So, 17. Dezember 2017

Es wird immer mehr

25.09.2015 18:14

Mindestens 2,8 Mio. VW in Deutschland manipuliert

Der Skandal um gefälschte Abgas-Werte bei VW-Dieselmotoren nimmt auch in Europa immer größere Ausmaße an. Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt sprach am Freitag im Bundestag von mindestens 2,8 Millionen manipulierten Fahrzeugen auf deutschen Straßen - allein solche mit 1,6- und 2-Liter-Dieselmotoren.

Jedoch seien auch die 1,2-Liter-Diesel in der Diskussion. "Aktuell gehen wir davon aus, dass sich auch hier mögliche Manipulationen zeigen können." Zahlen zu Österreich konnte der Importeur Porsche Austria heute Nachmittag auf Anfrage noch nicht nennen.

Neben Pkws seien auch leichte Nutzfahrzeuge mit falschen Abgas-Werten auf dem Markt, sagte Dobrindt, während der VW-Aufsichtsrat zeitgleich in Wolfsburg über Konsequenzen aus dem Skandal beriet. VW müsse erklären, ob der Konzern in der Lage sei, die Manipulationen zu beheben. "Wir erwarten einen verbindlichen Zeitplan, bis wann die technische Lösung vorliegt und bis wann sie umgesetzt werden kann." Klar sei, dass dies finanziell nicht zulasten der Kunden gehen dürfe.

Kritik auch wegen unrealistischer Verbrauchsmessungen
Umweltverbände und Opposition werfen der deutschen Bundesregierung vor, bei der Debatte um Abgaswerte insgesamt zu lange untätig gewesen zu sein. Bekannt ist, dass die von den Herstellern ermittelten Test-Werte auf dem Prüfstand und die realen Emissionen weit auseinanderklaffen. Die Bundesregierung selbst hat eingeräumt, dass dies bei Stickoxiden von den modernsten Diesel-Motoren mehr als das Sechsfache sein könne. Dies kann aber auch auf unrealistische Test-Bedingungen zurückzuführen sein, die jedoch legal sind. Ab 2017 soll hier EU-weit ein neues Verfahren greifen.

Neuwagen in Europa verbrauchen einer neuen Studie des US-Forschungsinstituts ICCT zufolge knapp 40 Prozent mehr Treibstoff als von den Herstellern angegeben. Diese durchschnittliche Abweichung zwischen dem im Labor gemessenen und dem tatsächlichen Verbrauch ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen, wie aus der Studie hervorgeht. Demnach betrug diese Abweichung 2001 nur acht Prozent. Die Abweichung habe sich vervierfacht, nachdem die Europäische Union im Jahr 2009 strengere Abgaswerte eingeführt hatte.

Abgas- Nachprüfungen nicht nur bei VW
Dobrindt ließ offen, ob die VW- Fahrzeuge nun aus dem Verkehr gezogen werden müssten. Die genaue Zahl der betroffenen Pkws sei noch unbekannt. Zugleich kündigte der Verkehrsminister an, die angeordneten Abgas- Nachprüfungen würden auch auf andere Marken ausgedehnt.

Wegen eines Berichts über angeblich ebenfalls erhöhte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen brach die BMW-Aktie zeitweise um mehr als neun Prozent ein. BMW erklärte dazu, bei seinen Fahrzeugen blieben alle Abgassysteme immer aktiv. "Bei der BMW Group wird nicht manipuliert und wir halten uns selbstverständlich in jedem Land an die gesetzlichen Vorgaben und erfüllen alle lokalen Testvorgaben", so der Münchner Konzern am Donnerstag.

Schärfere Kontrollen in den USA
Die US-Behörden verschärfen nach dem Abgas-Skandal die Kontrolle von Diesel-Fahrzeugen. Ein Vertreter der US-Umweltbehörde (EPA) sagte am Freitag: "Die Technologie macht Fortschritte, und dem müssen wir uns anpassen." Die Autobauer seien über die verstärkten Kontrollen unterrichtet worden.

In Italien suchen die Behörden auch in Fahrzeugen anderer Marken nach entsprechender Emissionssoftware. Verkehrsminister Graziano Delrio erklärte, 1.000 landesweit verkaufte Fahrzeuge sollten überprüft werden.

Rückruf, um Manipulation zu vertuschen
Unterdessen wurde bekannt, dass VW bereits im April in den USA versucht hat, die Abgas- Manipulationen durch einen verdeckten Rückruf von Dieselautos zu beheben. Der Konzern forderte Halter von VW- und Audi- Fahrzeugen in einem Brief auf, ihre Autos in die Werkstatt zu bringen, um eine neue Software aufzuspielen. Diese sollte die Abgas- Emissionen optimieren und die Effizienz des Motors steigern. Ein Sprecher der kalifornischen Emissionsschutzbehörde sagte, das Schreiben sei Teil einer landesweiten Rückrufaktion von VW gewesen.

VW war bereits im Mai des Vorjahres von Umweltschützern und US- Behörden wegen Abweichungen bei Abgaswerten kritisiert worden. Am vergangenen Freitag hatte die US- Umweltbehörde EPA mitgeteilt, sie habe herausgefunden, dass VW in Modellen der Jahre 2009 bis 2015 eine Software zur Umgehung von Emissionskontrollsystemen verbaut habe. Das Programm erkennt, ob das Auto auf einem Teststand läuft, und reguliert den Motor so, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Im Normalbetrieb liegen die Werte jedoch bis zu 40- mal höher als vorgegeben.

18-Milliarden-Dollar-Strafe droht
VW gab die Abgasmanipulationen in den USA daraufhin zu und bat um Entschuldigung. Für den Konzern könnte dies nach Angaben der US- Umweltbehörde EPA eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar nach sich ziehen. Bei internen Untersuchungen stellte sich zudem heraus, dass weltweit bis zu elf Millionen Fahrzeuge von Unstimmigkeiten in den Messwerten betroffen sein könnten. VW stellt für die Rückrufe rund 6,5 Milliarden Euro zurück und kündigte an, seine Gewinnziele zu kappen. Die VW- Aktie verlor massiv an Wert.

Seit Bekanntwerden des Skandals sind in den USA mindestens zwei Dutzend Klagen in sieben Bundesstaaten eingereicht worden. Die Anwälte argumentieren damit, dass VW die Kunden getäuscht habe, die mehr gezahlt hätten, um vermeintlich umweltfreundliche Autos zu fahren. Ein Anwalt will die Klagen bei einem US- Bundesgericht in Kalifornien zusammenfassen.

Das Gericht hat Erfahrung mit Klagen gegen Autohersteller: Toyota erklärte sich 2012 in einem Vergleich zur Zahlung von 1,1 Milliarden Dollar (rund 990 Millionen Euro) bereit, um eine Sammelklage wegen Problemen mit Fußmatten und klemmenden Gaspedalen beizulegen. Hyundai und Kia zahlten 255 Millionen Dollar (knapp 230 Millionen Euro), weil sie einen zu niedrigen Benzinverbrauch angegeben hatten.

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