Fr, 15. Dezember 2017

So gut wie Generals?

24.09.2015 16:13

Strategie-Scharmützel "Act of Aggression" im Test

Mit "Act of Aggression" ist seit kurzem ein neues Echtzeitstrategiespiel im Handel, mit dem die Macher von Eugen Systems insbesondere Fans realitätsnaher Schlachten der nahen Zukunft ansprechen. Drei Fraktionen kämpfen darin mit einer Vielzahl moderner Waffen um Ressourcen, legen Städte in Schutt und Asche und wenden ihre jeweils ganz eigenen Taktiken an. Ein würdiger Nachfolger für das gealterte "Command and Conquer: Generals"? krone.at hat den Test gemacht.

Unter Freunden gepflegter Echtzeitstrategie gilt "Command and Conquer: Generals" bis heute als einer der spaßigsten Ableger der Serie. Die angenehm unterschiedlichen Fraktionen, die nicht völlig unrealistischen Waffensysteme der nahen Zukunft, die Einsteigerfreundlichkeit und die gelungene Balance lassen Strategen bis heute von "Generals" schwärmen. Trotzdem wäre es höchste Zeit für einen Nachfolger: "Generals" hat bereits zwölf Jahre auf dem Buckel.

Grundlegende Ähnlichkeiten zu "Generals"
Da kommt "Act of Aggression" gerade recht. Das neue Echtzeitstrategie-Game von Eugen Systems setzt auf ein ganz ähnliches Konzept wie "Generals". Drei sich spielerisch stark unterscheidende Fraktionen - die US-Armee, das mysteriöse Kartell und die geheime UN-Eingreiftruppe Chimera - schlagen in der Kampagne erbitterte Schlachten, sammeln Ressourcen und zanken sich um Hightech-Waffen, die auf mysteriöse Art und Weise in die falschen Hände geraten sind.

Damit erfindet "Act of Aggression" das Story-Rad nicht neu, die Handlung gibt aber eine passable Untermalung für das Spiel ab. Trotzdem: Etwas mehr Umfang - in der Kampagne steuert der Spieler meist die Chimera-Fraktion, seltener das Kartell und nur hie und da die US-Armee - hätte nicht geschadet, schon allein, um die Kampagne auch zu einem würdigen Tutorial-Ersatz für alle drei statt nur einer Fraktion zu machen.

Fade Inszenierung, spielerische Tiefe
Erzählt wird die Handlung mit Nachrichtenvideos, die dem Strategen einen Überblick über die laufenden Geschehnisse und die Erfordernisse der nächsten Mission liefern. Zwischendrin gibt es leider auch immer wieder Standbilder und Portraits fiktiver Generäle und Kommandanten zu sehen, die von Audioschnipseln untermalt werden.

Erzählerisch hätte man also etwas mehr herausholen können - etwa mit Echtfilm-Sequenzen. Was dem Game an Inszenierung fehlt, macht es allerdings durch spielerischen Anspruch wieder wett.

Wo "Generals" nur eine Ressource kannte, führt "Act of Aggression" gleich drei ins Feld. Der Spieler kämpft gleichzeitig um Öl, Aluminium und Seltene Erden. Nebenbei muss Strom erzeugt werden, wer mag, kann zwecks steten Geldflusses auch die eine oder andere Bank besetzen. Öl und Alu bekommt der Spieler dabei - mit je nach Fraktion unterschiedlichen Abbaumethoden - recht einfach im Umland seiner Basis, seltene Erden dagegen sind rar, oftmals weit von der Basis entfernt und entsprechend umkämpft. Für eine möglichst schlagkräftige Armee braucht es freilich alle drei Rohstoffe.

Raum für Taktik, unterschiedliche Strategien
Wer aus den Schlachten von "Act of Aggression" siegreich hervorgehen will, hat durch die vielen Ressourcen reichlich zu tun. Es gilt, jeder Ressource in ausreichender Menge habhaft zu werden, Abbaugebiete zu sichern - und Feinde dort zu treffen, wo es weh tut, also in ihren Abbaugebieten. Doch nicht nur die vielen Ressourcen bringen Tiefe in "Act of Aggression". Auch die Fraktionen an sich verlangen dem Spieler verschiedene Taktiken ab.

Die Geheimorganisation des Kartells etwa verfügt über sehr starke Hightech-Waffen, die aber nur wenig einstecken und sich deshalb beispielsweise mit Stealth-Technologie schützen. Die Chimera-Eingreiftruppe setzt ebenfalls auf Hightech und verfügt über vielseitige Waffen - etwa Truppentransporter mit Raketenabwehr-System. Die US-Armee wiederum erringt Siege vor allem durch schweres Gerät und große Panzer. Je nach Fraktion gilt es in den Einsätzen, auf diese Eigenheiten Rücksicht zu nehmen.

Vernünftige Balance, Einarbeitungszeit nötig
Obwohl so unterschiedlich, bleibt die Balance zwischen den Fraktionen in "Act of Aggression" nicht auf der Strecke. Im Test gab es gegen jeden Truppentyp ein Gegenmittel. In Häusern verschanzte Raketenwerfer-Infanterie schaltet Panzer aus, Mörsertrupps legen diese Häuser wiederum in Schutt und Asche. Luftabwehr, Hubschrauber und Kampfjets existieren in einem Gleichgewicht des Schreckens und Superwaffen wenden das Blatt, wenn es notwendig ist.

Viele leichte und schwere Fahrzeuge können - ebenso wie Flieger und Infanterie - mit Upgrades aufgerüstet werden, die Schwächen eliminieren oder Stärken ausbauen. Kurzum: "Act of Aggression" bietet viel Raum für Experimente. Gut so - auch, wenn Einsteiger eine Weile brauchen, um sich im Spiel zurechtzufinden und vor dem ersten Mehrspieler-Scharmützel unbedingt das eine oder andere Gefecht gegen den meist gar nicht ungeschickt agierenden Computer hinter sich bringen sollten.

Generell gilt: Gefechte und Mehrspieler-Scharmützel sind angesichts der eher durchwachsenen Kampagne die eigentliche Stärke von "Act of Aggression". Hier können Spieler viele Stunden lang dem Basisbau frönen und nach Herzenslust taktieren. Auch, wenn das durch die vielen Ressourcen und die geringe Einsteigerfreundlichkeit des Games für manche Spieler Frustpotenzial bergen wird, hat Eugen Systems doch erfreulich solides Strategie-Gameplay abgeliefert.

Hübsche Optik, nur englische Sprachausgabe
Zu diesem soliden Eindruck trägt auch die optische Inszenierung von "Act of Aggression" bei. Die Schlachtfelder mit teils zerstörbaren Gebäuden sehen gut und abwechslungsreich aus, wirken abseits der militärischen Aktivität aber etwas steril. Die Fahrzeuge und Flieger wurden mit viel Liebe zum Detail designt, Effekte wie die Wasser-Reflexionen gut getroffen.

Die Explosions- und Waffen-Effekte sind spektakulär und verleihen den Schlachten Charme, auch wenn sie der Übersicht nicht immer zuträglich sind. Apropos Übersicht: Die ist durch die kleinen Einheiten auf oftmals sehr großen Karten nicht immer gewährleistet, zudem hätten wir uns einen flexibleren Zoom gewünscht. Zum Glück gibt es eine taktische Ansicht, bei der das Game ganz herauszoomt, Boden- und Gebäudetexturen ausgeblendet und Einheiten hervorhebt, damit sich der Spieler bei Bedarf wieder zurechtfindet.

Der Soundtrack erinnerte uns beim Testen stellenweise ein wenig an die gute alte "Command and Conquer"-Zeit, ist gelungen und untermalt die Schlachten im Spiel stimmig. Explosions- und Waffeneffekte sind ebenfalls stimmig. Nicht so optimal: Die Einheiten wiederholen sich beim Bestätigen von Befehlen recht häufig, zudem gibt es statt deutscher nur englische Sprachausgabe in den Zwischensequenzen. Die Sprecher liefern eine solide, aber keine überragende Arbeit ab.

Der Mehrspielermodus umfasst rund 20 Schlachtfelder in fünf sich optisch unterscheidenden Regionen der Welt und erlaubt den Spielern sowohl Schlachten gegeneinander, als auch als Verbündete gegen Computergegner. Bis zu 40 Spieler - jeweils 20, aufgeteilt auf zwei Teams - dürfen sich dabei in einem einzelnen Spiel tummeln, wodurch aber bisweilen die Übersicht verloren geht.

Fazit: "Act of Aggression" ist nicht das neue "Generals". Dazu ist es etwas zu komplex und verlangt Einsteigern zu viel Einarbeitungszeit ab. Auch bei der Story - und hier vor allem der Inszenierung - sowie der Übersicht sehen wir Verbesserungspotenzial. Das ändert aber nichts daran, dass Eugen Systems mit "Act of Aggression" ein gutes Echtzeitstrategiespiel mit abwechslungsreichen Fraktionen und Waffensystemen abgeliefert hat, das vor allem Genre-Fans für viele Stunden unterhält und Stoff für unterhaltsame Mehrspieler-Scharmützel bietet.

Plattform: PC
Publisher: Focus Home Interactive
krone.at-Wertung: 7/10

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