Mo, 11. Dezember 2017

Massenpanik

24.09.2015 22:52

Mekka: Mehr als 700 Tote bei "Teufelssteinigung"

Die Zahl der Toten bei einer Massenpanik während der islamischen Wallfahrt Hadsch nahe Mekka ist auf 717 gestiegen. Bei dem Unglück während der symbolischen "Teufelssteinigung" seien zudem mehr als 800 Gläubige verletzt worden, teilte der Zivilschutz des Landes am Donnerstag mit. Es handelt sich um das größte Unglück während des Pilger-Großereignisses seit 25 Jahren.

Zu dem Unglück kam es demnach in der Nähe des Ortes Mina, wo die Gläubigen am dritten Tag der Wallfahrt symbolisch den Teufel steinigen. Dort hatte es in den vergangenen Jahren mehrere Baumaßnahmen gegeben, die für einen reibungslosen Strom der Pilger sorgen und einen Massenandrang verhindern sollten.

Aufeinanderprallen von Massen als Unglücksursache
Auslöser des Unglücks war den Behörden zufolge, dass eine Menschenmenge den Steinigungsort verlassen wollte, während eine andere Menge aus der Gegenrichtung kam. Auf Bildern ist zu sehen, wie zahllose Leichen teils übereinander in der Straße in Mina liegen, wo sich Hunderttausende Pilger versammelt hatten.

Der saudi-arabische Gesundheitsminister machte fehlende Disziplin bei den Pilgern für das Unglück verantwortlich. Zahlreiche Pilger würden sich "in Bewegung setzen, ohne die Uhrzeiten zu respektieren", die ihnen von den Verantwortlichen zur Organisation des Großereignisses vorgegeben werden, sagte Chaled al-Faleh im Fernsehen.

Pilger spricht von "schlechtestorganisierter Hadsch"
Das Innenministerium, das 100.000 Polizisten für das Pilgerereignis im Einsatz hat, warnte vor vorschnellen Schlüssen. Bei großer Hitze hätten sich viele erschöpfte Pilger zur gleichen Zeit am gleichen Ort befunden. Ein Pilger sprach vom schlechtestorganisierten Hadsch, den er je erlebt habe. Die Menschen seien "ausgetrocknet" gewesen und "in Ohnmacht gefallen", sie seien übereinander gestolpert. Kronprinz Mohammed bin Najef ordnete eine Untersuchung an.

Immer wieder kommt es in Mekka während der Pilgerfahrt zu Unglücken. Erst wenige Tage vor Beginn der diesjährigen Wallfahrt waren mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen, als ein Kran bei einem schweren Unwetter auf die Große Moschee stürzte. 2006 waren bei einem Massenandrang rund 350 Gläubige gestorben.

Am Mittwoch erlitten mehr als 200 Menschen an einem Bahnhof in Mina in großem Gedränge Schwäche- und Ohnmachtsanfälle. Dort war der Zugverkehr wegen eines technischen Defekts gestört. Beim bisher schwersten Unglück in Mekka waren 1990 bei einem tödlichen Gedränge mehr als 1400 Menschen ums Leben gekommen.

Drei Millionen Muslime auf Wallfahrt
Der Hadsch gehört zu den fünf Säulen des Islam. Jeder gläubige Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, soll einmal in seinem Leben nach Mekka pilgern. In diesem Jahr haben sich laut saudischen Medien rund drei Millionen Muslime auf die Wallfahrt begeben, darunter 1,4 Millionen Menschen aus dem Ausland.

Am Donnerstag beginnt für mehr als 1,5 Milliarden Muslime weltweit das viertägige Opferfest, die wichtigste Feierlichkeit im Islam. Mit rituellen Tierschlachtungen erinnert es an die Bereitschaft Abrahams, seinen Sohn zu opfern, um Gott seinen Glauben zu beweisen.

Die Storykommentare wurden deaktiviert.

Das könnte Sie auch interessieren
Für den Newsletter anmelden