Do, 23. November 2017

Fit und schön mit 77

27.09.2015 06:00

Jane Fonda: Die Frau ohne Alter

Einst war sie das Sex-Kätzchen "Barbarella", später die Polit-Aktivistin "Hanoi Jane", dann Fitness-Ikone. Jetzt mit 77 denkt Hollywood-Schauspielerin Jane Fonda über die Würde des Alterns nach.

Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, seit Jane Fonda und Robert Redford als streitendes jung verliebtes Ehepaar in "Barfuß im Park" das Lebensgefühl der Babyboomer-Generation unwiderstehlich auf die Leinwand brachten. Jetzt, wo beide das Rentenalter weit überschritten haben, stehen sie neuerlich gemeinsam vor der Kamera. "Our Souls At Night" ist wieder eine romantische Komödie, in der Fonda als alte, einsame Witwe ihren ebenfalls schon schrulligen Nachbarn erobern will, um die letzten Jahre ihres Lebens noch gemeinsam zu genießen.

Dem Alter seinen Grauschleier zu nehmen und die schönen Seiten eines langen Lebens zu zeigen, das ist die wohl die letzte große Mission der kämpferischen Jane, die heuer im Dezember 78 wird. Zu diesem Thema gibt sie Interviews und hat sogar ein Buch geschrieben. "Selbstbewusst älter werden" kommt im Oktober auf den Markt und soll allen, die ihren 60er bereits deutlich überschritten haben, farbenfroh vor Augen führen, dass sie noch gut ein Drittel ihres Daseins vor sich haben und diese Zeit mit Sinn erfüllen sollen. Vor allem möchte Fonda "älteren Frauen ein Gesicht geben. Und zwar nicht das Gesicht, das wir in unserer Gesellschaft als stereotypes Rollenmuster kennen, sondern das einer dynamischen, sexuell attraktiven Frau."

Sie selber lebt das vor und redet auch ganz offen darüber. Etwa dass sie derzeit einen Boyfriend hat, nach drei gescheiterten Ehen aber nicht mehr ans Heiraten denkt. Aktives Beziehungsleben im Alter ist natürlich schon irgendwie anders: "Alles muss organisiert werden, sogar für Sex brauchst du einen Termin. Pillen müssen genommen und andere Vorbereitungen getroffen werden." Janes Tochter Vanessa und Sohn Troy finden so viel Offenherzigkeit in Sachen Privatleben indes nicht wirklich angebracht. Sie kann darüber nur milde lächeln. "Es ist eine interessante Zeit, wenn du so alt bist, dass deine Kinder deine Eltern werden und versuchen, mir zu sagen, wie ich mich benehmen soll", sinnierte sie in der "FAZ".

Selbst ihre chirurgischen Eingriffe sind für Jane kein Tabu. "Ich habe mir damit ungefähr fünf Jahre gekauft. Ohne Operation würde ich eben mit 77 Jahren nicht so aussehen. Ich habe es ja trotzdem nicht übertrieben, oder? Ich sehe nicht bizarr aus." Und tatsächlich hat sie sich ihren jugendlich-sportlichen Körper bewahrt. Ob das nur an Aerobic und ihrem eisernen Fitness-Programm liegt? In den 80er-Jahren verkauften sich ihre Vorhüpf-Videos immerhin 17 Millionen Mal, und auch heute noch läuft ihr das Wasser im Mund zusammen, wenn sie an einer Kraftkammer vorbeikommt.

Darüber hinaus will sie die Menschen lehren, Haltung zu bewahren. Und neugierig zu sein. "Mein Mantra lautet: Es ist wichtiger, interessiert zu bleiben, als interessant sein zu wollen. Gerade heute versuchen so viele Leute, interessant zu sein. Ich will immer etwas Neues lernen. Ich bin Autorin geworden und so viele andere Dinge. Ich bin ständig beschäftigt. So bleibe ich von innen jung. Das ist mein Geheimnis."

Die Tochter des Charakterdarstellers Henry Fonda ("Früchte des Zorns") war dem Zeitgeist immer schon ein paar Schritte voraus. Ihr erster Ehemann Roger Vadim setzte sie 1968 als naiv-laszives Spacegirl "Barbarella" in Szene, prompt wurde sie zu einer Vorkämpferin sexueller Befreiung der 60er-Jahre. Der Vietnamkrieg machte sie zur Polit-Rebellin und Friedensaktivistin, konservative Amerikaner beschimpften sie als Landesverräterin und nannten sie "Hanoi Jane". Dass sie sich als Feministin sieht und dennoch als Christin fühlt, ist für sie ebenso wenig ein Widerspruch wie Sport zu betreiben und täglich Alkohol zu trinken. Zumindest einen Wodka Martini gönnt sie sich täglich. Zwei sind schon zu viel. Tja, auch Jane Fonda, die Frau, die lange Zeit in Extremen gelebt hat, ist zur Einsicht gekommen: "Man muss alles in Maßen tun."

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