Di, 21. November 2017

Experte hat Zweifel

23.09.2015 10:37

Bessere Luft mit der Tempobremse

Landesrätin Astrid Rössler von den Grünen legt Bilanz nach vier Monaten vor - 24,7 Prozent weniger Stickoxid-Ausstoß! Doch ein Unfallexperte zweifelt die Daten massiv an.

Seit Mai ist der "flexible Achtziger" (IG-L) zum Schutz der Anrainer an der Westautobahn verordnet, die Einführung brachte der grünen Landesvize Astrid Rössler Ärger wie Zustimmung. Nun - vier Monate später - legt sie mit Alexander Kranabetter vom Immissionsschutz des Landes die ersten Auswertungen vor, die Rössler bestätigen (siehe Grafik rechts): "Der Stickstoffoxid-Ausstoß auf der A1 ging im Vergleich zum Vorjahr um 24,7 Prozent zurück. Wir sind aber noch weit entfernt vom Erreichen der Grenzwerte. Wurden heuer auf der A1 49 ppb (Partikel pro Milliarde) Stickstoffoxide gemessen (65 im Vorjahr), so liegt der Grenzwert aber bei 30."

Gutes Wetter half bei den Werten deutlich mit
Wobei der Traumsommer hat ordentlich mitgeholfen, wie Kranabetter anmerkt: "Neun bis zehn Prozentpunkte gehen auf das Konto des Luft-Achtzigers und ein kleiner Teil ist einer besseren Motorentechnik geschuldet. Ohne Tempo 80 hätte man die Autobahn einen Monat sperren müssen, um diese Werte zu erhalten." 201 Stunden pro Monat schalteten die Anzeigen auf Tempo 80, insgesamt 14.000 Geschwindigkeitsübertretungen gab es, wovon ein großer Teil Strafen im Wert von 205.000 € nach IG-L ausgestellt wurden. Von der Stadt liegen noch keine Daten vor, der dazugehörige Radar geht erst in den nächsten Tagen in Betrieb. Hauptproblem bleiben die Dieselmotoren: "Während im Schwerverkehr die Motoren mit der Euro-6-Norm tatsächlich messbar sauberer wurden, wirkt bei Autos diese Norm nicht wirklich."

Gutachter hält die Werte für völlig unseriös
"Tempo 80 lässt sich weder von Emissionen, noch von der Verkehrssicherheit her rechtfertigen", kritisiert Gerhard Kronreif, Sachverständiger für Fahrzeugtechnik: "Minus 10 % bei den Stickoxiden ist Wunschdenken oder unseriös geschätzt." Denn für Lkw galt immer schon ein 80er. "Man muss weitere 45 % der Pkws als Schadstoffverursacher abziehen, weil sie als Benziner keine nennenswerte Stickstoffoxid-Menge ausscheiden", so Kronreif. Nur Diesel-Pkw, die 20 % des Gesamtaufkommens ausmachen, seien für die Reduktion relevant. Kronreif: "Auch die Zahl der Unfälle hat sich durch den 80er vervielfacht."

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