Fr, 15. Dezember 2017

Frontex warnt:

21.09.2015 19:56

500.000 Flüchtlinge warten in Türkei auf Überfahrt

Vor dem drohenden Wintereinbruch wollen offenbar noch Hunderttausende Menschen den Weg aus den Krisengebieten des Nahen Ostens und Nordafrikas nach Europa meistern. Und die Zeit wird immer knapper. Wie die EU-Grenzschutzagentur Frontex am Montag vermeldete, warten derzeit 500.000 Flüchtlinge in der Türkei auf eine Überfahrt nach Griechenland.

"Die Geschwindigkeit und Dynamik des Flüchtlingszustroms bleibt weiterhin außergewöhnlich hoch", sagte Frontex-Chef Fabrice Leggeri am Montag gegenüber der deutschen Zeitung "Welt". Vor allem Familien mit Kindern würden wohl in den nächsten Wochen jede Chance nutzen, bevor der Wintereinbruch eine Überfahrt noch riskanter mache.

Angesichts der nach wie vor dramatischen Situation forderte Leggeri mehr personelle Unterstützung seitens der EU-Staaten. Gegenwärtig verfüge Frontex über 65 Gastkontrollore, die die Mitgliedsstaaten jeweils für sechs Monate an die Behörde ausleihen. "Mein Vorschlag wäre, dass die Frist auf ein Jahr verlängert wird. Das würde unsere Flexibilität schon deutlich erhöhen", sagte der Frontex-Chef.

EU-weit kompatibles Registriersystem kommt
Frontex will die systematische Erfassung der nach Europa strömenden Flüchtlinge demnach verbessern. Gemeinsam mit dem Europäischen Unterstützungsbüro für Asylfragen und der EU-Agentur für die Koordination von IT-Systemen für einen sicheren Datenaustausch arbeite seine Behörde derzeit an der Entwicklung einer neuen Technologie für die Registrierung von Migranten und Flüchtlingen, sagte Leggeri. Das neue System solle kompatibel sein mit den Systemen in den einzelnen EU-Staaten.

"Meine Vision ist, dass Frontex künftig ein ganzes Registrierungspaket anbieten kann - die Technologie, die nötigen Geräte und auch diejenigen, die die Geräte bedienen", so der oberste Grenzhüter der Union. Eine geordnete Registrierung an den europäischen Außengrenzen sei schließlich auch die notwendige Basis, um die Flüchtlinge im Fall einer Einigung auf EU-Quoten künftig systematisch auf die Mitgliedsstaaten verteilen zu können.

Größte Flüchtlingskrise seit Zweitem Weltkrieg
Europa sieht sich derzeit mit der schwersten Flüchtlingskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs konfrontiert. Pläne der EU-Kommission für verpflichtende Quoten zur Verteilung der Flüchtlinge auf die Mitgliedsstaaten scheiterten bisher insbesondere am Widerstand osteuropäischer Länder. Viele Flüchtlinge versuchen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

Die gefährliche Überfahrt endet für viele Menschen tragisch: Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration sind heuer bereits 2862 Menschen bei ihrem Fluchtversuch gestorben. Insgesamt seien in diesem Jahr mehr als 461.000 Migranten auf dem Seeweg nach Europa gelangt, teilte der IOM-Sprecher für Italien, Flavio Di Giacomo, am Montag in Rom mit.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden