Mi, 13. Dezember 2017

Der Abgas-Skandal

21.09.2015 20:01

Verkaufsstopp, VW-Aktie crasht - auch Winterkorn?

Nachdem Volkswagen zugegeben hat, in den USA Käufer von Dieselfahrzeugen sowie Behörden im großen Stil durch betrogen zu haben, sollen in Deutschland nun sämtliche Diesel-Modelle des Autobauers überprüft werden. Die VW-Aktie ist am Montag abgestürzt - und Konzernchef Martin Winterkorn könnte ihr folgen.

Nachdem die US-Umweltbehörde EPA den Abgas-Betrug aufgedeckt hatte, musste der Wolfsburger Konzern eingestehen, fast eine halbe Million Fahrzeuge mit manipulierter Software verkauft zu haben. Die Vierzylinder-Dieselmotoren waren so präpariert, dass sie bei Abgastests als "Clean Diesel" dastanden, in Wahrheit aber als Dreckschleudern unterwegs waren - mit teilweise 40-fach zu hohem Abgasausstoß.

Betroffen sind VW- und Audi-Baureihen der Baujahre 2012 bis 2015 in den USA, ihr Verkauf, ob Neu- oder Gebrauchtwagen, wurde dort gestoppt. EPA will nun weitere Diesel-Fahrzeuge auf den Prüfstand stellen. Die Behörde teilte mit, es werde untersucht, ob auch bei anderen Fahrzeugen Software zur Manipulation von Abgasnormen zum Einsatz gekommen sei.

Deutschland überprüft alle VW-Diesel
Als Reaktion auf die VW-Abgas-Affäre will der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt sämtliche Diesel-Modelle des Autobauers auf dem deutschen Markt überprüfen. Der Politiker sagte der "Bild" laut Vorabbericht am Montag: "Unabhängige Kontrollen finden immer wieder statt. Allerdings habe ich das Kraftfahrtbundesamt angewiesen, bei den VW-Dieselmodellen jetzt umgehend strenge spezifische Nachprüfungen durch unabhängige Gutachter zu veranlassen."

Auch in Südkorea sind bereits Abgas-Tests für Fahrzeuge von Volkswagen angeordnet worden.

Muss VW-Chef Winterkorn zurücktreten?
Viele Experten halten einen Rücktritt Winterkorns für unausweichlich, etwa Ferdinand Dudenhöffer: Als direkter Verantwortlicher für Forschung und Entwicklung habe der Vorstandsvorsitzende entweder von den Manipulationen gewusst oder sei ahnungslos und habe seinen Geschäftsbereich nicht im Griff, sagte er der "Frankfurter Rundschau". Winterkorns Vertrag soll eigentlich auf der Aufsichtsratssitzung am Freitag vorzeitig um zwei Jahre bis Ende 2018 verlängert werden. Denn der 68-Jährige soll den von ihm angestoßenen Konzernumbau begleiten.

Nun kommt zunächst am Mittwoch das mächtige Präsidium des VW-Aufsichtsrats zu einer Krisensitzung zusammen. Dem Gremium gehören unter anderem der amtierende VW-Aufsichtsratschef Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche an. Osterloh stärkte Winterkorn vorerst den Rücken: "Wir gucken uns in den nächsten Tagen an, was passiert ist, wer die Verantwortung trägt", sagte er am Montag auf der IAA in Frankfurt. Dass es dabei nicht um einen Sachbearbeiter gehe, sei klar. Aber jetzt schon den Abschied von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn zu fordern, sei ein Unding.

Autoanalyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI geht davon aus, dass der Abgas-Skandal weitere Veränderungen im VW-Management auslösen könnte. VW sei der Konzern mit dem weltweit größten Forschungsbudget und habe sich in den USA wie eine Hinterhofwerkstatt benommen, die mit Manipulationen einen Gebrauchtwagen durch die Abgas-Inspektion bringen wolle.

VW-Crash an der Börse
Nach Bekanntwerden des Abgasbetrugs haben sich Anleger scharenweise von ihren Volkswagen-Aktien getrennt, was einen Kurssturz um rund 23 Prozent auf 125,40 Euro zur Folge hatte. Dabei verlor der deutsche Autokonzern am Montag rund 17 Milliarden Euro an Börsenwert.

Immense finanzielle Folgen für VW
Auch Strafzahlungen werden folgen. Die Rede ist von bis zu 18 Milliarden Dollar (16 Milliarden Euro), jedoch könnten auch Sammelklagen von US-Autobesitzern drohen, wie Heino Ruland, Marktanalyst vom Brokerhaus ICF erklärt. Autoexperte Stefan Bratzel rechnet mit einer niedrigeren Strafe, da VW mit den US-Behörden kooperiere. Der Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach verwies auf den Fall von General Motors. Die Opel-Mutter muss im Skandal um defekte Zündschlösser, mit denen zahlreiche Todesfälle in den USA in Verbindung gebracht werden, 900 Millionen Dollar bezahlen.

Martin Winterkorn hat sich inzwischen entschuldigt und eine externe Untersuchung angekündigt. Der Imageschaden wird aber wohl nicht mehr abzuwenden sein - weder vom Konzern noch von ihm als dessen Vorstandsvorsitzendem.

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