Mo, 18. Dezember 2017

Smog, Ozon & Co.

18.09.2015 18:04

Luftverschmutzung fordert jährlich 3,3 Mio. Tote

Jährlich sterben weltweit etwa 3,3 Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung. Die meisten Opfer stammen einer Studie zufolge aus Asien. Der größte Teil der Todesfälle gehe auf Emissionen zurück, die vor allem in China und Indien bei der Verbrennung von Kohle oder Biomasse zum Heizen und Kochen oder durch Dieselgeneratoren frei werden.

Dies berichten Forscher aus Deutschland, Zypern, den USA und Saudi Arabien unter Leitung von Johannes Lelieveld vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Bis 2050 könne sich die Zahl der Todesfälle verdoppeln, wenn nicht weitreichende Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ergriffen würden, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature". In Deutschland und anderen Ländern Europas verschmutzt den Angaben zufolge vor allem die Landwirtschaft die Luft. In der EU führe Feinstaub und Ozon jährlich zu 180.000 Todesfällen. Für Österreich wurden keine gesonderten Zahlen erhoben.

Es ist lange bekannt, dass Luftschadstoffe wie Ozon oder Feinstaubpartikel gesundheitsschädlich sind. Vor allem sehr kleine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer (2,5 Tausendstel Millimeter, Anm.) können tief in die Lunge eindringen und verschiedene gesundheitliche Probleme hervorrufen, etwa Atemwegs-und Herz-Kreislauferkrankungen oder Lungenkrebs. Die Herkunft der Luftschadstoffe wurde nun genauer untersucht.

Großteils des Smogs durch Kleinfeuer verursacht
"Meist wird ja angenommen, dass Industrie und Verkehr die schlimmsten Luftverschmutzer sind, aber weltweit ist das offenbar nicht der Fall", berichtet Lelieveld. In Indien und China verursachten die häuslichen Kleinfeuer einen Großteil des Smogs. "Das sind zwar nur kleinskalige Aktivitäten, aber wenn ein Großteil der Bevölkerung das macht, kommt einiges zusammen."

Weltweit starben 2010 nach Angaben der Forscher fünf von 10.000 Menschen vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung. In China allein waren es 1,36 Millionen - deutlich mehr als dort im Straßenverkehr ums Leben kommen oder an Aids sterben. Indien nimmt mit 0,65 Millionen Toten jährlich durch schlechte Luft den zweiten Platz auf dieser Liste ein.

Schlechte Luft durch kleine Öfen und Dieselgeneratoren
Etwa ein Drittel aller weltweiten Todesfälle infolge von schlechter Luft - in Nepal sogar annähernd 70 Prozent - gehe auf kleine Verbrennungsöfen zum Heizen und Kochen sowie auf Dieselgeneratoren zurück. Die Regierungen der betreffenden Länder müssten ihre Anstrengungen verstärken, den Menschen zum Heizen und Kochen bessere Technologien zugänglich zu machen und sie von deren Vorteilen zu überzeugen, sagt Studienleiter Lelieveld in einer Telefon-Pressekonferenz.

In Europa, Russland, dem Osten der USA und in Ostasien stammten die meisten Feinstaubpartikel aus der Landwirtschaft. Vor allem aus der Tierhaltung und über den Einsatz von Düngemittel gelangten Vorläuferstoffe in die Luft, die zur Bildung von Feinstaub beitragen. Auf den Straßenverkehr gehen in Großbritannien und den USA sowie in Deutschland etwa 20 Prozent der Todesfälle durch Luftverschmutzung zurück, weltweit ist er nur für etwa fünf Prozent verantwortlich.

Dass sich die Zahl der Todesfälle bei Einschränkung der Emissionen maßgeblich reduzieren lässt, belegt eine zweite Studie, aus dem Fachblatt "Nature Geoscience". Demnach hat die nachlassende Brandrodung des brasilianischen Regenwaldes seit 2004 zu einer deutlichen Reduzierung der Feinstaubbelastung geführt. Das verhindere jährlich 400 bis 1700 Todesfälle in Südamerika.

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