So, 17. Dezember 2017

Motorenstreit

18.09.2015 16:03

Red Bull meint's ernst: Rückzug aus der Formel 1?

Die Formel-1-WM könnte im nächsten Jahr mit nur noch acht Teams in Szene gehen. Nach der Trennung mit Saisonende von Motorpartner Renault hat Red Bull am Freitag beim Training für den Singapur-Grand-Prix unmissverständlich mit dem Ausstieg beider Teams gedroht. "Wenn es keinen konkurrenzfähigen Motor für uns gibt, dann gibt es Red Bull nicht mehr in der Formel 1", stellte Helmut Marko im ORF klar.

Der Motorsportberater von Red Bull betonte gleichzeitig, dass es nur noch eine Alternative gebe, um dieses Worst-Case-Szenario abzuwenden: Ferrari beliefert die Teams von Red Bull und Toro Rosso ab dem kommenden Jahr mit entsprechenden Triebwerken. "Es gibt nur noch eine Gesprächsbasis mit Ferrari, aber eine B-Version kommt für uns nicht infrage", betonte Marko, dass man nur Top-Aggregate akzeptiere. "Denn ohne richtigen Motor hast du keine Chance."

Die Trennung von Renault wurde erst am Dienstag offiziell. "Intern ist es schon früher festgestanden", verriet Marko. "Wir sind dabei, an einer freundschaftlichen Abwicklung der Dinge zu arbeiten, die damit verbunden sind", sagte der 72-jährige Steirer, dass noch Details verhandelt werden müssten. "Wir sind auf einem guten Weg."

Turbotriebwerke beendeten Red-Bull-Dominanz
Der ursprüngliche Renault-Vertrag mit Red Bull und dem Schwesternteam Toro Rosso wäre noch bis Ende 2016 gelaufen. Red Bull Racing ist nach einem Jahr mit Ferarri-Motoren (2006) seit 2007 Kunde des französischen Automobilherstellers. Mit Renault wurden insgesamt je vier Fahrer- und Konstrukteurstitel (2010 bis 2013) in der Formel-1-WM gewonnen. Doch seit der Einführung der Turbotriebwerke im Vorjahr ist die Red-Bull-Dominanz Geschichte. Die Zukunft von Renault in der Formel 1 ist offen: Es steht die Übernahme des finanziell angeschlagenen Lotus-Teams, aber auch ein kompletter Rückzug im Raum.

Auch Red Bull überlegt diesen totalen Ausstieg aus der Königsklasse. "Das ist kein Poker, sondern eine ernsthafte Aussage", bekräftigte Marko. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz hatte schon im April dieses Jahres in einem APA-Interview angekündigt: "In der F1 werden wir nur bleiben, wenn wir ein wettbewerbsfähiges Team haben, dafür ist eine wettbewerbsfähige Antriebseinheit Voraussetzung. Wenn wir diese nicht haben, haben wir auch mit dem besten Auto und den besten Fahrern keine Chance, um den Sieg mitzufahren."

Keine Deadline
Laut Marko gab es bereits erste Treffen mit Ferrari-Präsident Sergio Marchionne, die "vielversprechend" verlaufen seien. Es werde vor allem im Hinblick auf Toro Rosso eine möglichst rasche Lösung angestrebt. "Wir haben keine Deadline, da wir bei Red Bull die technische Kapazitäten haben, um kurzfristig zu reagieren", erklärte Marko. Bei Toro Rosso, schon von 2007 bis 2013 Motorkunde von Ferrari, sei dies aber nicht der Fall.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bestätigte am Freitag im ORF, dass zuletzt beim Rennen in Monza die Entscheidung getroffen wurde, "keine Motoren an Red Bull zu liefern. Wir wollen natürlich nicht, dass Red Bull aussteigt, aber von Mercedes-Seite ist die Entscheidung getroffen."

Lauda: "Bei uns hat niemand gefragt"
Mercedes-Aufsichtsrats-Chef Niki Lauda bestätigte diese "generelle Entscheidung", stellte aber gleichzeitig klar, dass es keine konkreten Gespräche mit Red Bull gegeben habe: "Bei uns hat niemand angefragt, das ist der Fakt der Dinge. Ich glaube aber schon, dass Ferrari Interesse hätte und in der Lage wäre, Red Bull Motoren zu geben."

Diese Lösung erhofft sich auch Mateschitz, wie er in einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten" (Samstag-Ausgabe) betonte. "Das wäre für die nächsten zwei, drei Jahre eine sehr akzeptable Lösung", sagte der 71-Jährige. Allerdings sei auch mit Ferrari-Motoren ein WM-Titel aus derzeitiger Sicht kaum realistisch. "Wenn Ferrari als Werkteam mit Vettel den Titel nicht schafft, wird es für uns auch nicht möglich sein. Aber wir können in die ersten drei Startreihen und von dort aufs Podium fahren."

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