Sa, 16. Dezember 2017

Romeos Liebling

17.09.2015 22:12

Alfa Giulia: Dass wir das noch erleben dürfen!

Als italophiler Autofan hat man's nicht leicht heutzutage. Der Fiat-Konzern fährt Lancia in den Graben, die Kernmarke reduziert sich im Wesentlichen auf den schnuckeligen 500er und Alfa Romeo ließ die Fans bisher am ausgestreckten Arm verhungern. Doch jetzt steht auf der IAA erstmals die ganz neue Giulia! Der Erstkontakt war durchaus emotional...

Amore per sempre - die Liebe zu einer Automarke kann so bewegend sein wie die zu einem Fußballverein. Auch wenn die Mannschaft Jahr für Jahr schlecht spielt, man bleibt ihr treu. Und wenn eine Marke teils schwere, wenig inspirierte Autos baut (Brera und vor allem der Spider-Ableger), gibt man dennoch die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht auf. Wenn sie dann da sind, steht man fassungslos vor der Giulia und lässt den Moment erst einmal still wirken, während es sich rundherum ur abspielt.

Vielleicht wäre es leichter zu verkraften, wenn die Italiener zunächst die Standardversion präsentiert hätten, aber offenbar ist es ihnen mindestens genauso dreckig gegangen. Denn was da auf der IAA steht, ist die Über-Giulia, und sie ist es auch, die als einzige Giulia im ersten Quartal 2016 auf den Markt kommt. Quadrifoglio heißt sie, das "Verde" wurde eingespart. Okay, Quadrifoglio Verde war immer ein Zungenbrecher.

Nun haben wir hier also einen Herzensbrecher. Die Optik ist martialisch und vielleicht etwas vom Film Cars inspiriert, aber wenn eine Limousine es sich erlauben kann, so aufzutreten, dann Giulia. Unter der Haube sitzt sage und schreibe ein Ferrari-Motor. Der 2,9-Liter-BiTurbo-V6 leistet 510 PS und fällt mit bis zu 600 Nm über die Hinterachse her, in unter vier Sekunden fällt der Hunderter und erst bei 307 km/h ist Schluss mit Vollgas. Angeblich schafft es das gute Mädel in 7:39 Minuten um die Nordschleife, was 13 Sekunden schneller ist als der BMW M4. Dreizehn!

Es ist nicht nur die Motorleistung, die Julchen schnell macht. Viel Alu und Carbon sorgt für ein günstiges Gewicht, sodass nur 1.524 kg im Datenblatt stehen. 8,5 l/100 km Normverbrauch stehen dort auch, sind aber weniger relevant. Variable Dämpfer, eine elektronisch geregelte Hinterachssperre, dazu ein aktiver Frontspoiler, der automatisch die Aerodynamik optimiert, all das sind Bausteine für den Erfolg und Teil der "meccanica delle emozioni", wie der neue Marketing-Spruch (statt "cuore sportivo") lautet.

Natürlich bin ich die Nordschleife mit der Giulia auch gefahren, aber nur in Gedanken, nachdem ich mich im Sportsitz festgeschnallt hatte. Wie im Ferrari prangt ein knallroter Startknopf am Lenkrad, überall Carbon, nur der Schaltknauf aus billigem Plastik ist so gar nicht standesgemäß. Sonst wirkt hier nämlich alles hochwertig, gut verarbeitet, ebenso inspiriert wie inspirierend. Herrlich klassische Rundinstrumente, ein Display, das nahtlos in die Mittelkonsole integriert ist, ein Fahrmoduswahlschalter, der auch einen Race-Modus kennt, so durfte man es sich wünschen.

Der Fahrer stand bei der Entwicklung offenbar im Mittelpunkt: Auch sehr groß Gewachsene finden eine perfekte Sitzposition, weil der Sitzverstellbereich extrem groß ist (also auch für lange Beine passt) und das Lenkrad entsprechend weit herausgezogen werden kann. Die Rückbank sieht von außen betrachtet enger aus, als sie ist, man hat durchaus ausreichend Platz dort. Allerdings ist es nicht ganz leicht, beim Aussteigen die Füße auszufädeln. Auch der Kofferraum geht in Ordnung.

Rund 110.000 Euro wird die Topversion in Österreich wohl kosten, knapp 90.000 eine nicht gar so überdrüber ausgestatte Quadrifoglio-Version. Günstiger wird es erst, wenn später die zivilen Schwestern auf den Markt kommen, mit braverer Karosserie und Benzin- sowie Dieselmotoren, die wohl 150 bis 350 PS leisten. Was konkret kommt und wie es aussieht, das wird man uns hoffentlich auf dem Genfer Salon im März präsentieren.

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