Fr, 24. November 2017

„Rattle That Lock“

15.09.2015 10:51

Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour solo unterwegs

Die Pink-Floyd-Vergangenheit, die könnte man laut Gitarren-Mastermind David Gilmour langsam aber sicher ruhen lassen, doch gerade live holt ihn der übermächtige Schatten seiner Kultband unweigerlich stets auf's Neue ein. Doch kein Grund Trübsal zu blasen, denn einerseits ist der 69-Jährige wieder sehr aktiv auf der Konzertfront und andererseits braucht er sich mit seinem aktuellen Soloalbum "Rattle That Lock" nicht zu verstecken.

Vier Töne hörte David Gilmour, als er auf dem Bahnhof von Aix-en-Provence auf den Zug wartete. Vier Keyboardtöne aus den Händen eines Sounddesigners, die jeder Ansage der französischen Bahn SNCF vorausgehen. "Jedes Mal, wenn ich sie höre, würde ich am liebsten lostanzen", sagt der Musiker, der in mehr als vier Jahrzehnten Pink Floyd Weltruhm als Genie des epischen Monumentalrocks erlangte.

Tänzerische Anklänge
Als Tänzer ist der 69-jährige Gilmour bisher aber nie aufgefallen. Deshalb überrascht der Titeltrack seines neuen, vierten Soloalbums, des ersten seit "On An Island" 2006. Für Gilmour-Verhältnisse klingt das Stück überraschend beschwingt, fast schon tänzerisch leicht mit einem Riff, das dennoch stark an "Another Brick In The Wall Part 2" erinnert. Wofür ein Bahnhofssignal doch so alles gut sein kann.

Das letzte musikalische Lebenszeichen Gilmours ist erst ein knappes Jahr alt. Oder 20 Jahre, wie man es nimmt: "The Endless River", der musikalische Nachruf auf den verstorbenen Keyboarder und Freund Rick Wright, war in Großbritannien eines der bestverkauften Alben 2014. Es bestand aber fast vollständig aus Material des Jahres 1993. Gravitätisch klang das, wie ein Musik gewordenes Denkmal. Anschließend erklärte Gilmour die Legende Pink Floyd kategorisch für beendet.

Endgültiges Ende
Und er reagiert zunehmend allergisch auf das Thema: "Es macht mich krank!", sagte er gerade dem "Focus". "Schließlich wurde mir schon jede erdenkliche Frage zu der Band gestellt, und nicht nur einmal. Es ist immer dasselbe und auf Dauer schrecklich langweilig. Ganz zu schweigen davon, dass ich nicht in der Vergangenheit leben möchte, sondern im Hier und Jetzt. Pink Floyd war toll. Eine großartige Band. Nur: Es ist vorbei."

Ob damit künstlerisch eine Last von ihm abgefallen ist? Das Cover von "Rattle That Lock" jedenfalls, das teilweise daheim auf seinem Hausboot aufgenommen wurde, zeigt Vögel, die aus einem engen Käfig entkommen und gen Himmel fliegen. "Lose those chains" (Streif' die Ketten ab), singt Gilmour dazu. Ohne seinen Rucksack voller Bombast ist David Gilmour leichter und poppiger unterwegs - das passt gut zu seiner dünner gewordenen Stimme.

Jazzige Momente
Und es gibt Überraschungen: In "Faces Of Stone" erklingt Gilmours Bluesgitarre im Walzertakt. Jazz-Momente gibt es dank "The Girl In The Yellow Dress". Auch das floydig-angehauchte und gleichzeitig groovige "Today" tröstet hinweg über mehrere Instrumentals ohne echte Songidee, die dem Ausfaden nach drei bis vier recht beliebigen Minuten entgegenplätschern.

Zudem ist Gilmour auch wieder auf den Live-Geschmack gekommen, hat er doch unlängst gefeierte Konzerte in Pula und Verona gespielt. Ein Österreich-Termin für den Sommer 2016 ist nicht unwahrscheinlich - natürlich inklusive einigen großen Pink-Floyd-Hits, die der Altmeister selbstverständlich nicht völlig außen vor lassen kann...

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