Do, 14. Dezember 2017

Nutzertäuschung

10.09.2015 11:34

Gefälschte Postings: Rüge für heimische Firmen

Wegen planmäßiger Täuschung von Internetnutzern im großen Stil durch gefälschte Postings hat der österreichische PR-Ehtik-Rat am Donnerstag die Social-Media Agentur mhoch3 und sieben ihrer Kunden scharf gerügt. Parteien, Banken, Staatsunternehmen und Pharmakonzerne hatten über die Wiener PR-Agentur Tausende Postings auf Online-Portalen von Medien manipuliert.

Im Auftrag der Agentur mhoch3 beziehungsweise von deren Kunden hatte eine Vielzahl an freien Dienstnehmern Postings in verschiedenen Online-Medien und -Foren mit dem Ziel veröffentlicht, die laufende Diskussion über das Image von Unternehmen oder Themen im Sinne der mhoch3-Kunden zu beeinflussen. Die Poster verwendeten dabei falsche Identitäten und täuschten so im großen Stil die Leser von Online-Medien und -Foren. Aufgedeckt worden waren diese Machenschaften im Vorjahr vom Monatsmagazin "Datum".

Vom PR-Ethik-Rat gab es nach einer mehrmonatigen Untersuchung wegen dieser Vorgangsweise nun scharfe öffentliche Rüge für mhoch3 und deren Kunden. Die Verwendung von falschen Identitäten sei nach Auffassung des PR-Ethik-Rates ethisch nicht vertretbar und wird als planmäßige Täuschung der Nutzer gewertet. Bei den Postern habe es sich auch nicht, wie von mhoch3 argumentiert, um "Online-Journalisten" gehandelt, sondern um bezahlte Auftragnehmer der Agentur. Diese Vorgangsweise sei auch durch einen von den Beteiligten ins Treffen geführten "Branchen-Usus" oder das Fehlen entsprechender Ethik-Kodizes nicht zu rechtfertigen, betonte der PR-Ethik-Rat.

Rügen für österreichische Unternehmen
Rügen gab es wegen Beteiligung an der planmäßigen Täuschung auch für mehrere mhoch3-Kunden: für die Bank Austria, Bayer Austria und win2day/Österreichische Lotterien. Der PR-Ethik-Rat wies die Unternehmen darauf hin, "in Zukunft größere Sorgfalt walten zu lassen". In seiner Begründung führte der Rat an, dass von professionellen Auftraggebern dieser Größe und Bedeutung zu erwarten gewesen wäre, dass der Modus der Auftragserfüllung bereits vor Auftragserteilung inhaltlich und ethisch hinterfragt wird.

Kein Bemühen, die Vorwürfe der gezielten Einflussnahme auf Nutzergruppen mit fragwürdigen Mitteln aufzuklären, zeigten die ÖVP Wien, Postbus und TUI Österreich. In allen Fällen seien die Fragen ausweichend oder gar nicht beantwortet worden, hieß es seitens des PR-Ethik-Rates. Von Universal Music sei auf die Anfragen des Rates kein Antwortschreiben eingelangt. Aufgrund fehlender Gegenargumente sprach der Rat gegen diese Firmen ebenfalls eine Rüge aus.

Da einige der Vorfälle Jahre zurück liegen, richteten sich die ausgesprochenen Rügen nicht gegen bestimmte Personen, sondern gegen die Vorgangsweise der betroffenen Unternehmen zum Zeitpunkt des Geschehens, hielt der PR-Ethik-Rat fest. Zugleich betonte man, dass das gerügte Verhalten stellvertretend für eine gewisse Kommunikationspraxis in der Branche stehe. Es sei durchaus denkbar, dass auch andere Agenturen oder andere Auftraggeber ähnlich vorgegangen seien beziehungsweise vorgingen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden