Fr, 20. Oktober 2017

Flüchtlingseinsatz

06.09.2015 12:17

ÖBB-Chef „wahnsinnig stolz“, aber wütend auf Orban

Nicht weniger als 11.000 Flüchtlinge hat sein Unternehmen, die ÖBB, am Samstag durch Österreich befördert - darauf und auf den Einsatz seiner Mitarbeiter sei er "wahnsinnig stolz", sagt Bahn-Chef Christian Kern. In einem Zeitungsinterview sparte er jedoch auch nicht mit Kritik am Nachbarland Ungarn, von wo die Tausenden Flüchtlinge über die Grenze strömen: "Dürfig ist noch zuviel gesagt", so Kern über die Zusammenarbeit.

"Wir haben nur sehr spärliche Informationen erhalten, es war auch schwierig, sich vorzubereiten, weil die Ungarn dreimal innerhalb weniger Stunden ihre Strategie änderten", sagte Kern im Interview mit dem "Standard" am Samstag. Und weiter: "Ich habe das Gefühl, der ungarische Premier Viktor Orban wollte hier ein Exempel statuieren, und das ist ihm leider wohl auch gelungen."

Für die nächsten Tage erwartet er erneut Tausende Flüchtlinge. Auf den Einsatz seiner Mitarbeiter in der Krisensituation sei er "wahnsinnig stolz", sagte der ÖBB-Chef, der sich auch bei den zahlreichen Helfern bedankte, die die Schutz suchenden Menschen am Samstag auf dem Wiener Westbahnhof unter anderem mit Lebensmitteln versorgten.

Bei Tickets "ein Auge zudrücken"
Die ÖBB könnten nicht selbst Züge nach Ungarn schicken und die Flüchtlinge in Budapest abholen, sagte Kern in der "ZiB 2": "Die Ungarn erlauben die Einfahrt unserer Züge leider nicht." Die Ticket-Frage werde vonseiten der ÖBB einstweilen "pragmatisch" gelöst: "Die Menschen haben nur das Nötigste, da ist es sinnvoll, bei der Kontrolle ein Auge zuzudrücken".

Die beeindruckende Bilanz des Samstags aus Sicht der ÖBB: Die Bundesbahnen haben insgesamt rund 11.000 Flüchtlinge Richtung Deutschland gebracht, teilte das Unternehmen am Sonntagvormittag mit. Rund 2200 weitere Personen verließen am Sonntag bis etwa 9 Uhr mit Zügen den Wiener Westbahnhof, weitere sollen im Laufe des Tages folgen.

Für Sonntag 40 Züge nach Deutschland geplant
Um etwa 10 Uhr fuhr am Sonntag der erste Sonderzug mit Flüchtlingen vom Westbahnhof nach Deutschland ab. In regulären Zügen brachen bereits ab 6.30 Uhr die ersten Asylwerber nach Deutschland auf. Laut ÖBB wurden auch schon um 1 Uhr nachts etwa 800 Personen mit einem Sonderzug Richtung Westen gebracht. Für Sonntag planen die ÖBB, insgesamt 40 Züge (Regulär- und Sonderzüge) Richtung Deutschland zu schicken. Auch die schon am Samstag verkehrenden Sonderzüge zwischen Nickelsdorf und Wien-Westbahnhof sollen - neben den regulären Zügen - wieder im Zweistunden-Rhythmus verkehren.

Noch unsicher ist laut ÖBB, wie viele weitere Menschen aus Ungarn nach Österreich kommen werden. Derzeit rechne man, dass pro Stunde etwa 300 Personen am Grenzbahnhof Hegyeshalom ankommen werden. Ein erster Sonderzug aus Nickelsdorf kam gegen 10 Uhr mit rund 400 Personen am Westbahnhof an, die Flüchtlinge stiegen zum Großteil gleich in den Sonderzug Richtung Deutschland um. Die Situation am Westbahnhof war am Vormittag ausgesprochen ruhig, die Polizei führte weiterhin keine aktiven Kontrollen der Flüchtlinge durch.

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