Sa, 18. November 2017

Ungarn-Flüchtlinge

05.09.2015 16:44

„Krone“ vor Ort: „Unser Fußmarsch in die Freiheit“

"Danke, großartiges Österreich! Danke für euer Herz und Mitgefühl - eure syrischen Freunde!" In holprigem Englisch schreibt Samir Samstagfrüh diese Dankesbotschaft auf einen Zettel. Er ist der erste Syrer, dem das "Krone"-Team auf dem Westbahnhof begegnet. Er strahlt wie ein Hutschpferd übers ganze Gesicht. Denn der Ingenieur aus Damaskus weiß eines: Jetzt, da er in Wien ist, befindet er sich in Sicherheit und Freiheit.

Vergessen all die Strapazen der vergangenen 30 Fluchttage. Verdrängt die Demütigungen und Ängste der letzten 30 Stunden in Ungarn. Seine Flucht über Jordanien, die Türkei, Griechenland und Mazedonien spiegelt alles wieder, was Tausende ebenso mitgemacht haben: eine lebensgefährliche Überfuhr in einem Schlauchboot, brutale Schlepperwillkür und schließlich die harsche Behandlung durch ungarische Polizisten.

"Wir sind doch keine Kriminellen. Nach den Ängsten und Schmerzen dieser Tortur, für die wir unsere gesamten Ersparnisse aufgebracht haben, sind wird doch nicht so dumm, etwas anzustellen", erzählt er von seinen Erfahrungen in Ungarn. Hooligans haben in Budapest mit Steinen nach ihnen geworfen und "Verschwindet!" geschrien. Jetzt ist alles o.k. Am Abend fährt er mit dem Zug nach Hamburg, wo Freunde auf ihn warten. Im "gelobten Land" Deutschland hofft Samir auf ein besseres Leben.

Ebenso wie jene Hunderte Syrer, die nun in der Nova-Rock-Halle in Nickelsdorf eine Welle der Menschlichkeit spüren. "Dieser Moment, als der erste Bus über die Grenze rollte, ist für mich vergleichbar mit dem Fall der Berliner Mauer", sagt "Krone"-Fotograf Peter Berger hörbar bewegt. Er war Zeitzeuge, nachdem Kanzler Werner Faymanns Telefonat mit Ungarns Premier Viktor Orban die Öffnung der Grenze ermöglicht hatte. Jetzt glauben die Flüchtlinge erstmals an Freiheit. Zehn Kilometer von jener Pannenbucht entfernt, wo in der Vorwoche 71 Tote im Kühllaster entdeckt wurden, 15 Kilometer vom Parndorfer Outlet-Center entfernt, wo Freiheit durch Luxus gilt.

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