So, 22. Oktober 2017

Pirelli beruhigt

03.09.2015 17:47

Vettel: Reifenplatzer sind weiterhin inakzeptabel

Pirelli hat nach den spektakulären Reifenschäden von Spa zwar kein Qualitätsproblem festgestellt, aber damit nicht alle Piloten überzeugt. "Platzer bei so einem Tempo sind nicht akzeptabel", beharrte Sebastian Vettel, der schon in Belgien heftige Kritik geübt hatte, nach Bekanntwerden der Testergebnisse in Monza. Der Motorsport-Weltverband FIA ist offenbar vorerst zufrieden. Denn die FIA stellte sich nach Bekanntgabe der Untersuchungsergebnisse am Donnerstag vor dem Italien-Grand-Prix hinter den italienischen Lieferanten.

Man werde alle für Monza sowie die restliche Saison vorgeschlagenen Maßnahmen in Betracht ziehen, hieß es. Handlungsbedarf ist da, denn Monza ist die schnellste Strecke im Formel-1-Kalender. Pirelli hatte nach den Reifenschäden am Ferrari Vettels und dem Mercedes von Nico Rosberg in Belgien genaue Untersuchungen der Pneus angestellt, aber keine Materialermüdung oder andere strukturelle Qualitätsprobleme festgestellt. Vielmehr eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Schnittbeschädigungen.

Besonders viele kleine Trümmerteile auf Piste
Exakt 63 waren es laut Pirelli. In den 15 Grand-Prix-Rennen davor seien es im Schnitt hingegen nur 1,2 pro Event gewesen. Vermutet wird, dass in Spa besonders viele kleine Trümmerteile von Rahmenrennen auf der Piste lagen und zu den Reifenschäden an den Formel-1-Autos führten. Pirelli hat daher eine Studie angeregt, um künftig Rennstrecken noch effizienter reinigen zu können. In Monza sollen zudem erhöhter Reifendruck und ein anderer Rad-Sturz die Sicherheit erhöhen.

Platzer wegen Zusammenwirkens verschiedener Aspekte
In Spa hatte vor allem Vettel heftige Kritik geübt, nachdem sich sein rechter Hinterreifen explosionsartig aufgelöst hatte. Pirelli hatte mit Gegenkritik reagiert, weil Ferrari auf eine riskante Ein-Stopp-Strategie gesetzt hatte. Die Tests hätten nun gezeigt, dass die Reifenschäden von Spa auf das außergewöhnliche Zusammenwirken von Trümmerteilen und zu langem Gebrauch der Reifen zurückzuführen seien, hieß es vom Mailänder Unternehmen.

Bei Rosberg habe ein Teil den Reifenmantel beschädigt. Dank mikroskopischer Untersuchungen habe man auch einen weiteren ähnlichen Fall entdeckt, ohne dass der Reifen kaputtgegangen wäre. An Vettels Ferrari hingegen habe die Laufflächendicke ungefähr nur noch 30 Prozent betragen, was den Hinterreifen zusätzlich anfällig für selbst kleinste Trümmerteile gemacht habe.

Vettel: "Es geht in die richtige Richtung"
Vettel überraschte nun mit der Aussage, man habe seine doch sehr deutliche Spa-Kritik ("Die Qualität ist miserabel") etwas falsch interpretiert. In Monza versuchte er es diplomatischer. "Es geht in die richtige Richtung. Am wichtigsten ist, dass man genau und professionell untersucht hat und bereit ist, daraus zu lernen. Aber da ist immer noch Raum für Verbesserungen", beharrte der Deutsche. Landsmann Rosberg meinte: "Ich hoffe, dass wir hier in Monza unter sicheren Bedingungen fahren."

Etwas gelassener sehen das einige Kollegen. "In Spa ist so etwas nichts Außergewöhnliches", meinte etwa Daniel Ricciardo von Red Bull. Der 34-jährige Routinier Felipe Massa (Williams) brachte es auf den Punkt. "Dreck und Teile sind überall auf den Strecken. Die Reifen müssen einfach stark genug sein, um das auszuhalten."

Reifen-Diskussion für Pirelli zu ungünstigem Zeitpunkt
Die Diskussion kommt in einem heiklen Moment. Noch im September wird entschieden, wer ab 2017 der exklusive Reifenausrüster der Königsklasse wird - neben Pirelli hat sich auch Michelin beworben. Pirelli ging nicht zuletzt deshalb in Italien in die Offensive. 13.784 Slicks habe man 2015 bisher zur Verfügung gestellt. Bis dato sei kein einziges Problem aufgetaucht, was die Qualität des Produktes beweise.

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