Mo, 18. Dezember 2017

Kopf aus Pappe

02.09.2015 15:20

"Frank": Michael Fassbender hat kein Gesicht

Jon ist musikalischer Tagträumer, der aus der Kleinstadt weg will. Frank ist charismatischer Bandleader der Avantgardegruppe Soronprfbs. Als deren Keyboarder ausfällt, wird Jon kurzerhand in die Band aufgenommen, die sich auf den Weg zu einer Hütte im irischen Nirgendwo macht, um dort ein Album aufzunehmen. Ach ja, und Frank trägt stets einen riesigen Pappmachekopf. Kinostart von "Frank": 4. September.

Diese lakonisch-surreale Konstellation ist der Ausgangspunkt für eine der liebenswertesten und schrägsten Komödien des Kinojahres. In der britisch-irischen Produktion von Regisseur Lenny Abrahamson fungiert zwar der etwas tollpatschige Jon (Domhnall Gleeson) als Identifikationsfigur für den Zuschauer und als Erzähler.

Der eigentliche Kern der Handlung ist allerdings Bandleader Frank, gespielt vom famosen Michael Fassbender ("12 Years a Slave"), der sich bis auf wenige Minuten im Film ausschließlich auf die Kraft seiner Stimme und seine Gestik verlassen kann - trägt seine Figur doch den überdimensionalen Comickopf selbst unter der Dusche.

So wissen selbst die Kollegen Clara (Maggie Gyllenhaal), Don (Scoot McNairy), Nana (Carla Azar) und Baraque (Francois Civil) nicht, welches Gesicht sich hinter der Maske verbirgt. Müssen sie aber auch nicht, denn Frank verbirgt nichts, mit Ausnahme seines Antlitzes. Er ist eine charismatische und zugleich skurrile Persönlichkeit, um den die anderen kreisen wie Trabanten um einen Planeten, ein missverstandener Außenseiter, der zugleich Menschen für sich einnehmen kann.

Mit dieser Ausstrahlung dient Frank allen verlorenen Seelen um ihn herum als Motor ihrer Selbstfindung, was bald auch auf Jon zutrifft, der als Möchtegernmusiker eingeführt wird, der in seiner Kleinstadtidylle innerlich Songtexte formuliert, wenn er auf der Straße flaniert, jedoch nicht den Zugang zu seinem künstlerischen Potenzial findet. Trotz aller Ablehnung durch die anderen Soronprfbs-Mitglieder, die selbst nicht wissen wie man ihren Namen ausspricht, eröffnet Jon die performative Gruppenarbeit neue Tore.

Er verarbeitet seine Beobachtungen und den skurrilen Kreativprozess der Gruppe auf seinem Twitter-Account - der sich innerhalb des Jahres in Irland von 14 auf über 20.000 Follower vervielfacht. So kommt, was kommen muss, und das renommierte South by Southwest Festival in Austin wird auf die Band aufmerksam. Im Gegensatz zum Rest der Band ist Frank vom Vorschlag, vor großem Publikum aufzutreten, extrem angetan. Der Herausforderung gewachsen ist er allerdings nicht.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Pop meets Pappe: Es gab sie wirklich, die Kunstfigur Frank Sidebottom, hinter der sich der 2010 verstorbene Musiker Chris Sievey verbarg, der in den 1990ern zu einer Art Kultgröße mit experimentellem Sound avancierte. Regisseur Abrahamson offeriert uns das schräge Porträt eines Außenseiterkünstlers, dem Michael Fassbender auch "kopflos" Genialität einzuhauchen versteht. Da wirkt ein bemüht kopflastiges Ende einfach nur aufgesetzt.

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