Sa, 18. November 2017

Anhörung in Ungarn

29.08.2015 19:21

A4-Todesdrama: Die ersten Bilder der Schlepper

Das Gericht in der ungarischen Stadt Kecskemet hat am Samstagnachmittag Untersuchungshaft über die mutmaßlichen Schlepper vom A4-Flüchtlingsdrama mit 71 Toten verhängt. Die vier Männer, drei Bulgaren und ein Afghane, waren zuvor mit Handschellen gefesselt von Einsatzkräften einer Spezialeinheit an Ledergurten in den Gerichtssaal geführt worden, wo sie dann einzeln vom Richter gehört wurden. Die Verdächtigen, die gegen ihre Verhaftung Berufung einlegten und die Anschuldigungen bestritten, bleiben nun bis 29. September in U-Haft.

Laut Ferenc Bicskei, dem Gerichtspräsidenten des Kreisgerichts von Kecskemet, sind die Bulgaren 29, 30 und 50 Jahre alt, der Afghane ist demnach 28 Jahre alt. Einer der Verdächtigen habe bei seiner Ankunft im Gericht die anwesenden Journalisten mit einem "breiten Grinsen" begrüßt, berichtete die Online-Ausgabe der ungarischen Zeitung "Magyar Nemzet". Nach den Einzelanhörungen der Männer wurde von dem Richtergremium unter der Leitung Bicskeis dann die U-Haft bis 29. September verkündet. Laut dem Gerichtspräsidenten hätten die Verdächtigen Berufung gegen ihre Verhaftung eingelegt und die Anschuldigungen bestritten.

"Außergewöhnliche Schwere des Verbrechens"
Das Gericht entsprach mit seinem Beschluss dem Ansinnen der Staatsanwaltschaft. Diese hatte gefordert, die Beschuldigten während der Ermittlungen wegen Flucht-, Verdunkelungs- und Wiederholungsgefahr sowie möglicher Zeugenbeeinflussung für einen Monat in Untersuchungshaft zu nehmen. Die Anklage verwies auf die "außergewöhnliche Schwere des Verbrechens", dem die Flüchtlinge zum Opfer gefallen seien und warf den Männern "geschäftsmäßig" organisierten Menschenhandel und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor.

Weitere Zuständigkeit noch nicht geklärt
Für die weiteren Ermittlungen ist nun vor allem der Todeszeitpunkt der 71 Flüchtlinge von Bedeutung. Die Leichen werden derzeit von der Gerichtsmedizin in Wien untersucht. Sollte sich herausstellen, dass die 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder schon tot waren, als der Lkw nach Österreich einfuhr, wären in erster Linie die ungarischen Strafverfolgungsbehörden zuständig. Wo daher tatsächlich Anklage gegen die Verdächtigen erhoben wird, ist noch offen, und damit auch, ob die Männer nach Österreich ausgeliefert werden. Derzeit ermittelt nach eigenen Angaben die Anklagebehörde in Eisenstadt formal wegen Schlepperei, vorsätzlicher Gemeingefährdung mit Todesfolge und Mordverdachts.

Unklarheit über den Besitzer des Todes-Lkws
Die vier Festgenommenen waren nach der Flüchtlingstragödie auf der Ostautobahn im Burgenland am Donnerstag im Nachbarland Ungarn gefasst worden. Eine Großfahndung brachte die Polizei auf die Spur der Täter, unter denen laut dem burgenländischen Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil der Besitzer des Lastwagens und zwei Fahrer sind.

Dem widersprach allerdings Richter Bicskei am Samstagnachmittag nach den Anhörungen in Kecskemet. Der Besitzer des Kühltransporters sei demnach nicht unter den Festgenommenen. Die vier Verdächtigen hätten über den Lkw verfügt und ihn benutzt, aber keiner von ihnen sei der Halter gewesen, sagte Bisckei in einer Pressekonferenz. Nähere Angaben wollte er unter Berufung auf die laufenden Ermittlungen nicht machen. Doskozil wiederum bekräftigte am Samstagabend auf Nachfrage gegenüber der APA, dass der Zulassungsbesitzer unter den Verdächtigen sei.

Lastwagen startete im ungarischen Kecskemet
Laut der ungarischen Staatsanwaltschaft war der Lkw mit den Flüchtlingen jedenfalls in der Stadt Kecskemet etwa 90 Kilometer südlich von Budapest gestartet. Er habe dann die Flüchtlinge nahe der südlichen Grenze zu Serbien aufgenommen und war schließlich weiter nach Österreich gefahren.

Handlanger eines bulgarisch-ungarischen Schlepperrings
Der Kühllastwagen mit ungarischem Kennzeichen und dem Logo eines slowakischen Geflügelhändlers war am Donnerstag in einer Pannenbucht an der Ostautobahn im burgenländischen Bezirk Neusiedl am See entdeckt worden. In dem Fahrzeug wurden 71 Leichen von Männern, Frauen und Kindern gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien handelt, die in dem Wagen erstickt waren. Die vier festgenommenen Männer sind nach Einschätzung der Polizei Handlanger eines bulgarisch-ungarischen Schlepperrings.

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