Do, 14. Dezember 2017

Auf die Mitte achten

04.09.2015 16:45

Wie der Bauch Gewicht und Psyche beeinflusst

Wussten Sie, dass Darmbakterien mit dem Gehirn in Kontakt sind? Sie steuern den Appetit. Sogar ein Zusammenhang mit Depressionen und Alzheimer wurde entdeckt.

Torte oder Schweinsbraten? Das entscheiden nicht nur wir, die Mikroorganismen haben ein Wörtchen mitzureden. Sie produzieren Botenstoffe, die sich im Gehirn in unser Essverhalten einmischen. Es gibt Spezialisten für Kohlenhydrate, für Fette usw. Je nachdem, wer vorherrscht, verlangt "seine Nährstoffe", die er ins Blut weiterleitet, aber auch selbst davon lebt.

Essen wir, was die Darmbewohner wollen, regen sie die Ausschüttung von Glückshormonen an, wir werden belohnt... Die Zusammensetzung des Mikrobioms entscheidet also darüber, ob wir dick oder dünn sind. "Die Darmbewohner Übergewichtiger holen offenbar mehr Energie aus der Nahrung heraus als jene von schlanken Menschen", berichtet Univ.-Prof. Dr. Peter Holzer, Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie, MedUni Graz.

Nahrung kann Darmflora beeinflussen
Mit bewusster Auswahl von Nahrungsmitteln können wir aber steuern, welche Helfer sich stärker vermehren. Änderungen des Speiseplans, beginnen sich bereits nach wenigen Tagen in der Zusammensetzung der Darmflora bemerkbar zu machen.

Ob und wie sich Lebensmittelzusatzstoffe auf das Mikrobiom auswirken, wird derzeit ebenfalls nachgegangen. Laborstudien geben Hinweise darauf, dass z. B. ein Emulgator (etwa in manchen Eiscreme und Margarinesorten) oder Zusatzstoffe in Fertigsaucen die Vielfalt der Mikroorganismen verändern und das Risiko für Entzündungen begünstigen kann.

Ist die Darmschleimhaut geschädigt, wird sie auch für schädliche Stoffe durchlässig, die dann ins Blut gelangen können. Chronisch entzündliche Darmleiden, Allergien, erhöhte Neigung zu Infektionen werden damit in Verbindung gebracht.

Nahrungsqualität und Mikrobiom sind für die mentale Gesundheit nicht unerheblich. "Große Studien konnten zeigen, dass vorwiegend Ernährung mit Fast Food das Risiko, eine Depression zu entwickeln, deutlich erhöht", berichtet Prof. Holzer.

Zusammenhang mit Alzheimer und Depressionen
Unser Superorgan arbeitet unabhängig vom zentralen Nervensystem, ist aber in engem Kontakt damit und verständigt sich über elektrische Signale, Hormone und bestimmte Eiweißstoffe (Zytokine). Eine Störung auf Grund dieser engen Zusammenarbeit zwischen Darm-Mikrobiom und Hirn wird auch mit Nervenerkrankungen wie z. B. Alzheimer vermutet.

Es gibt Hinweise, dass der Wachstumsfaktor BDNF, der eine wichtige Rolle beim Wachstum neuer Gehirnzellen spielt, von der Darmflora beeinflusst wird. Bei Alzheimer-Patienten ist die Produktion dieses Faktors verringert. Noch ist aber nicht klar, ob dies Ursache oder Folge der Erkrankung ist.

Interessant auch dieser Zusammenhang: Wird Stuhl ängstlicher Tiere auf mutige übertragen, so werden Letztere ebenfalls ängstlicher. "Einige Berichte belegen, dass Stuhltransplantation von Gesunden die Symptome bei Patienten mit Multipler Sklerose, Morbus Parkinson, chronischer Erschöpfung und Depressionen bessert. Und jene von Schlanken Menschen Übergewichtigen beim Abnehmen helfen könnte. "

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