Fr, 15. Dezember 2017

Johannes Habich

25.08.2015 17:22

„Lustig sein ist hartes Geschäft“

Andere denken mit 55 vielleicht schon an ein Leben nach dem Job – Johannes Habich dagegen will jetzt nochmals durchstarten: Nach einem Burnout und schwierigen Zeiten hat der Kabarettist mit Fiffi Putzenbacher eine neue Kunstfigur geschaffen, die ihm eine Vollzeitkarriere auf der geliebten Bühne erlauben soll.

Führe ich das Interview mit Fiffi oder Johannes?

Na, lieber mit Johannes oder? Der kann besser über Fiffi erzählen. Und sie ist doch sehr beschäftigt.

Also Johannes, Sie sind seit langem als Kabarettist unterwegs – der ganz große Erfolg kam bisher nicht. Ist das frustrierend?

Meine Frau sagt, hätte ich das wirklich gewollt, vom Kabarett leben zu können, dann hätte ich das wohl auch durchgezogen. Aber erstens bin ich oft zu unbequem und will mich nicht einem System unterordnen. Und zweitens war’s mir bisher zu unsicher – ich war immer ein Mann der Wirtschaft, denke unternehmerisch und habe meinen Marketingjob auch wahnsinnig gern gemacht. Der Habich als schräger Vogel lief immer nebenbei.

Jetzt ist das anders.

Anders ist nur, dass es mich vor einem Jahr gesundheitlich so richtig hineingerissen hat. Hingewamst könnte man sagen. Ich bin wirklich zusammengeklappt, brauchte Medikamente. Eine Warnung, anders zu leben, bewusster, viel mehr im Jetzt.

Burn out heißt das wohl.

Das Wort mögen mein Arzt und ich nicht. Erschöpfungssyndrom heißt es bei uns. Und es ist nicht schön.

Kennen Sie die Ursachen?

Es waren für mich und meine Frau ganz schwierige familiäre Zeiten über einige Jahre hinweg – mit Todesfällen, einem an Tourette erkranktem Kind – ich hab’ nicht mehr können und hab’s selbst nicht bemerkt.

Wo nehmen Sie bei Ihrer Geschichte noch Ihren Witz her, die Lust, andere zum Lachen bringen zu wollen?

Vielleicht ist’s für mich eine Therapie? Am Tag nach dem Begräbnis eines Elternteils war ich für einen wichtigen Auftritt gebucht – ich konnte nicht absagen, bin hingegangen und habe gespielt wie immer.

Was treibt Sie da?

Ich liebe die Bühne, schon seit ich in der Theatergruppe und beim Fasching dabei war. Und das schönste Geschenk, das ich für meine Arbeit bekommen kann, ist der Applaus. Und das Gefühl, mit einem Schmäh, einem Sager, richtig gelegen zu haben.

Sie haben vorher die Wirtschaftlichkeit des Kabaretts erwähnt. Wie passen Kunst und Ihr Unternehmerdenken zusammen?

Ich bin da, wie ich bin. Lustig sein ist ein sehr hartes Geschäft. Vor allem, wenn man ein Ein-Personen-Betrieb ist, der vom Kartenverkauf bis zur Beleuchtung alles selbst organisiert. Und ich schreibe mir ja jeden Text selbst. Die Fiffi, alles was sie macht – ob sie beim Kanzler putzt oder beim Schwarzenegger, aber das ist ihr zu gefährlich – da kommt jede Zeile von mir.

Fiffi gibt ihr Debut vor großem Haus im Casineum. Und für einen besonderen Zweck.

Es ist ein Charity-Abend für die Make a wish-Foundation. Jeder von uns sollte sich schämen, wie er die Welt den Kindern hinterlässt – also sollten wir wenigstens helfen, wo wir können. Und uns an der Nase nehmen, es endlich besser zu machen. Vor allem die Politiker, die wir gewählt haben, und die so schlecht arbeiten. Aber da könnten wir jetzt lange schimpfen und die Fiffi mitreden lassen.

Sie haben also mit 55 die Rettet-die-Welt-Phase?

Ist nie zu spät oder?

Daher auch der Versuch, nun richtig durchzustarten?

Ja. Schauen Sie, da auf Facebook – Fiffi ist natürlich multimedial vernetzt – mehr als 14.000 haben ihr Posting gesehen.

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