So, 17. Dezember 2017

"Panikattacke"

24.08.2015 22:25

Chinas Wirtschaft taumelt: Börsen auf Talfahrt

Chinas taumelnde Wirtschaft hat am Montag für einen massiven Kurssturz an den internationalen Börsen gesorgt. Die Furcht vor einem heftigen Konjunktureinbruch brachte Anleger dazu, Aktien im hohen Bogen aus ihren Depots zu werfen. Auch an den Rohstoffmärkten brachen die Preise für Öl und Kupfer ein. Der deutsche DAX rutschte am Nachmittag auf rund 9.400 Zähler und damit weit unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten. Der ATX sank auf 2.214,62 Punkte - ein Minus von 101,56 Punkten bzw. 4,38 Prozent.

Auch an der Wall Street rasselten die Kurse dramatisch nach unten: Der Dow Jones Industrial Index gab um satte 588,47 Punkte oder 3,58 Prozent auf 15.871,28 Einheiten ab, nachdem er kurz nach Handelsstart um mehr als 1.000 Punkte bzw. mehr als sechs Prozent eingebrochen war. "Wir sind mitten in einer Panikattacke und China ist das Epizentrum", erklärten die Analysten von JP Morgan Cazenove. Die Furcht vor den Folgen einer Wachstumsdelle in China für die gesamte Weltwirtschaft mache die Investoren höchst nervös, sagte Tobias Basse von der NordLB.

Der DAX rutschte bei sehr hohen Umsätzen in der Spitze um 6,8 Prozent auf 9.445 Punkte ab - das war der niedrigste Stand seit Anfang Jänner. Noch im April hatte der deutsche Leitindex dank der milliardenschweren Geldspritzen der Europäischen Zentralbank ein Rekordhoch von 12.390,75 Zählern aufgestellt. Der Euro Stoxx 50 ging schließlich mit einem satten Minus von 173,87 Einheiten oder 5,35 Prozent bei 3.073,39 Zählern aus dem Handel. Es war der fünfte Verlusttag in Folge. Am Nachmittag lag der Index vorübergehend mehr als acht Prozent im Minus.

Erhoffte Geldspritze aus Peking bleibt aus
Begonnen hatte das Beben in der Nacht in China, wo der Shanghai Composite um 8,5 Prozent absackte. Die Entscheidung der Pekinger Regierung, Pensionsfonds erstmals Investitionen am Aktienmarkt zu gestatten, enttäuschte die Anleger. Börsianer hatten offenbar damit gerechnet, dass die chinesische Notenbank die Märkte mit neuen Geldspritzen stützen würde.

China galt bisher als einer der zukunftsträchtigsten Absatzmärkte weltweit. Ob deutsche Autobauer oder französische Luxusgüterhersteller - sie alle haben zuletzt vor allem auf die Chinesen als Konsumenten gesetzt. Entsprechend sind die Aktienkurse dieser Branchen seit Wochen auf Talfahrt. Denn schon seit Jahresbeginn häufen sich die Anzeichen für eine stärkere Abkühlung der chinesischen Wirtschaft. Von den früher zweistelligen Wachstumsraten ist schon lange nichts mehr zu sehen. Für 2015 strebt die Regierung ein Plus von sieben Prozent an - es wäre der kleinste Zuwachs seit einem Vierteljahrhundert.

China ließ Yuan abwerten
Die chinesische Zentralbank versucht sich mit aller Macht gegen den Abwärtstrend zu stemmen: So ließ sie die Landeswährung Yuan kräftig abwerten, was chinesische Waren im Ausland billiger macht - und ausländische Waren in China teurer. Viele Anleger sahen darin einen weiteren Beleg, dass es um die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft alles andere als gut bestellt ist.

An den Rohstoffmärkten nahmen die Anleger ebenfalls Reißaus. China ist einer der größten Konsumenten von Industrierohstoffen. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent fiel um 4,8 Prozent auf 43,28 Dollar (38,4 Euro) je Fass (159 Liter) und damit auf den tiefsten Stand seit März 2009. Kupfer verbilligte sich um 3,4 Prozent auf 4.882 Dollar je Tonne und war damit so billig wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr.

Auch steigender Eurokurs belastet Märkte
Belastet wurden die Aktienbörsen in Europa neben den China-Sorgen auch durch einen wieder steigenden Eurokurs, der europäische Waren im Ausland verteuert. Grund dafür sind die Spekulationen um eine Verschiebung der ersten Zinserhöhung in den USA seit der Finanzkrise 2007/08. Daher lösten viele Anleger ihre Wetten auf einen steigenden Dollar auf, was im Gegenzug den Euro in der Spitze auf 1,1711 Dollar trieb. Damit notierte die Gemeinschaftswährung wieder auf dem Niveau von Mitte Jänner.

Zuflucht suchten die Anleger in den gern als sichere Häfen angesteuerten zehnjährigen Bundesanleihen. Auch der Goldpreis setzte seine Aufholjagd fort und zog leicht um 0,2 Prozent auf 1.162,91 Dollar je Feinunze an.

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