Mo, 18. Dezember 2017

Dramatische Lage

23.08.2015 11:22

Flüchtlinge: Mazedonien hob Grenzsperre auf

Mazedonien hat seine Grenze für Flüchtlinge freigegeben und damit eine weitere Eskalation verhindert. Nachdem bereits am Samstag 1500 Flüchtlinge ungehindert die Grenze bei der Stadt Gevgelija überquert hatten, liefen auch am Sonntag Hunderte Migranten ins Land, nachdem sie tagelang im Niemandsland zwischen Griechenland und Mazedonien ausharren hatten müssen. An den mit Stacheldraht gesicherten Grenzabsperrungen hatten sich zuvor dramatische Szenen abgespielt.

An der Grenze sind weiterhin Bereitschaftspolizisten postiert. Allerdings schreiten sie nicht wie an den Tagen zuvor ein und lassen die Flüchtlinge ungehindert die Grenze passieren. Noch am Freitag und Samstag waren sie mit Blendgranaten und Tränengas gegen die Migranten vorgegangen, um sie von der Einreise abzuhalten. Am Samstag gelang es Hunderten Flüchtlingen trotz des Stacheldrahtes und der Bewachung, die Grenze zu überqueren.

Am Donnerstag hatte Mazedonien den Ausnahmezustand ausgerufen und seine Grenze zu Griechenland weitgehend abgeriegelt. Die mazedonische Regierung hatte argumentiert, sie müsse den Flüchtlingsstrom begrenzen, der in den vergangenen Wochen auf mehr als 2000 Menschen pro Tag angestiegen war. Nur so könnten chaotische Zustände verhindert werden.

Nun warten in Mazedonien wieder Extra-Züge und aus dem ganzen Land zusammengezogene Busse auf die Flüchtlinge, um sie weiter nach Serbien zu bringen. Von dort wollen die Flüchtlinge, die zumeist aus Syrien und anderen Krisenregionen des Nahen Ostens, Afrikas und Asiens stammen, weiter über Ungarn nach Westeuropa reisen. Der Ort Gevgelija selbst sei weitgehend leer, nachdem Tausende Flüchtlinge in den Norden Mazedoniens zur Grenze nach Serbien gebracht worden seien, berichtete der Fernsehsender A1 am Sonntag. Wenige Menschen warteten noch auf einen Zug oder Bus, der sie in das 200 Kilometer entfernte Tabanovce bringen sollte. Von dort wollen sie die Grenze nach Serbien passieren.

"Es gibt keine Zukunft in Syrien"
Am Freitagabend wurde die Grenze bereits für Hunderte "verletzliche" Flüchtlinge wie Familien mit Kindern oder schwangere Frauen geöffnet, die mit einem Zug Richtung Norden gebracht wurden. Tausende weitere Menschen mussten die Nächte mit unzureichender Wasser- und Lebensmittelversorgung bei teilweise starkem Regen unter freiem Himmel verbringen. Flüchtlinge riefen: "Helft uns!", Kinder weinten. Der 49-jährige Arzt Samer Moin aus Syrien berichtete von der Nacht auf Samstag: "Eine Mutter hat ihre Tochter verloren und die ganze Nacht geschrien. Ich bin seit Tagen hier, ich will nach Norwegen."

Hunderte weitere Flüchtlinge trafen Samstagfrüh im Grenzort Idomeni ein. "Es gibt keine Zukunft in Syrien", sagte der 22-jährige Englischlehrer Mustafa Saieb. Er wolle nach Deutschland weiterreisen, um sich dort ein besseres Leben aufzubauen.

Wasser nur zu Wucherpreisen
Schwarzmarkthändler verkaufen Flüchtlingen in Gevgelija laut Medien Waren zu völlig überteuerten Preisen. So müssten die Menschen am Bahnhof für einen Sechserpack Wasser zehn Euro zahlen, fünfeinhalb Mal mehr als üblicherweise, meldete das mazedonische Nachrichtenportal Plus Info am Samstag. Ein Schokoriegel, der gewöhnlich nicht mehr als einen Euro koste, werde für fünf Euro angeboten, hieß es weiter. Ein Kilo Bananen koste knapp neun Euro.

Nach Angaben der Regierung in Skopje überquerten seit Mitte Juni 42.000 Flüchtlinge, darunter mehr als 7000 Kinder, die mazedonische Grenze. In Griechenland trafen seit Jahresbeginn mehr als 160.000 Flüchtlinge ein. Ziel der meisten Migranten sind reichere EU-Länder wie Deutschland, Österreich oder Schweden.

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