Fr, 15. Dezember 2017

Das Power-SUVpé

24.08.2015 07:30

BMW X6 M: Das ist ja obszön!

Ein SUV-Coupé mit 2,3 Tonnen schierer Masse, 575 PS und 750 Nm, das in gut 4 Sekunden auf Tempo 100 ist - nein, ich habe nicht das Laufhaus getestet, vor dem das Foto hier oben entstanden ist, und ich möchte den BMW X6 M auch nicht mit dem Rotlicht-Milieu in Verbindung bringen. Aber, ja: Das Auto kann man als obszön bezeichnen. Oder auch als geil. Oder ist das dann auch schon wieder obszön?

"Obszönität bedeutet immer Grenzverletzung, auch Tabu-Bruch und (in einem weiteren Sinne) Kampf suchen", schreibt Wikipedia. Und Grenzen sprengt der X6 M, seit es ihn gibt. In seiner aktuellen Version ist er stark wie nie (plus 20 PS, plus 70 Nm) und schaut auch so gut aus wie nie zuvor. Die Linien, Sicken und Kanten, die ihm die Münchner ins Blech gepresst haben, lassen das eigentlich ziemlich fette SUV-Coupé geradezu schlank wirken. Übrigens wurde seinerzeit auch Elvis Presleys Hüftschwung als obszön bezeichnet.

Beinahe so elegant schwingt der X6 M auch durch die Kurven, sein 10 mm tiefergelegtes M-Fahrwerk mit Luftfederung an der Hinterachse und adaptiver Regelelektronik macht das Gewicht vergessen, das man ums Eck wuchtet. Wankbewegungen? Fehlanzeige. Wie ein Bügeleisen auf dem Brett. Superenge Passstraßen wird man trotzdem meiden.

Der überarbeitete 4,4-Liter-BiTurbo-V8 ist ein Gedicht und der stärkste Motor, den BMW derzeit anbietet (der M6 hat weniger Drehmoment). Unfassbar, wie er anschiebt und serienmäßig alle vier Räder in den Boden walkt. Die sind angemessen breit, 285 mm vorn und 325 mm hinten; 20-Zöller sind Serie, 21 Zoll optional. Das xDrive-Allradsystem ist wie gewohnt nicht als reines Sicherheits-Tool ausgelegt, sondern bevorzugt das Heck, mit dem man herrlich arbeiten kann, vor allem wenn die Fahrbahn rutschig ist.

Sound trägt nicht zu dick auf
Erstaunlich ist der Sound dieses extrovertierten Stücks Autoporno, denn der ist keineswegs prollig, im Gegensatz zum frisch präsentierten Konkurrenten Mercedes-AMG GLE 63 Coupé geradezu sophisticated. Fährt man ganz entspannt dahin, wird er nicht anecken, verschärft sich aber, wenn man Fahrweise und Einstellung ändert. Also, nicht die persönliche, sondern die am Armaturenbrett bzw. auf der Mittelkonsole, denn da lässt sich alles vom Fahrwerk über die Lenkung bis zum Ansprechverhalten mehrstufig einstellen - und sogar in Form zweier Presets speichern, die über Lenkradknöpfe abgerufen werden. Auch die Schaltzeiten der Achtgang-Automatik lassen sich dreistufig variieren, von recht komfortabel bis brachial schnell.

Optik kommt ohne Fakes aus
Im Vergleich zum Serien-X6 hat BMW den Auftritt durchaus geschärft, etwa mit riesigen Lufteinlässen vorn und Doppelstegaußenspiegeln. Was BMW hoch anzurechnen ist: Sie verzichten an der Karosserie komplett auf Fake-Elemente wie Luftgitter, die keine sind, oder auch Auspuffblenden, hinter denen man das eigentliche Auspuffrohr sieht. Hier gibt es richtige (vergrößerte) Auspuffendrohre und da, wo etwa bei Mercedes an den hinteren Kotflügeln Plastikeinsätze vorgeben Luftgitter zu sein, platziert BMW einfach rote Rückstrahler.

Die Preisliste beginnt bei 154.400 Euro, LED-Scheinwerfer, Zweizonen-Klimaautomatik, Einparkhilfe, oder auch ein Top-Navigationssystem sowie eine Alarmanlage sind da schon mit dabei. Trotzdem kommt mein Testwagen auf mehr als 180.000 Euro, mit Extras von der Superlederausstattung bis zum "Bang & Olufsen"-Soundsystem. Die auffällige Lackierung in "Long Beach Blau Metallic" kostet nichts extra, wird aber wohl nicht allzu oft geordert werden. Autokäufer sind bei der Farbwahl meist eher konservativ. Wobei - wenn das Auto schon obszön ist, kann man sich bei Lack und Leder vielleicht auch ein wenig gehen lassen.

Warum?

  • Fährt sich herrlich.
  • Trägt nicht zu dick auf.

Warum nicht?

  • Muss zum Image passen. Und über die Sinnhaftigkeit eines solchen Fahrzeugs brauchen wir nicht zu sprechen.

Oder vielleicht …

… Mercedes-AMG GLE 63 Coupé, BMW X5 M

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