Do, 14. Dezember 2017

Zahl steigt rasant

19.08.2015 17:39

Deutsche erwarten heuer bis zu 800.000 Asylwerber

Nach Österreich hat jetzt auch Deutschland seine Flüchtlingszahlen für das Jahr 2015 drastisch nach oben korrigiert: Unsere Nachbarn erwarten heuer viermal so viele Asylwerber wie im vergangenen Jahr. "Wir müssen damit rechnen, dass in diesem Jahr bis zu 800.000 Menschen als Asylbewerber oder Flüchtlinge zu uns nach Deutschland kommen", sagte Innenminister Thomas de Maiziere am Mittwoch. Allein im Juli stellten 37.531 Menschen in Deutschland einen Antrag auf Asyl - so viele wie noch nie zuvor in einem einzelnen Monat.

Die vom Innenministerium in Berlin genannte Zahl von 800.000 Asylwerbern wäre der größte Zustrom von Flüchtlingen seit Bestehen der Bundesrepublik. Bisher war das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für das Gesamtjahr von 450.000 Asylanträgen ausgegangen. Im vergangenen Jahr beantragten 202.000 Menschen Asyl.

Auch Österreich hatte die Flüchtlingszahlen zuletzt drastisch nach oben korrigiert, von bis zu 80.000 Asylwerbern bis Ende des Jahres ist die Rede. Zum Vergleich: Mit rund 81 Millionen Einwohnern würde bei erwarteten 800.000 Flüchtlingen auf 101 Deutsche ein Asylwerber kommen. In Österreich würde bei rund 8,6 Millionen Einwohnern mit aktuell prognostizierten 80.000 Flüchtlingen ein Asylwerber auf 107 Einwohner kommen.

Innenminister: "Herausforderung für uns alle"
"Das ist eine Herausforderung für uns alle", kommentierte de Maiziere die neuen Zahlen. Doch "überfordert ist Deutschland mit dieser Entwicklung nicht". Er wies darauf hin, dass sich Deutschland "für einige Jahre" auf hohe Flüchtlingszahlen einstellen müsse. "Jeder Flüchtling, der nach Deutschland kommt, muss würdig, sicher und anständig aufgenommen werden", so der Minister.

Die Zahl der Asylwerber in Deutschland steigt jedenfalls immer rasanter: Die 37.531 Antragsteller im Juli miteingerechnet, begehrten 2015 bisher 218.221 Menschen Asyl in Deutschland. Im Vergleich zu den ersten sieben Monaten 2014 entspricht das einem Zuwachs von 124,8 Prozent.

Heuer schon 2,5-mal mehr Syrer als im Vorjahr
Die meisten Menschen kamen in den ersten sieben Monaten aus dem Bürgerkriegsland Syrien in die Bundesrepublik. Ihre Zahl war mit 44.417 Personen gut 2,5-mal so hoch als Mitte 2014. 33.000 Asylwerber und damit mehr als elfmal so viele wie vor einem Jahr stammten aus dem Kosovo. Auch die Flüchtlingszahlen aus Albanien und Serbien stiegen drastisch an. Allerdings werden Asylwerber aus den Westbalkanstaaten fast durchwegs nicht anerkannt. Stark gestiegen sind auch die Einreisen von Flüchtlingen aus dem Irak und Afghanistan. Unter die zehn Hauptherkunftsländer fallen zudem Eritrea und Pakistan.

Die Situation, in der sich Deutschland befindet, erinnert nur zu gut an Österreich: Angesichts drastisch steigender Flüchtlingszahlen streiten auch bei unseren nördlichen Nachbarn Bund, Länder und Kommunen über die Verantwortlichkeiten bei der Versorgung der Einwanderer. Der Deutsche Städtetag forderte von den Ländern einen massiven Ausbau der Erstaufnahmeeinrichtungen. Und wie die Staatsspitze in Österreich fordert auch Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel eine "europäische Antwort" auf die Flüchtlingsproblematik.

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