Sa, 16. Dezember 2017

Mindestens 20 Tote

18.08.2015 10:00

Bangkok-Anschlag: Spur führt zu Rothemden-Gruppe

Nach dem verheerenden Bombenanschlag in Bangkok verfolgen die Ermittler nach Angaben der Regierung eine heiße Spur. Auf Bildern von Überwachungskameras sei ein Verdächtiger zu sehen, nach dem nun gefahndet werde, sagte der Chef der thailändischen Militärjunta am Dienstag. Der Anschlag im Zentrum der Hauptstadt forderte mindestens 20 Todesopfer, mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Die Bombe war auf einem Motorrad angebracht, unter den Opfern sei laut Polizei "eine erhebliche Zahl von Ausländern".

Laut Regierungsschef Prayut Chan-Ocha gehört der Verdächtige vermutlich einer regierungsfeindlichen Gruppe an, die im Nordosten Thailands ansässig sei. Die Region ist eine Hochburg der Rothemden-Bewegung, die den Militärputsch im Mai des Vorjahres verurteilt. Der Premier sagte weiter, der Anschlag vom Montag sei "der schlimmste Angriff" in der Geschichte des Landes gewesen.

Die Zahl der Toten stieg nach Angaben der Polizei über Nacht auf 20. Identifiziert wurden bisher fünf Thailänder, vier Chinesen, zwei Malaysier und ein Mann aus Singapur. Auch zwei Touristen aus Hongkong seien bei der gewaltigen Explosion ums Leben gekommen, sagte Polizeisprecher Prawut Thavornsiri am Dienstag. Der Sprengsatz war am Montagabend an einem bei Einheimischen und Touristen beliebten Schrein an einer der belebtesten Kreuzungen detoniert.

"Können Nationalitäten noch nicht feststellen"
Mindestens 123 Menschen wurden teilweise schwer verletzt, unter anderem durch Verbrennungen. Viele waren am Dienstag noch nicht in der Lage, sich zu äußern. "Bei vielen Verletzten konnten wir die Nationalität noch nicht feststellen", sagte ein Arzt. "Sie hatten keine Identifikationspapiere bei sich." Der jüngste Patient sei ein fünfjähriger Bub aus China, sagte der Staatssekretär des Ministeriums für öffentliche Gesundheit, Narong Sahametapat.

Österreicher dürften sich nach derzeitigen Erkenntnissen nicht unter den Opfern befinden, erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Martin Weiss. Man stehe aber weiterhin mit den lokalen Behörden in Kontakt.

Explosion vor Hindu-Schrein
Die Explosion ereignete sich vor dem hinduistischen Erawan-Schrein an einer belebten Kreuzung bei der Sky-Train-Station Chit Lom. Spezialisten schätzten nach Angaben thailändischer Medien, dass die Bombe drei bis fünf Kilogramm Sprengstoff enthielt. Die Detonation sei mit einem Zeitzünder ausgelöst worden. Die Untersuchungen seien schwierig, weil der Sprengsatz selbst völlig zerstört wurde und so keine Rückschlüsse auf die Hersteller gezogen werden können, sagte Polizeichef Somyot Pounpanmuang.

Der Schrein gilt als Touristenattraktion, weil dort jede Stunde mehrmals Tänzerinnen in prunkvollen Kostümen auftreten, und ist umgeben von einem viel besuchten Einkaufszentrum, Hotels und Bürogebäuden. Augenzeugen berichteten von großer Verwüstung.

Auf Bildern einer Überwachungskamera ist ein riesiger Feuerstoß zu sehen, dann rennen Passanten in verschiedene Richtungen davon. Durch die Wucht der Explosion wurden laut Medienberichten rund 45 Fahrzeuge beschädigt. Auf einem nahe gelegenen Gehsteig waren zum Zeitpunkt der Detonation zahlreiche Passanten unterwegs. Die Polizei entdeckte zudem eine weitere Bombe in der Gegend um die Sky-Train-Station Ratchaprasong. Diese sei laut "Bangkok Post" kontrolliert zur Explosion gebracht worden.

"Riesige Explosion erschütterte Gebäude"
"Ich habe im Hyatt-Erawan-Hotel abendgegessen, als eine riesige Explosion das Gebäude erschüttert hat", berichtete Eric Seldin, der in Bangkok arbeitet. "Als wir 15 Minuten später nach draußen durften, habe ich mehrere mit Tüchern bedeckte Körper gesehen."

Die Hintergründe der Tat sind unklar. "Ich kann bestätigen, dass es eine Bombe war, wir können noch nicht sagen, welchen Typs", sagte Polizeisprecher Prawut Thavornsiri. "Die Bombe war auf einem Motorrad befestigt", sagte der Vize-Chef der nationalen Polizei, Aek Angsananond. Dem Polizeisprecher zufolge habe der Anschlag zum Ziel gehabt, die Tourismusindustrie Thailands zu zerstören.

Im Februar waren vor einem Einkaufszentrum in Bangkok zwei Sprengsätze explodiert und verletzten zwei Menschen. Auf der Touristeninsel Koh Samui explodierte im April eine Autobombe. Niemand hat sich je zu den Anschlägen bekannt.

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