Mo, 11. Dezember 2017

LeFloid und Co.

17.08.2015 08:59

Islamismus im Netz: Promi-YouTuber klären auf

An Warnungen vor islamistischer Propaganda im Internet mangelt es nicht: Immer wieder mahnen Politiker und Experten, dass gerade junge Menschen im Netz durch Dschihadistengruppen wie den Islamischen Staat radikalisiert werden können. Gegen die Verführer und Vereinfacher setzt die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung nun auch auf die Hilfe prominenter YouTuber wie LeFloid. Ab Ende September sollen sie in Videos für Aufklärung sorgen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann warnte erst jüngst bei der Vorstellung des Halbjahresberichts des bayerischen Verfassungsschutzes vor der Gefahr zunehmender Internetpropaganda durch Islamisten: "Sie nutzen alle Möglichkeiten des Internets für Propaganda und Missionierungen, insbesondere gehen sie massiv in die sozialen Netzwerke."

Sein nordrhein-westfälischer Amtskollege Ralf Jäger verwies auf die "aggressive und hoch professionelle Propaganda" des IS, die weltweit über das Internet verbreitet werde. Junge Menschen würden so auch in Deutschland zur Gewaltbereitschaft und zu einem extremistischen Weltbild verführt.

Emotionalisierende Propaganda
Doch wie sieht islamistische Propaganda im Netz überhaupt aus? "Ein Großteil der Propaganda setzt auf emotionale Wirkung, beispielsweise Darstellungen von leidenden Menschen", erklärt die Leiterin des Bereichs Politischer Extremismus bei der Internet-Jugendschutzstelle jugendschutz.net, Christiane Schneider. Diese Darstellungen würden instrumentalisiert, "um Gewalt und Terror gegen die vermeintlichen 'Feinde des Islam' zu rechtfertigen". Geködert werde zudem mit "Erlebnisangeboten, hippen Bildern und poppigen Designs".

Besonders junge Internetnutzer würden über Bezüge zu ihrer Lebenswelt und konkrete Identitätsangebote angesprochen, erklärt Schneider die Herangehensweise. "Geboten werden Möglichkeiten zur Rebellion, ein verbindliches und umfassendes Regelwerk sowie eine Gemeinschaft, die sich durch Stärke auszeichnet". Islamisten böten Antworten auf Lebensfragen und "eine Ersatzfamilie, die sich kümmert". Für Jugendliche, die ihren Platz in der Gesellschaft suchten oder aufgrund ihrer muslimischen Herkunft Ablehnung erfahren, könne das ein "attraktives Angebot" sein.

Gegenoffensive
Die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung startet daher nun eine Art Gegenoffensive: Prominente YouTuber erklären in Videos etwa Kernbegriffe des Islam wie die Umma, die Gemeinschaft aller Muslime, oder das Kalifat. Zudem sprechen sie in anderen Filmen mit Islamexperten. Gewonnen wurden für das Programm bereits der YouTube-Star LeFloid, der jüngst mit einem Interview mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel für Schlagzeilen sorgte, die Beauty-Bloggerin Hatice Schmidt oder MrWissen2Go, der auf seinem YouTube-Kanal Allgemeinwissen vermitteln will.

Zur Idee hinter diesen Videos erklärt Arne Busse von der Bundeszentrale für politische Bildung, bei den "identitätsstiftenden Faktoren" bei Extremistenorganisationen wie dem IS falle auf, dass streng zwischen Gläubigen und Ungläubigen unterschieden werde. Zudem gebe es eine Orientierung am Islam des siebenten Jahrhunderts, bei der Auslegung des Korans gebe es nur richtig oder falsch.

Keine Illusionen
"Wir brauchen Angebote, die deutlich machen, dass der Islam sehr viel differenzierter ist", erklärt Arne Busse von der Bundeszentrale für politische Bildung die Idee hinter den Videos. Bei den "identitätsstiftenden Faktoren" von Extremistenorganisationen wie dem IS falle auf, dass streng zwischen Gläubigen und Ungläubigen unterschieden werde. Zudem gebe es eine Orientierung am Islam des siebenten Jahrhunderts, bei der Auslegung des Korans gebe es nur richtig oder falsch. Auch "Ausgrenzungserfahrungen", die in Deutschland lebende Muslime gemacht haben, müssten eine Rolle spielen. Zudem müsse berücksichtigt werden, "dass das Publikum oft religiös ungebildet ist".

Illusionen über die Wirkung der YouTube-Videos macht sich Busse allerdings nicht. "Menschen, die bereits radikalisiert sind, haben ein sehr geschlossenes Welt- und Religionsbild. Sie werden solche Angebote vermutlich nicht wahrnehmen oder ablehnen", sagt der Experte. Ansatz der YouTube-Videos sei es, "diejenigen aufzuklären, die noch nicht so weit radikalisiert sind".

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