Di, 12. Dezember 2017

Traurige Gewissheit

18.08.2015 17:39

Anneli R. "wurde Opfer eines Tötungsverbrechens"

Traurige Gewissheit im Entführungsfall Anneli R.: Die 17-jährige Deutsche ist tot, wie die Polizei am Dienstagnachmittag bestätigte. Bei der am Montagabend auf einem Hof in Sachsen gefundenen Leiche handelt es sich um die seit Donnerstag vermisste Unternehmertochter, teilten die Ermittler mit. "Sie wurde das Opfer eines Tötungsverbrechens", sagte der Dresdner Polizeipräsident Dieter Kroll. Zwei Männer sind mittlerweile in Haft, sie stehen in dringendem Verdacht, Anneli ermordet zu haben.

Anneli war am Donnerstagabend verschwunden, nachdem sie das Haus ihrer Familie in einem Dorf in der Nähe von Meißen im Bundesland Sachsen verlassen hatte, um mit dem Hund Gassi zu gehen. Kroll zufolge begegnete sie dabei ihren Entführern, die sie überwältigten und mit einem Auto davonfuhren.

1,2 Millionen Euro Lösegeld gefordert
Unmittelbar danach hätten sich die Entführer mit Annelis Handy bei den Eltern der 17-Jährigen gemeldet und bis Freitagmittag 1,2 Millionen Euro Lösegeld gefordert. Im Hintergrund seien Schreie zu hören gewesen - womöglich Annelis letztes Lebenszeichen.

In einem zweiten Anruf hätten die Entführer gedroht, dass die Familie Anneli nicht wiedersehen werde, wenn sie das Geld nicht bezahle. Wie die Ermittler weiter erklärten, hätte das Lösegeld online überwiesen werden sollen - laut Polizei "ein Ding der Unmöglichkeit". "Es konnte also deshalb auch keine Zahlung erfolgen", sagte Polizeipräsident Kroll. Insgesamt gab es drei Kontakte mit den Tätern, jedes Mal per Handy. Beim letzten Mal weigerten sie sich ausdrücklich, Lebenszeichen von Anneli hören zu lassen.

Polizei und Eltern des Teenagers wandten sich daraufhin am Sonntagabend an die Öffentlichkeit. Sie sicherten den Entführern zu, "dass wir die angezeigten Forderungen erfüllen werden, um unser Kind bald in die Arme nehmen zu können". Mehr als 50 Hinweise hatte es nach einem Zeugenaufruf gegeben, nicht weniger 1.200 Beamte seien in die Suche nach dem Mädchen eingebunden gewesen, hieß es weiter.

Am Montagabend wurde dann die Leiche des Mädchens gefunden. Laut Polizei wurden Annelis sterbliche Überreste hinter einer Mauer entdeckt, nähere Details wurden nicht genannt. Der genaue Zeitpunkt des Todes ist noch unklar, laut einer ersten Untersuchung töteten die Entführer Anneli wahrscheinlich bereits am Freitag.

Keine Hinweise auf Sexualdelikt
Hinweise auf ein Sexualdelikt gibt es laut dem zuständigen Staatsanwalt nicht. Die Täter töteten das Mädchen wahrscheinlich, um nicht wiedererkannt zu werden - sie waren bei der Entführung nicht maskiert gewesen. "Deswegen gehen wir von einem Verdeckungsmord aus. Das Risiko der Entdeckung war ihnen zu groß", so der Staatsanwalt.

Zwei Tatverdächtige wurden am Montag in Dresden und in einer nicht näher genannten bayerischen Stadt festgenommen. Bei den beiden Festgenommenen handelt es sich um zwei Männer im Alter von 39 und 61 Jahren. Der eine soll laut "Bild" Edelmetallhändler in Dresden sein, der Mann aus Bayern ein arbeitsloser Koch.

Gegen beide Tatverdächtige wurde mittlerweile ein Haftbefehl erlassen. Der ältere der beiden Männer habe ein teilweises Tateingeständnis abgelegt, hieß es am Dienstag. Das Duo steht sie in dringendem Verdacht, Anneli gemeinschaftlich ermordet zu haben. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen außerdem gemeinschaftlichen erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge zur Last. Einer der Tatverdächtigen kannte Anneli vom Gassi Gehen.

DNA-Treffer als wichtige Spur
Laut Polizei und Staatsanwaltschaft gab es gegen einen der Tatverdächtigen in der Vergangenheit Ermittlungen, unter anderem wegen eines Sexualdelikts. Es wurde betont, dass der Mann nicht verurteilt wurde, aber aufgrund der Ermittlungen hatte das Landeskriminalamt Sachsen eine Probe des Mannes in ihrer DNA-Datenbank. Das war für die Polizei eine wichtige Spur. Am Fahrrad der 17-Jährigen war DNA-Material gesichert worden. Der Abgleich führte letztlich zu dem vorbestraften 39-Jährigen. Durch Ortung von dessen Handy wurde der Aufenthaltsort des Mannes in Bayern ermittelt.

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