So, 22. Oktober 2017

Negatives Jahr 2015

16.08.2015 08:57

Krankenkassen erwarten Verlust von 129,3 Mio. €

Die Krankenkassen erwarten für heuer einen Verlust von 129,3 Millionen Euro. Das vergangene Jahr hatte die Krankenkassen noch mit einem Plus von 88 Millionen Euro abgeschlossen. Hauptverbands-Chef Peter McDonald führt das Defizit auf sinkende Beitragseinnahmen durch die wachsende Arbeitslosigkeit und auf steigende Ausgaben vor allem bei Medikamenten zurück.

Nach der am Wochenende vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger veröffentlichten Prognose erwarten von den neun Gebietskrankenkassen heuer nur zwei - nämlich jene in Kärnten mit plus 5,6 Millionen und jene in der Steiermark mit plus 0,7 Millionen - ein positives Ergebnis. Das größte Minus wird der Wiener Kasse mit einem Abgang von 64,6 Millionen gefolgt von der niederösterreichischen mit 41,8 Millionen vorhergesagt.

Unter den Berufskrankenkassen erwartet die SVA der gewerblichen Wirtschaft, die zuletzt im Minus war, nun einen Gewinn von 6,4 Millionen Euro. Die SVA der Bauern prognostiziert sogar einen Überschuss von 53 Millionen Euro.

Einer der Hauptpreistreiber sind weiterhin die steigenden Medikamentenkosten. Diese sollen mit einem prognostizierten Plus von 7,2 Prozent heuer mehr als doppelt so stark wachsen wie die Beitragseinnahmen (plus 3,5 Prozent).

"Zahlen sind keine Überraschung"
Für McDonald sind die Zahlen "keine Überraschung". Man habe gewusst, dass 2015 ein "sehr herausforderndes Jahr" werde, sagte der Vorsitzende im Hauptverband. Er verwies darauf, dass man auf der einen Seite mit sinkenden Beitragseinnahmen aufgrund der steigenden Arbeitslosigkeit und auf der anderen Seite mit steigenden Ausgaben vor allem im Bereich der Medikamente konfrontiert sei. So bedeuten die 33.000 Arbeitslosen mehr seit dem Vorjahr für die Krankenkassen 50 Millionen Euro weniger Einnahmen.

Im Bereich der Arzneimittel ortet McDonald bei einigen Pharmafirmen eine "aggressive Preispolitik". Zudem verursacht die kleine Gruppe von hochpreisigen Medikamenten mit einem Packungspreis von über 700 Euro bereits ein Viertel aller Ausgaben für Heilmittel. McDonald verweist aber auch darauf, dass moderne Medikamente die Lebensqualität der Menschen verbessern und Operationen vermeiden können.

"Harten Verhandlungen" um Preisreduktionen
Der Hauptverbands-Chef betont jedoch, dass man bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet habe. So stehe man mit der Pharma-Industrie in "harten Verhandlungen" um Preisreduktionen. Dabei soll eine Lücke von 125 Millionen Euro geschlossen werden. So sollen die bestehenden Rabatte von derzeit 18 auf 65 Millionen Euro angehoben und zusätzlich weitere Preisreduktionen von 60 Millionen Euro erzielt werden. Diesem Plan muss aber die Pharma-Wirtschaft noch zustimmen. Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber erklärte dazu in einer Aussendung, dass die Pharma-Industrie seit 2008 schon fast eine Milliarde Euro beigesteuert habe und allein aufgrund weiterer Patentabläufe mit weiteren 330 Millionen Euro in den nächsten Jahren an Einsparungen für die Kassen zu rechnen sei. Statt sich auf die Arzneimittel zu konzentrieren, fordert Huber die Kassen auf, strukturelle Maßnahmen zu setzen, um ihre Ausgaben einzudämmen.

Keine Prognose für 2016 gewagt
Für 2016 wollte McDonald noch keine Prognose wagen. Das werde auch von der Umsetzung und der Wirksamkeit der bereits gesetzten Maßnahmen abhängen. Er verwies hier etwa auf die Gesundheitsreform oder die beschlossenen Maßnahmen gegen Sozialmissbrauch. Aber auch bei vermeidbaren Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck oder Zucker will der Hauptverbands-Chef ansetzen. Dazu will er mit der Weiterentwicklung der Vorsorgeuntersuchungen und der Kuren dazu beitragen, dass die Menschen länger gesund bleiben. Die Schulden von Patienten im Ausland bei den heimischen Krankenkassen konnten seit Jahresanfang bereits von 25 auf zehn Millionen Euro reduziert werden, teilte McDonald mit.

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