So, 17. Dezember 2017

Elend und Gewalt

15.08.2015 18:58

So brutal geht es an der Außengrenze der EU zu

Die Flüchtlingskrise, die momentan alle westeuropäischen Staaten beschäftigt, zeigt ihr brutalstes Gesicht an den Außengrenzen der Europäischen Union. Tagtäglich durchqueren etwa geschätzte 2000 Menschen Mazedonien. Sie hoffen, über Serbien in einen der EU-Staaten zu kommen. Elend und Verzweiflung führen an den völlig überfüllten Grenzbahnhöfen immer wieder zu blanker Gewalt, vor allem im Kampf um Plätze in den Zügen, die die Flüchtlinge ihrem Traum ein Stückchen näher bringen sollen.

Seit dem 19. Juni ist in Mazedonien ein Gesetz in Kraft, das jedem Neuankömmling, der sich bei der Polizei registrieren lässt, 72 Stunden Zeit gibt, um das Land zu durchqueren oder um Asyl anzusuchen. Die meisten Menschen entscheiden sich für die erste Variante und versuchen von Gevgelija, dem Grenzbahnhof zu Griechenland, nach Tabanovce an der serbischen Grenze zu kommen. In diesen 72 Stunden können die Flüchtlinge gratis öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

Täglich kommen bis zu 2000 Flüchtlinge nach Mazedonien
Die mazedonische Polizei beschränkt sich mittlerweile laut einer Reportage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nur noch auf die Regelung des Zustroms von Menschen zum Bahnhof, die hygienischen Zustände dort sind katastrophal. Von ein paar Hundert ist die Zahl der Flüchtlinge, die täglich über die Grenze kommen, binnen weniger Wochen auf geschätzt bis zu 2000 gestiegen. Drei Viertel der Flüchtlinge kommen laut offizieller Statistik aus Syrien, es folgen Afghanistan, Irak, Pakistan und Somalia als Herkunftsländer.

Schon beim Anstellen um Fahrscheine für die Züge brechen immer wieder Streitereien und teils auch Kämpfe aus, die Geduld ist bei vielen - vor allem auch angesichts der derzeit herrschenden Hitze - enden wollend. Noch chaotischer wird es dann aber, wenn der nächste Zug einfährt. Bereits lange vorher sind die Bahnsteige zum Bersten voll.

Dann beginnt der Kampf um jeden einzelnen, wertvollen Platz in einer der Garnituren. Die Reportage der "Frankfurter Allgemeinen" beschreibt dies so: "Kurz bevor der Zug ganz zum Stehen kommt, beginnt ein wildes Gerangel um die Plätze direkt an den Türen, und noch während sie geöffnet werden versuchen die Ersten, hineinzukommen. Hat es einer aus einer Gruppe geschafft, tut er alles, um seine Reisegefährten zu sich hinaufzuziehen und andere zurückzudrängen. Familien tun sich zusammen und schicken ein, zwei kräftige Männer vor, denen dann, sobald sie einen Platz erkämpft haben, die Kinder durch die Fenster nachgereicht werden. Es ist ein wilder Konkurrenzkampf, der immer wieder gewaltsam eskaliert."

Messer, Stöcke und Stromschläge
Besonders brutal kann es werden, wenn der Zug bereits bis auf den letzten Platz gefüllt ist und einzelne Flüchtlinge versuchen, doch noch in die Garnitur zu kommen. Kämpfe mit Stöcken und Messern sind dann keine Seltenheit. Aber auch sonst sind Verletzungen hier an der Tagesordnung. So werden etwa immer wieder Menschen durch Stromschläge aus der Oberleitung gefährlich verletzt, wenn sie versuchen, auf dem Dach der Waggons doch noch einen Platz für die Reise zu finden.

Mazedonien fühlt sich von EU im Stich gelassen
Bereits in der vergangenen Woche hatte Mazedonien zur Bewältigung seiner Flüchtlingskrise rasche Hilfe von der Europäischen Union gefordert. Innenminister Mitko Cavkov erklärte, die EU sei in der Pflicht, weil das Problem in Mazedonien mit Griechenland aus einem EU-Mitgliedsstaat importiert werde. Sein Land verfüge über keine ausreichenden Kapazitäten, um alle Flüchtlinge zu erfassen. Skopje fühle sich "von der EU im Stich gelassen".

Schwere Vorwürfe erhob der Minister gegen Griechenland. Von dort würden die Flüchtlinge in Bussen organisiert bis an die Grenze zu Mazedonien gebracht. Ein Mitarbeiter Cavkovs sprach zudem von einer absurden Situation: Einerseits gelangten Menschen aus der EU ungehindert nach Mazedonien, andererseits unterstütze die EU Serbien dabei, diese Menschen von der Weiterreise in ihre eigentlichen Zielländer abzuhalten. An der serbischen Grenze zu Mazedonien sind neben ungarischen auch österreichische Grenzschützer im Einsatz.

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