Fr, 24. November 2017

Geheimes Gutachten

14.08.2015 12:36

Barmherzigen-Spital bald Tumor-Schwerpunkt?

Wenn es um die Behandlung von Krebspatienten geht, ist das Spital der Barmherzigen Brüder erstklassig. Als eigener "Schwerpunkt" wird die Onkologie von der Regierung aber aus unerfindlichen Gründen nicht eingestuft. Ein Gutachten bestätigt die Linie der Barmherzigen - aber es wird weiterhin strikt geheim gehalten.

Dabei hatte die alte Regierung 2013 schon alles vorbereitet. Der damalige Landesrat Walter Steidl gab Anweisung, die Barmherzigen Brüder als "Schwerpunkt" in der Krebsbehandlung einzustufen - doch das setzten die Beamten niemals um. "Mir unerklärlich, warum es über diese Frage überhaupt noch Diskussionen gibt", erklärt Steidl heute. "Die Barmherzigen unter dem ärztlichen Leiter Primar Friedrich Hoppichler erfüllen alle Voraussetzungen. Das muss doch auf jeden Fall genügen." Trotzdem sperrt sich die neue Regierung - neben dem Landesspital als Zentrum ist auch Schwarzach ein derartiger Schwerpunkt, obwohl dort weniger Patienten betreut werden als bei den Brüdern. Die müssen sich weiter mit einem Kooperationsvertrag mit dem Landesspital begnügen. Was die Ausbildung von jungen Tumor-Experten für das Spital in der Altstadt schwieriger macht.

Dabei bestätigt ein Gutachten der "Gesundheit Österreich", dass die Barmherzigen Brüder alle Voraussetzungen erfüllen:  Die Infrastruktur bei den Barmherzigen ist für einen Schwerpunkt "grundsätzlich geeignet", heißt es. Nur eine Ausbildungsstelle für Hämatoonkologie muss eingerichtet werden - dank Sponsoren geht das ohne Mehrkosten für das Land. Sie ist "kostenneutral", heißt das im Gutachten.

Fachabteilung ist schon längst eingerichtet
Die Barmherzigen haben schon die nötige Fachabteilung für Innere Medizin mit internistischer Onkologie und Hämatologie.

Mehr Prostata-Eingriffe als das Landesspital
Sie haben auch mehr Tumorpatienten als das Spital in Schwarzach. In der Urologie nehmen sie sogar "eine führende Rolle in der Versorgung Salzburgs" ein - da werden mehr Patienten wegen eines Tumors an der Prostata operiert als im weit größeren Landesspital.  Ein "Tumor-Board", bei dem Krebsexperten aus dem Landesspital und von den Barmherzigen Brüdern aus Wien als Berater dabei sind, gibt es ebenfalls. Trockener Schluss der Experten in der Studie: Wenn die Barmherzigen Brüder offiziell als Schwerpunkt anerkannt werden, ist "nicht von zusätzlichen Kosten für die öffentliche Hand auszugehen", ist Schwarz auf Weiß festgehalten.

Studie bleibt weiter strikt unter Verschluss
Die Studie wurde übrigens im Auftrag des Landtags erstellt und von den Krankenhäusern (Landesspital und Barmherzige) finanziert. Vorgelegt bekamen sie die Abgeordneten trotz einiger Nachfragen bisher nicht. Offenbar sind die landeseigenen (!) SALK dagegen, die Expertise über die Krebsbehandlung zu veröffentlichen. "Das können wir auf keinen Fall hinnehmen", sagen die Klubchefs Walter Steidl (SPÖ) und Karl Schnell. Sie fühlen sich auch den 5000 Unterzeichnern einer Petition verpflichtet, die im Vorjahr eine Stärkung der Onkologie bei den Barmherzigen verlangt haben. Darunter waren auch Prominente aus ganz Österreich - von Eliette von Karajan über den unvergesslichen Helmuth Lohner bis hin zu Wüstenrot Chefin Susanne Riess und der grünen Landes-Vize Astrid Rössler. "Wir wollen, dass unser Anliegen gehört wird", sagt Organisatorin Sigrid Sator. "Wenn’s nicht anders geht, gründen wir halt ein eigenes Personenkomitee."

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