Fr, 15. Dezember 2017

Ehrlicher V8

14.08.2015 06:25

Ford Mustang: So reitet sich die Legende

Dass wir das alle noch erleben dürfen, in Zeiten des Downsizings, der E-Autos und der Hybridverbreitung: Ford importiert erstmals in der Geschichte dieses Muscle Cars den Mustang nach Europa - als Coupé und Cabrio, u.a. mit V8-Motor, 422 PS, 524 Nm bei 4.250/min. und einem entsprechenden Auf- und Antritt. Technisch besser denn je fährt er sich auch so gut, dass man ihn auf die verwöhnte Klientel in der alten Welt loslassen kann.

Es gibt nämlich eine weitere Premiere, und die betrifft das Fahrzeug an sich: Einzelradaufhängung statt Starrachse hinten! Trotzdem ist jede Fahrt im Mustang eine Art Überseereise in eine Zeit, als Detroit noch etwas galt und Elektroantrieb eine Schrulle der Automobilgeschichte war.

Das ist halt noch was Ehrliches!
Der V8 blubbert herzerwärmend und beschleunigt mit echtem Sound, wie er sein muss, mächtig in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h (abgeregelt wird bei 250). Das macht er, wenn gewünscht, auch gerne mit durchdrehenden Rädern und auf ganz speziellen Wunsch auch aus einer Wolke von Reifenqualm heraus. Der Schalthebel will exakt und mit Nachdruck geführt werden, sonst hakt das Sechsganggetriebe etwas. Die Übersetzungen passen, nur der sechste Gang ist laaaang, von 3.500/min. holt er einen auf 2.500/min. herunter.

Ein herrlicher Sportwagen ist das, genauer gesagt ein GT. Wobei man sich hier nichts erwarten darf, was sophisticated und hochpräzise arbeitet. Das ist Autofahren in Hemdsärmeln. Im Vergleich zu einem BMW ist die Lenkung ein bissl ungefähr, das Fahrwerk zu hart, was den Komfort betrifft, und eine Spur zu weich, wenn es ernst wird, aber es gibt beachtliche Brembo-Bremsen. Und mit 1.645 kg ohne Fahrer ist er leichter, als er ausschaut. Richtig ehrlich fühlt sich das an, der Mustang ist kein Blender, sondern liefert richtig ab. Und das verhältnismäßig zum Schnäppchenpreis, aber dazu später. Und noch was ist ehrlich, nämlich der Normverbrauch von 13,5 l/100 km. Schlecht für die NoVA, aber näher dran an der Realität als vieles, was sonst so an Achtzylindern herumfährt.

Einstiegsmodell mit Vierzylinder-Motor
Alternativ gibt es den Mustang mit einem 2,3-Liter-Vierzylindermotor. Wer jetzt die Nase rümpft, sollte ihn mal Probe fahren. Ja, klar, der wahre Mustang hat den V8 unter der fetten Haube, aber auch mit halber Topfzahl macht der Ami Spaß. Mit satten 317 PS und einem maximalen Drehmoment von 434 Nm bei 3.000/min. verliert der "EcoBoost" nur eine Sekunde beim Standardsprint, glänzt aber mit 8,0 Liter Normverbrauch (jedenfalls mit Schaltgetriebe). Beim Sound wird hier ein wenig geschummelt, da hilft die Audioanlage nach, was aber überraschenderweise nicht nervt. Unterschied zur V8-Version: keine Brembo-Bremsen, 255er statt 275er hinten (vorn haben beide 255/40R19), 65 kg weniger.

Liebevoller Grobklotz mit Fast-komplett-Ausstattung
Mit wunderschönen Kipphebeln lassen sich diverse Einstellungen vornehmen: Die Lenkung sollte man auf "Sport" lassen, wenn man Feedback möchte, das ESP ist abschaltbar und Fahrmodi gibt es auch. Wobei der "Track"-Modus lustigerweise "Gelände" heißt. Lässt einen der Mustang hier noch unfreiwilligerweise schmunzeln, tut er das mit " Ground Speed" statt Geschwindigkeit und "Revolutions" statt Umdrehungen ganz absichtlich. Das Lenkrad würde noch besser dazupassen, wenn es weniger mit Knopferln überfrachtet wäre, aber was soll's. Alles wirkt sehr liebevoll, von der 1964-Plakette bis zur Plastikblende, die nach Alu gebürstet aussieht. Echtes Alu wird hier niemand verlangen, wie gesagt: Zum Preis komme ich später.

Die Sitze sind grundsätzlich aus Leder. Und sonst? Schwarz glänzende 19-Zoll-Alus, Zweizonen-Klima, Keyless, Sync-2-Entertainment mit 8-Zoll-Touchscreen, Rückfahrkamera, Xenon, alles Serie. Man nehme zusätzlich gut 3.000 Euro für das Premium-Paket in die Hand und bekomme dafür noch bessere Sitze (optional gibt es Recaros, dann muss man aber auf die sonst serienmäßige Sitzheizung/-kühlung verzichten), Navi, Parkpiepser und ein besseres Soundsystem. Assistenten wie der Active City Stop bleiben der US-Version vorbehalten.

Was performt wie teilweise doppelt so teure Fahrzeuge, ist ab 44.400 Euro zu haben, dafür gibt's das Vierzylinder-Coupé als Handschalter. Der V8 fängt bei 56.500 Euro an, davon macht allein 13.700 Euro die NoVA aus. Um jeweils rund 5.000 Euro mehr gibt es das Cabrio, die Sechsgangautomatik kostet beim Vierzylinder fast 5.000 Euro extra (NoVA!), beim V8 unter 2.000 Euro.

Unterm Strich
Der Ford Mustang ist das beste Preis-/Leistungsangebot für Petrolheads seit Langem, noch dazu mit einer geschichtlichen Strahlkraft, die außergewöhnlich ist. Immerhin gibt es den Mustang seit 1964 und er hat uns alle jahrelang in Auto-Quartetten fasziniert. Kein Wunder, dass die Lieferzeit für neu bestellte Fahrzeuge bereits bei einem halben Jahr liegt. Wer es günstig erwischt, wartet nur drei Monate. Ein Klacks im Vergleich dazu, dass wir ja eigentlich schon seit über 50 Jahren warten…

Warum?

  • Unübertreffliches Preis-/Leistungsverhältnis

Warum nicht?

  • Nichts für Feingeister

Oder vielleicht …

… ein Elektroauto kaufen und von V8-Sound und Reifenqualm nur träumen?

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