Do, 14. Dezember 2017

Zu viele Migranten

11.08.2015 15:29

Bürgermeister warnt vor "Blutvergießen" auf Kos

Auf der griechischen Ferieninsel Kos könnte es laut Bürgermeister Giorgos Kyritsis zu einem "Blutvergießen" kommen, wenn nicht sofort Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung getroffen würden. Dies schrieb Kyritsis am Dienstag in einem Brief an die Regierung in Athen. Auf Kos seien demnach mehr als 7.000 Flüchtlinge angekommen, man könne mit dem Problem nicht mehr fertigwerden. Auf der Insel kam es zu Schlägereien zwischen Migranten sowie zu Übergriffen auf die Polizei.

"Ich warne davor, die Gefahr eines Blutvergießens ist real", erklärte der Bürgermeister. Sein Brief wurde am Dienstag in der griechischen Presse veröffentlicht.

Blockaden und Schlägereien
Laut den Behörden blockierten Migranten Dienstagfrüh die Küstenpromenade der Stadt Kos. Sie versuchten in eine Polizeiwache einzudringen, um sich dort registrieren zu lassen, und forderten lautstark Papiere, um die Insel verlassen und weiter nach Mitteleuropa reisen zu können. Zuvor hatten sie nach ihrer Überfahrt aus der Türkei teils mehrere Wochen an den Stränden und auf den Straßen der Insel übernachtet.

Die Polizei wollte, dass die Registrierung im kleinen Fußballstadion der 30.000-Einwohner-Insel erfolgt. Deshalb wurden Hunderte vorwiegend syrische und afghanische Flüchtlinge in das Stadion gebracht. Dort sei es nach Augenzeugenberichten dann zu Schlägereien zwischen Migranten gekommen. Zudem seien Polizisten angegriffen worden, die wiederum Schlagstöcke einsetzten, um sich zu wehren. Andere Beamte hätten versucht, die Menge mit einem Feuerlöscher am Verlassen des Stadions zu hindern.

"Die Spannungen werden immer größer"
Auf Kos herrschen seit Monaten chaotische Zustände. Hunderte Migranten kommen täglich von der wenige Seemeilen entfernten türkischen Küste auf die Insel. Die meisten wollen weiter nach Athen, bevor sie versuchen, andere EU-Länder zu erreichen. Hilfsorganisationen, der Staat und die Bevölkerung sind restlos überfordert. Ähnlich ist die Situation auf zahlreichen anderen Inseln im Osten der Ägäis.

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Claudia Roth, die am Montag Kos besucht hatte, erklärte: "Für die Flüchtlinge ist die Unterbringung auf Kos gerade die Hölle auf Erden. Hier herrscht Chaos. Und die Spannungen werden immer größer." Roth beklagte, es fehle an allem. "Das ist eine Verweigerung von Erster Hilfe für die Flüchtlinge." Die Menschen bräuchten dringend Essen, Kleidung, Unterkünfte und eine medizinische Versorgung.

Es gebe die fast kafkaeske Situation, dass verschiedene Stellen zuständig seien, aber der eine die Verantwortung zum anderen schiebe. Und die Hilfsorganisationen und ehrenamtlichen Helfer seien allmählich am Ende ihrer Kräfte. Roth appellierte an die Regierung in Athen, sich endlich um eine Versorgung der schutzsuchenden Menschen zu kümmern. "Die Tragik ist, dass hier zwei Krisen zusammenkommen", sagte die Grünen-Politikerin. Die griechische Regierung müsse aber trotz der Finanzkrise dringend handeln.

Rund 125.000 Flüchtlinge seit Jahresbeginn
Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte erst vergangene Woche die EU um Hilfe gebeten, da sein Land in der Flüchtlingsfrage überfordert sei. Nach UN-Angaben trafen seit Jahresbeginn rund 125.000 Flüchtlinge in Griechenland ein.

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