Di, 12. Dezember 2017

Dokument versteigert

10.08.2015 10:42

55.000 Dollar für Göring-Telegramm an Hitler

Das sogenannte Göring-Telegramm, eines der wichtigsten Dokumente der letzten Kriegstage in Deutschland, ist in den USA für 54.675 Dollar, das sind rund 50.000 Euro, versteigert worden. Das vergilbte, aber sehr gut erhaltene Papier ging an einen Sammler aus Nordamerika, teilte das Auktionshaus Alexander Historical Auctions in Stamford bei New York mit. Details zum Käufer wurden nicht bekannt. Das Auktionshaus hatte nicht einmal mit der Hälfte des erzielten Preises gerechnet.

Adolf Hitler hatte Hermann Göring immer als seinen Stellvertreter angesehen und das auch mit Erlassen geregelt. Als Göring in Bayern in den letzten Kriegstagen hörte, dass der in Berlin eingeschlossene Hitler ihm endgültig die Macht übertragen wollte, telegrafierte er ihm am 23. April 1945. In dem kurzen Schreiben fragte er, ob er die Kontrolle über Deutschland übernehmen könne. "Falls bis 22 Uhr keine Antwort erfolgt, nehme ich an, dass Sie Ihrer Handlungsfreiheit beraubt sind." Er werde dann "selbstständig zum Wohle von Volk und Vaterland handeln", gezeichnet mit "Ihr getreuer Hermann Göring".

Hitler über Göring empört
In Berlin nutzten Parteisekretär Martin Bormann und Propagandaminister Joseph Goebbels das Telegramm jedoch, um Hitler einen Putsch Görings einzureden. Tatsächlich war Hitler empört und beschuldigte Göring des Landesverrats, die SS setzte ihn in Bayern fest. Hitler setzte Goebbels und Marinechef Karl Dönitz als seine Nachfolger ein. Er erschoss sich am 30. April, einen Tag später nahm sich auch Goebbels das Leben. Göring vergiftete sich 1946 in Nürnberg, einen Tag bevor das Todesurteil des internationalen Tribunals vollstreckt werden hätte sollen.

Das Telegramm ist Bormanns Kopie, an der Echtheit bestehe kein Zweifel, hieß es seitens des Auktionshauses. In die USA gekommen war es noch 1945: Der amerikanische Hauptmann Benjamin Bradin hatte es in einer Schachtel gemeinsam mit anderen Gegenständen als Souvenir aus dem Bunker in Berlin mitgenommen. Nach seinem Tod hinterließ er die Fundstücke seinem Sohn James Bradin. Dieser erinnerte sich in einem Interview an die Worte seines Vaters, der sagte: "Als wir den Führerbunker betraten, lagen dort überall Sachen herum. Die Russen waren vor uns dort und haben Papier angezündet, um Licht zu haben. Ich habe einige Dokumente mitgenommen, einige davon waren offenbar sehr wichtig."

"Hatte keine Ahnung, dass das Telegramm so wertvoll ist"
James Bradin sagte über das Göring-Telegramm: "Ich hatte ja keine Ahnung, dass das so wertvoll ist. Ich habe den Wert dieses kleinen Stücks Papier erst erkannt, als mich ein Journalist der 'Washington Post' darauf aufmerksam machte." Bradin vermutet, dass auch die übrigen Souvenirs seines Vaters sehr wertvoll sein könnten, und sorgt sich um die Sicherheit der Dokumente. "Jemand von der deutschen oder der US-Regierung könnte sie haben wollen. Ich fürchte, mein Haus wird bald von Sammlern belagert werden. Ich wollte das Zeug schon einem Museum geben, aber die wollten es nicht", so Bradin.

Neben Helmen, Abzeichen, Lampen und diversen Waffen befinden sich in der Sammlung der Gegenstände, die Bradins Vater unmittelbar nach dem Krieg in die USA schickte, auch ein Verdienstkreuz, das von Hitler persönlich signiert worden war, sowie weitere Dokumente, darunter Nachrichten von Bormann an Hitler und Heinrich Himmler.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden