Di, 21. November 2017

Reisereportage

08.08.2015 17:00

Sommerflirt auf Skandinavisch: Urlaub in Stockholm

Träumer, Trends und Traditionen - im Hochsommer zeigt sich Stockholm von seiner buntesten Seite. Aber auch abseits der Hochsaison ist die schwedische Metropole, die im kommenden Jahr (und als Nachfolgerin von Wien) den Song Contest veranstalten wird, eine Stadt zum Verlieben.

Vor dem Hotel Scandic Malmen auf der Insel Södermalm im Zentrum von Stockholm bilden sich Menschenschlangen. Doch zum Leidwesen der Managerin nicht vor der Eingangstüre, sondern vor einer halb geöffneten Auslagenscheibe im Erdgeschoss der Unterkunft. Gitarrenakkorde und Schlagzeugrhythmen dringen nach draußen.

"Was machen die denn da?", versucht eine deutsche Touristin ihre Neugierde erst gar nicht im Zaum zu halten. Prompt kommt die Antwort von drinnen: "Wir spielen unser neues Album ein" - und schon wendet sich der Sänger der Indie-Rockband wieder dem Mischpult zu.

Heißer Tipp für Musik-Fans
Eine CD, die zur Gänze vor den Augen vorbeiziehender Passanten produziert wird? Ein Hotel als provisorisches Tonstudio? In Schwedens Hauptstadt ist vieles möglich. Speziell, wenn es um das Thema Musik geht.

ABBA hat die Einstellung der Nordländer zum Pop revolutioniert. Dann kamen Roxette, und heuer beim Song Contest in Wien hat sich Mans Zelmerlöw mit seinem Lied "Heroes" nicht nur bei den österreichischen, sondern bei allen europäischen Fans zum Helden gemacht; und dafür gesorgt, dass der Liederwettstreit 2016 in Stockholm stattfinden wird. Wieder einmal.

Von so einem Auftritt vor Millionenpublikum träumen die Burschen von Join The Riot im Schaufenster des Scandic natürlich auch. Zuerst hoffen sie aber, dass ihr Plattendebüt kein Flop wird.

Zu Besuch im Künstlerbezirk Södermalm
Dass junge Künstler sich in Södermalm niederlassen, ist kein Zufall. Der Bezirk zieht Kreative magnetisch an. Speziell im ehemaligen Arbeiterviertel SoFo (die Abkürzung steht für: südlich der Straße Folkungagatan) ist kulturelle Vielfalt angesagt. In den Seitengassen haben sich Boutiquen und Design-Geschäfte breitgemacht. Ökoläden bieten Nischenprodukte an. Liebreizendes, soweit das Auge reicht.

Im Grandpa zum Beispiel kann man von der Glühbirne über Tomatenpflanzen bis hin zum Norweger-Pulli alles kaufen - Hauptsache es ist unkonventionell. Massenware wird hier gemieden wie das Weihwasser vom Teufel.

Kaffeepause im Pärlans
Naschkatzen sei das Pärlans empfohlen: Es ist der ideale Platz für eine Fika - so nennen die Schweden die ihnen heilige Kaffeepause. "Bei uns gibt es die besten Karamellbonbons in der Stadt", erzählt die blonde Verkäuferin, die direkt aus dem Ikea-Katalog entsprungen sein könnte, und fährt fort: "Jedes einzelne ist handgemacht." Unwiderstehlich sind die butterweichen Zuckerln mit Vanillegeschmack. Eher gewöhnungsbedürftig für mitteleuropäische Gaumen: die Kombination mit salziger Lakritze, die im Sechzigerjahre-Laden aber als Geheimtipp gilt.

Deftigeres wird einen Steinwurf entfernt im Tjoget serviert. Wie wäre es zum Beispiel mit luftgetrocknetem Mangalitza-Schinken oder Calamari mit Artischocken? Selbstverständlich stets interpretiert im Stil der modernen nordischen Küche. Im Restaurant lässt es sich übrigens nicht nur vorzüglich speisen, man kann sich nebenbei auch noch den Bart stutzen lassen. Der hauseigene Figaro verkürzt den Herren die Wartezeit zwischen den Gängen mit einer Nassrasur der alten Schule.

Und wer weiß: Vielleicht kommt ja auch einmal Conchita Wurst für die Nachjustierung ihrer Gesichtsbehaarung vorbei. Unsere Song-Contest-Gewinnerin ist ein Fan von Stockholm und trat in der von Akzeptanz und Lockerheit geprägten Stadt immer wieder als Botschafterin von "Regenbogen-Veranstaltungen" auf. "Je enger die Straßen, desto offener das Denken", sagen die Hauptstädter gerne über sich selbst.

Radtour durch die grüne Metropole
Wem das zu schrill ist oder wer nach all den lukullischen Genüssen ein paar Kalorien verbrennen möchte, dem sei eine Radtour durch die grüne Metropole ans Herz gelegt. Entlang des Bächleins auf der Insel Djurgarden, die Teil des Königlichen Nationalstadtparks ist, geht es kilometerlang durch eine Bilderbuchlandschaft.

Wildenten ziehen ihre Kreise. Schier endlose Wälder breiten sich aus, nur gelegentlich blinzeln rot gestrichene Holzhäuser aus dem Dickicht. Man fühlt sich in die Geschichten von Astrid Lindgren zurückversetzt, denkt an die Abenteuer von Nils Holgersson - und ist immer noch mitten in der Stadt unterwegs.

Verschnaufpause im Museum
Zum Durchschnaufen bietet sich entlang des Radweges ein Halt in der Thielska Galerie an - ein museales Kleinod, das sich immer noch im Dornröschenschlaf befindet, obwohl es gut sortierte Schätze aus dem frühen 20. Jahrhundert (wie etwa eine Sammlung von Edvard Munch) beherbergt.

Tickets vorreservieren sollte man hingegen für das Vasa-Museum. Die ebenfalls auf Djurgarden gelegene Ausstellungshalle zeigt - weltweit einzigartig - das auf seiner Jungfernfahrt 1628 gesunkene, dennoch vollständig erhaltene Kriegsschiff.

Bezüglich Besucherzahlen kann sich das Vasa nur noch mit dem ABBA-Museum messen. Dort stehen übrigens zwei rote Telefone parat. Falls sie läuten (was sie immer wieder tun!), sollte man auf jeden Fall zum Hörer greifen. Denn dann sind die Originalmitglieder Agnetha, Björn, Benny oder Anni-Frid dran und wollen plaudern. Das Hoffen auf diesen Anruf sollte aber wirklich nur einer von vielen Gründen sein, Stockholm zu besuchen.

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