Mo, 20. November 2017

Sänger-Ewigkeit

30.07.2015 22:48

Galakonzert für Placido Domingo

1975 war das erste Mal, dass er im Großen Festspielhaus zu seinem Triumphzug in Salzburg ansetzte: Mit "Don Carlo", am Pult Herbert von Karajan, der auch inszenierte. Es mag zwar ein wenig banal klingen, doch er "kam, sang und siegte". Ein Galakonzert ihm zu Ehren ist eine großartige und zudem zwingende Geste.

Wie viele Sänger der mittleren und jüngeren Generation gibt es denn, die Karrieren über 40 oder 50 Jahre durchstehen? Heute? Keine. Ein Sanges-Pflänzlein oder ein Pflanzerich werden gepflückt und wenn sie nicht mehr blühen, dann Pech gehabt. Dann verglühen sie und sind nicht einmal mehr eine Sternschnuppe. Dass man sich in aller Bescheidenheit, Anforderung und Ruhe entwickeln kann, ist längst vorbei, das schaffen nur mehr die Ausnahmen.

Und so eine war und ist Placido Domingo. Man muss sich das mal vorstellen, dieses Leben an und mit der Stimme: Knapp 150 verschiedene Partien, grob gerechnet 3700 Auftritte und unzählige an Grammy Awards und Sonstigem. Er war Teil der "Big Three Tenors" (mit Pavarotti und Carreras), das brachte viel Geld, nicht zugleich Ruhm. Doch dieser "verrückt" herrliche Spanier aus Madrid (1941 geboren), der 1949 seine ersten kleinen Auftritte in Mexiko hatte, debütierte 1966 am Liceu in Barcelona und danach an der New York City Opera. Das war sozusagen ein Durchbruch.

"Für mich wird er immer ein Vorbild bleiben"
Das Erstaunliche: Wie viel muss da in einem sein, um so ein Leben der Kunst nicht nur zu widmen, sondern es auch noch zu realisieren? Placido Domingo kann heute noch, obwohl oder weil er ins Bariton-Fach gewechselt hat, mit seiner Stimme umgehen, sie führen, fließen lassen wie kaum ein anderer (gar keiner) von den "Sanges-Buben". Er weiß um die Leidenschaft, ohne dabei der Technik die Absolution zu geben - die er glänzend beherrscht. Stimmen sind keine Maschinen, sie sind das, was man spürt und vielleicht auch Seele nennen könnte. Das größte Kompliment machte ihm einer der besten Gegenwarts-Tenöre, Jonas Kaufmann, dieses Jahr ist er als Florestan im Festspiel-"Fidelio": "Ich kann nur hoffen, dass ich mit 50 über annähernd so viel Energie verfügen werde, wie er mit über 70! Für mich wird er immer ein Vorbild bleiben, in seiner vokalen Präsenz, Vielseitigkeit, in der Intelligenz und Emotion, in seiner künstlerischen Integrität." Er war an diesem Galakonzert nicht dabei, trotzdem.

Das Frauen-Ensemble mit Maria Agresta, Ana Maria Martinez (erschütternd hinreißend) und Krassimira Stoyanova (beeindruckend), das war eine grandiose Besetzung. Eins noch: Rolando Villazon überschätzt schon wieder seine Stimm-Höhen. Ich höre und staune betrübt.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden