Mo, 11. Dezember 2017

"Krone" vor Ort

30.07.2015 17:07

Mission in Mali: Am Marktplatz der Menschenhändler

Afrikas Schlepperroute führt über Mali Richtung Libyen. Touareg und Dschihadisten organisieren den Schmuggel. Die EU und auch Österreich wollen dagegen ankämpfen - ein "Krone"-Besuch bei der internationalen Militärmission im westafrikanischen Krisenstaat.

"Aufsitzen!" - Zehn bis an die Zähne bewaffnete Elitesoldaten der Militärpolizei sichern in kugelsicheren Westen und mit modernsten Schnellfeuer-MPs die Abfahrt des österreichischen Konvois in Malis Militärakademie Bamoko. Unter Blaulicht und mit Sirenengeheul rattern die Geländewagen im Jagdtempo über eine Niger-Brücke und schließlich durch das mit einem Panzer gesicherte Kasernentor.

Scharfschützen auf Dächern sichern Kasernen
Von den Dächern aus kontrollieren dort Scharfschützen das Gelände. Knisternde Spannung ist spürbar. Vor drei Jahren haben hier Putschisten die Regierung ausgeschaltet. Seither sind mehr als 40 UN-Soldaten Heckenschützen zum Opfer gefallen. Jetzt ist man froh, dass Europäer da sind, um für Sicherheit zu sorgen.

Konkret geht es um EUTM, also jenes multinationale Trainingskontingent aus 23 EU-Staaten sowie Serbien, Montenegro und der Schweiz, das die Ausbildung der malischen Armee übernommen hat: 520 Soldaten, die eine schlagkräftige Truppe im Kampf gegen Touareg-Krieger und Dschihadisten im Norden aufstellen sollen. Bisher hat ein achtköpfiges Österreicher-Kontingent das Lazarett der Militärtrainer geleitet.

"Schlangen und Skorpione sind nichts für Mäderln"
"Schlangen- und Skorpionbisse, Tropenkrankheiten, aber auch Schussverletzungen ungeübter Rekruten zählten zu den bisherigen Vorkommnissen", schmunzelt der 33-jährige Militärarzt Dr. Friedrich aus Klagenfurt. Verwegen wirkt er, der athletische Jagdkommandosoldat mit seinem Dreitagesbart. Seit einem Jahr versorgt der Offizier diverse Wehwehchen der malischen Soldaten sowie ihrer EU-Ausbildner. "Nichts für Mäderln", unterstreicht auch Kontingentskommandantin Ingrid Cap, dass dieser Einsatz am Außenposten der EU den rot-weiß-roten "Wüstenkriegern" alles abfordert.

Heute ist Kommandoübergabe. Gleich drei europäische Verteidigungsminister sind anwesend: Deutschlands Ursula von der Leyen, Spaniens Pedro Morenes Eulate sowie Österreichs zackiger Militärchef Gerald Klug.

Afrika-Engagement soll Zahl der Flüchtlinge reduzieren
"Natürlich wissen wir, dass man mit acht Soldaten keinen Krieg gewinnt. Aber unser medizinisches Kontingent war die Vorhut und hat sich bravourös geschlagen", weist der Minister alle Verunglimpfungen der Mali-Mission zurück. Ab August werden 20 Militärprofis aus Österreich die afrikanische Armee unterstützen. Als Berater und Ausbildner.

"Train the Trainers - unter diesem Motto läuft das zweite Kontingent", so Klug. "Landesverteidigung endet heute nicht mehr an der Staatsgrenze. Wer Österreich schützen will, muss dort für Stabilität sorgen, wo Krisen herrschen, auch in Afrika. So soll der Mali-Einsatz der 26 Länder auch den von skrupellosen Menschenhändlern gelenkten Flüchtlingsstrom nach Europa vor Ort eindämmen."

Mädchenschmuggel für den "Heiligen Krieg"
Denn eines ist unumstritten: Mali als westafrikanisches Armenhaus ist zentrale Drehscheibe der Schmuggler. Wo Geld, Waffen, Drogen und vor allem Menschen von korrupten Touareg-Stämmen und mittlerweile auch von Dschihadisten illegal verkauft und in alle Welt verschoben werden, um so den "Heiligen Krieg" zu finanzieren.

Laut Insidern werden über Mali pro Jahr bereits bis zu 40.000 Menschen - darunter viele blutjunge Mädchen - als "Schmuggelware" nach Libyen gebracht und von dort als Flüchtlinge Richtung Europa verschifft.

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