Mo, 11. Dezember 2017

Nur für Fans

12.08.2015 09:20

Löst Fluchtreflexe aus: "Godzilla"-Game im Test

Er verbreitet seit 1954 Angst und Schrecken auf der Leinwand, speit Hitzestrahlen und zertrampelt alles, was ihm im Weg steht: Godzilla, König der Monster und Star in 30 Filmen, ist zurück. Nicht im Kino, sondern auf Sonys Playstation 3 und 4 – und nicht in der von Fans verhassten US-Version, sondern klassisch als Japaner. Für die Städte, welche die gigantische Echse im Spiel zerstört, eine ziemliche Katastrophe. Und für anspruchsvolle Spieler auch.

Godzillas spielerische Rückkehr auf die Bildschirme verdanken Gamer dem japanischen Entwicklerstudio Natsume Atari. Das Versprechen: Godzilla im Stil der klassischen Filme soll im Spiel Städte dem Erdboden gleichmachen, sich mit Gegnern wie Mothra, King Gidorah und anderen Kaijus – so nennt man die Riesenmonster in Japan – prügeln und die japanische Armee zertrampeln.

Das tut Godzilla grundsätzlich auch – allerdings nicht so, wie man sich das erhofft hätte. Tatsächlich hat es Godzilla durch seine extrem behäbige Steuerung, sich wiederholendes Gameplay, eine fade Erzählweise und die altbackene Optik schwer, den Spieler zu fesseln. Der japanische Riesendino tut uns fast ein wenig leid: Seit 2007 darf er erstmals wieder in einem Konsolenspiel auftreten, und dann entpuppt es sich als so schwache Leistung.

Viele coole Monster, Original-Sounds
Aber der Reihe nach: Dass "Godzilla" einen mäßigen Unterhaltungswert hat, liegt nicht an der Umsetzung der Monster. Godzilla entspricht im neuen Game recht genau dem Godzilla aus den Filmklassikern und auch die anderen 20 nach und nach freischaltbaren spielbaren Monster wurden mit viel Liebe zum Detail nachgebaut. Wer mag, kann sogar die neueren Godzillas aus Hollywood spielen.

Dass man aus dem Fundus des japanischen Filmstudios Toho, das die Rechte an Godzilla hält, schöpfen konnte, merkt man auch beim Sound – etwa wenn Godzilla seinen charakteristischen, in Mark und Bein fahrenden Schrei loslässt oder die Filmmusik erklingt. Durch solche Kleinigkeiten schafft es das Game hin und wieder, nostalgische Gefühle zu wecken.

Schwach erzählte, wirre Story
Das war's dann aber auch schon mit den positiv hervorzuhebenden Features des Games. "Godzilla" kommt nämlich mit einer wirren Story, die mit tristen Audioschnipseln und einer Comic-Kommandeurin statt Videosequenzen die Zerstörungsorgie aus Sicht der Armee erzählt.

Die ziemlich kurze "Handlung": Godzilla erreicht die japanische Küste und marschiert landeinwärts. Die Armee versucht alles in ihrer Macht stehende, um den Giganten zu stoppen und mehr über das Ungetüm zu erfahren. Godzilla seinerseits wird mit jedem zerstörten Gebäude und vor allem durch die Zerstörung sogenannter G-Energie-Generatoren größer und furchteinflößender. Hie und da taucht ein anderes Monstrum auf und es kommt zum Kampf.

Extrem träge Steuerung
Die größte Schwierigkeit dabei ist die Steuerung. Unverständlich: Mit dem Analog-Stick kann man Godzilla nur vor- und rückwärts bewegen, Richtungsänderungen erfolgen mit den Schultertasten. Dabei bewegt sich der Gigant mit einer extremen Behäbigkeit, selbst sein Sturmangriff wirkt lahm. Nicht falsch verstehen: Klar ist ein 50 Meter hoher Kaltblüter kein Gepard, aber ein bisschen mehr Dynamik hätten wir uns schon gewünscht – vor allem, wenn Godzilla gegen andere Monster kämpft.

Wenn Godzilla nicht durch die Städte lahmt, prügelt er mit seinen Pranken oder dem Schwanz auf Gebäude, Kriegsschiffe, Generatoren oder andere Monster ein und speit Hitzestrahlen. Die sind nur alle paar Minuten verfügbar und vor allem beim Kampf gegen Flugzeuge praktisch. Das Zielen ist allerdings ein Krampf, Treffer am richtigen Ort ein Glücksfall. Zu Beginn des Spiels ist das alles halb so schlimm, im späteren Verlauf mit stärkeren Gegnern und anspruchsvolleren Kämpfen kann es aber mühsam werden.

Altbackene Optik
Dass die Optik selbst auf der PS4 nicht gerade zeitgemäß ist, macht es nicht besser. Die Städte, durch die sich Godzilla arbeitet, sehen statisch aus. Die Texturen sind detailarm, Gebäude werden recycelt, Zerstörungsanimationen sind unspektakulär, Licht- und Wassereffekte hat man auf der PS4 auch schon erheblich bessere gesehen. Immerhin: Die Monster haben die Entwickler gut getroffen, die Vorbilder aus den Filmen sind sofort wiederzuerkennen.

Gameplay wiederholt sich schnell
Das wohl größte Problem des neuen Godzilla-Games sind aber nicht die seltsame Steuerung oder die altbackene Optik, sondern das sich wiederholende Gameplay. Godzilla macht während der Kampagne im Grunde immer das Gleiche: Eine gewisse Anzahl G-Energie-Generatoren zerstören und ein zufällig ausgewähltes gegnerisches Monster verprügeln. Nebenbei ein paar Häuser einreißen, das war's. Das macht zwei, drei Missionen lang Spaß, wird aber dann ziemlich schnell langweilig.

Ein bisschen Abwechslung bringen andere Spielmodi wie der "König der Monster", bei dem Kaiju-Kämpfe im Mittelpunkt stehen, oder der durchaus unterhaltsame Online-Mehrspieler (Achtung: Nur bei der PS4-Version an Bord!) für bis zu drei Spieler rein, das rettet das Game aber auch nicht mehr.

Nette Extras, viel Freischaltarbeit
Features wie durch das Besiegen anderer Monster freischaltbare Zusatz-Attacken, ein Monster-Kompendium mit Infos zu den verschiedenen Kaijus und ein Diorama-Modus, bei dem der Spieler Monster publikumswirksam in der Stadt platzieren und Screenshots in sozialen Medien teilen darf, sind nette Extras, aber nicht mehr.

Was die freischaltbaren Monster angeht, kann man dagegen zufrieden sein. Rund 20 verschiedene Ungetüme aus 60 Jahren haben die Entwickler zusammengetragen. Besiegt der Spieler eines von ihnen in der Kampagne, kann er es fortan in anderen Modi anwählen und selbst steuern. Schade: Die Monster, gegen die Godzilla in der Kampagne antritt, werden offenbar per Zufallsgenerator ausgewählt, was zur Folge hat, dass man das Game mehrfach durchspielen muss, um alle zu sammeln.

Fazit: "Godzilla" sei ausdrücklich nur eingefleischten Fans des gleichnamigen Monsters ans Herz gelegt. Wer Godzilla, Mothra, King Gidorah und andere Kaijus mag, wird angesichts ihrer Zahl und soliden Umsetzung sowie Lizenz-Boni wie dem originalen Soundtrack zumindest eine Zeit lang seine Freude am neuen "Godzilla"-Game haben. Wer sich aber eine dynamische Zerstörungsorgie in zeitgemäßer Optik erhofft, die eine packende Geschichte erzählt, sollte einen großen Bogen um dieses Werk machen. Zumal es mit 60 Euro angesichts des Gebotenen ziemlich teuer ist.

Plattform: PS3, PS4 (getestet)
Publisher: Bandai Namco
krone.at-Wertung: 5/10

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