Do, 14. Dezember 2017

Lizenz-Game

30.07.2015 10:20

Schweißtreibende Renn-Action: "F1 2015" im Test

Durch die Hitze der vergangenen Wochen wissen "F1 2015"-Gamer endlich, wie es echten Formel-1-Piloten geht: Bei 35 Grad Raumtemperatur fließt der Schweiß in Strömen, brennt in den Augen. Er nimmt die Sicht. Die Hände suchen krampfhaft Halt. Tempo 300, die Kurve kommt in Zeitraffer näher und näher. Genauso wie der Silberpfeil im Rückspiegel, der lässig zum Überholmanöver ansetzt. Nicht mit mir!

Im allerletzten Moment steige ich mit Vehemenz in die Eisen und versuche, den Boliden richtiggehend in die Kurve zu schmeißen. Die Reifen jaulen gequält auf, geben verzweifelt Rauchzeichen. Das Heck gibt als Erstes auf, macht sich selbstständig. Schotter und Sand wirbeln auf. Dann herrscht dicke Luft. Nicht nur wegen der Hitze in der sommerlichen Sauna-Wohnung, sondern vor allem aufgrund des eigenen Übermuts und mangelnden Könnens.

Ich kann nur erahnen, wie es echten F1-Piloten bei sengender Hitze in der Realität geht. Die Konzentration hoch zu halten scheint aber der schwierigste Part zu sein. Mir wollte es jedenfalls nicht gelingen, sie über mehrere Runden bei der Affenhitze der letzten Wochen zu behalten. Dabei ist "F1 2015" zum Glück keine reinrassige Simulation. Trotz Arcade-Einschlag und einsteigerfreundlichem Schwierigkeitsgrad passiert mir aber Fehler um Fehler. Das nervt.

Gelungene Grafik, aggressive KI
Wie auch einige andere Macken im Spiel. Eindeutig keine Schuld trifft die gelungene Grafik. Zumindest die Boliden und die unmittelbare Strecke lassen wenig Spielraum für Kritik. Die Umgebung fällt dagegen stark ab. Wie es geht, zeigt EA Sports seit Kurzem bei seinen Titeln. Gleiches trifft auf die Schaffung einer dichten, TV-artigen Atmosphäre zu. Gute Ansätze sind erkennbar. Eine Animation hier, eine dort, aber noch wirkt es nicht wie aus einem Guss.

Die lieben Fahrer-Kollegen, von der PS4 gelenkt, möchte man in manchen Situationen so richtig verfluchen. Einerseits nutzen sie zu meinem Leidwesen den Windschatten gekonnt aus, andererseits dürften sie bei den Starts den adaptiven Tempomat aktiviert haben. In Reih und Glied wird da gleichmäßig beschleunigt und schön brav die Spur gehalten. Langweilig! Für die Action und die Blechschäden muss ich da schon selber sorgen. Nun, das stimmt so nicht ganz. Im Rennen selbst geht die KI ganz schön aggressiv zu Werke.

Renn-Jury nicht immer unparteiisch
Aggressiv werde ich dann öfter auch selbst, wenn mir wiederholt einer reinknallt. Doch das Beste kommt noch. Die Renn-Jury bestraft dafür mich. Geht's noch? Dank der Hitze fehlte beim Testen glücklicherweise für über Flüche hinausgehende Wutausbrüche die Kraft. Diese Ungereimtheiten setzen sich munter fort. Die Strecke abzukürzen wird sehr kulant behandelt und mündet viel zu selten in Zeitstrafen.

Das Safety Car scheint auch nicht benötigt zu werden. Jetzt könnte der gewiefte Leser einwenden, dass ich es am Ende des Feldes sowieso nicht sehe. Möglicherweise hätte er damit nicht völlig Unrecht. Das Safety Car als fixer Bestandteil der Formel 1 gehört aber trotzdem ins Spiel.

Karrieremodus wurde gestrichen
Genauso wie der Karrieremodus, der gestrichen wurde. Die kooperative Multiplayer-Meisterschaft ist ebenfalls Geschichte. Bleiben nur mehr die Meisterschaft, Zeit- oder Einzelrennen, um für Abwechslung und länger anhaltende Motivation zu sorgen. Etwas dürftig, wie ich finde.

Einen neuen Modus gibt es allerdings auch. Nur spricht dieser lediglich die F1-Enthusiasten an, die jede Kurve, jeden Stein, jeden Fahrer, jeden Boliden und alle Prüller-Anekdoten in- und auswendig kennen. Der ProSeason-Modus bietet nämlich keinerlei Fahrhilfen sowie eine Kameraperspektive die nicht geändert werden kann. Es versteht sich dann praktisch von selbst, dass auch immer die volle Renndistanz in Angriff genommen werden muss.

Dankenswerterweise haben die Entwickler nicht nur die aktuelle, sondern auch die Vorsaison mit ins Spiel gepackt. Die F1-Lizenz ermöglicht zudem, mit den Originalteams in den Kampf um die Meisterschaft ins Rennen zu gehen.

Fazit: Solide Basis mit einigen Schwächen
"F1 2015" ähnelt bei der Leistung der des aktuellen Red-Bull-Teams. Gute Voraussetzungen wären eigentlich vorhanden, einige Lichtblicke ebenso. Letztendlich sorgen aber gravierende Schwächen dafür, dass ein Platz ganz an der Spitze unerreichbar bleibt. Gute Grafik und Steuerung reichen einfach nicht aus.

Eine KI mit Unzulänglichkeiten, ein fehlerhaftes Strafsystem und ein abgespeckter Spielumfang drücken empfindlich aufs Gemüt. Die Basis wäre durchaus vorhanden, um aus dem überdurchschnittlichen "F1 2015" mit konsequenter Weiterentwicklung ein sehr gutes F1-Rennspiel zu machen.

Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, PC
Publisher: Bandai Namco
krone.at-Wertung: 7/10

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