Di, 12. Dezember 2017

Trübe Aussichten

29.07.2015 08:46

Twitter-Chef Dorsey verdirbt Anlegern die Party

Jack Dorsey redet nicht um den heißen Brei herum. Anlässlich der jüngsten Quartalszahlen sagte der Twitter-Interimschef am Dienstagabend frei heraus, wo das Unternehmen steht - und verdarb Investoren damit gründlich die Laune. Zuvor hatten die Zahlen noch für gute Stimmung gesorgt.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Mit besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen hatte Twitter seine Anleger zunächst entzückt - doch dann folgte der Schock in Form von schwachem Nutzerwachstum und trübem Geschäftsausblick. Die Aktie des Kurznachrichtendienstes stieg erst um über zehn Prozent und stürzte dann zwischenzeitlich bis auf minus zehn Prozent ab. Ein Analyst sprach von einer "Achterbahnfahrt".

Dorsey sprach nach der Bilanzvorlage gemeinsam mit seinem Finanzvorstand Anthony Noto Klartext in einer Analystenkonferenz und schwor Investoren auf schwere Zeiten ein. Vor allem das Nutzerwachstum entpuppt sich als großes Problem. Noto sprach von einer "dramatischen Verlangsamung". Die Zahl der User, die mindestens einmal im Monat Twitter nutzen, stieg im zweiten Quartal kaum noch und lag zuletzt bei 316 Millionen.

Twitter zu kompliziert
Dorsey, der den Spitzenjob zu Monatsbeginn vom nach Dauerkritik zurückgetretenen Dick Costolo übernahm, ging mit dem bisherigen Kurs hart ins Gericht. Das Bemühen, neue Nutzer zu gewinnen, habe bisher keine nennenswerte Wirkung gezeigt: "Das ist inakzeptabel." Twitter sei zu kompliziert, so die Kernbotschaft. Es werde beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen, so Noto, bis der Firma die Wende gelingen könne. Damit war die Freude am Markt über die Quartalszahlen dahin und die Aktie stürzte ab.

Ernüchterung nach erster Euphorie
Zuvor hatten Anleger noch regelrecht euphorisch reagiert, weil Twitter beim Umsatz im zweiten Quartal überraschend gut vorankam. Die Erlöse stiegen verglichen mit dem Vorjahreswert um 61 Prozent auf 502 Millionen Dollar (455,3 Mio. Euro), die Werbeeinnahmen nahmen um 63 Prozent auf 452 Millionen Dollar zu. Doch schon ein näherer Blick auf die Zahlen reichte für erste Ernüchterung. So übertraf die Umsatzentwicklung zwar die Prognosen, der Zuwachs erwies sich aber als der bisher schwächste in einem Quartal seit dem Börsengang im November 2013. Zudem verliert Twitter weiterhin Geld - auch wenn das Minus zum Vorjahr immerhin von 145 auf 137 Millionen Dollar verringert werden konnte.

Das Unternehmen steckt in einer Übergangsphase, nach Costolos Abgang muss ein neuer Vorstandschef her. Firmen-Mitbegründer Dorsey, der Twitter bereits in der Vergangenheit führte, kommt für etliche Mitglieder im Twitter-Aufsichtsrat als Dauerlösung nicht infrage, weil er Twitter nur im Teilzeitjob führen kann. Er leitet parallel den Bezahldienst Square, der laut US-Medien vor dem Börsengang steht.

Kein Wachstum ohne Massenmarkt
Twitter braucht ein klares Konzept, um Nutzer zu überzeugen und profitabel zu werden. Doch große Hoffnungen sollen sich Investoren vorerst nicht machen: "Wir erwarten kein nachhaltiges, bedeutendes Wachstum, bevor wir den Massenmarkt erreichen", sagte Finanzchef Noto. Und das werde noch erheblich dauern. Möglicherweise wird sich um diese Baustelle ohnehin bald ein anderes Management kümmern - Twitter wird schon länger als Übernahmekandidat gehandelt.

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