Di, 12. Dezember 2017

Trauer um "Cecil"

29.07.2015 06:15

US-Zahnarzt tötete Simbabwes berühmtesten Löwen

Er war der König seines Rudels, Besuchermagnet und "Gesicht" des Hwange-Nationalparks: "Cecil", der stolze Löwe. Doch dem Leben des majestätischen Tieres wurde Anfang des Monats ein brutales Ende bereitet. Ein Zahnarzt aus den USA erlegte den berühmten Löwen – für 50.000 US-Dollar. Zuvor hatte er Cecil mit einem Köder aus dem Schutzgebiet gelockt und mit Pfeil und Bogen verwundet.

Walter Palmer, Zahnarzt aus Minnesota, habe auf der Suche nach einer lohnenden Trophäe 50.000 Dollar (rund 45.000 Euro) an den Organisator von Safaris gezahlt, um einen Löwen mit Pfeil und Bogen töten zu können, berichtete die Zimbabwe Conservation Task Force (ZCTF) am Dienstag. Cecil war bereits am 1. Juli auf einer Farm außerhalb des Parks tot aufgefunden worden. Kopf und Fell des stolzen Tieres fehlten, den Kadaver hatten die Großwildjäger zurückgelassen.

Die ZCFT konnte ihren Star-Löwen dennoch eindeutig identifizieren: Sein GPS-Halsband, das seine Verfolger vergeblich versuchten zu verstecken, brachte traurige Gewissheit. Walter Palmer und der Berufsjäger Theo Bronkhorst, den Palmer engagiert hatte, dürften Cecil mithilfe eines an ihrem Wagen befestigten toten Tiers in der Nacht aus dem Nationalpark gelockt haben, so die ZCFT. Da der Löwe in dem geschützten Gebiet lebte und ein Halsband trug, hätte er nicht gejagt werden dürfen.

Verwundeten Löwen 40 Stunden verfolgt
Palmer versuchte zunächst vergeblich, Cecil mit Pfeil und Bogen zu erlegen, verwundete den Löwen jedoch nur und Cecil konnte fliehen. Wie die GPS-Aufzeichnungen zeigen, streifte der verwundete Löwe noch 40 Stunden durch die Gegend. Seine Verfolger konnten ihn jedoch aufspüren und erschossen ihn schließlich mit einem Gewehr.

Berufsjäger Bronkhorst wurde bereits von den Behörden vernommen, er streitet allerdings ab, gewusst zu haben, dass es sich bei dem Löwen um Cecil handelt: "Es war ein großartiger, ausgewachsener Löwe. Wir wussten nicht, dass er berühmt war. Ich hatte eine Lizenz für meinen Kunden, um einen Löwen in dieser Gegend mit Pfeil und Bogen zu schießen." Dennoch trug Cecil zum Zeitpunkt der Jagd ein Halsband. Bronkhorst muss sich nun vor einem Gericht verantworten. Er wurde wegen Wilderei angezeigt. Auch zwei seiner Jagdhelfer sitzen mittlerweile in Haft.

US-Jäger: "Dinge falsch dargestellt"
Ob US-Jäger Palmer eine Strafe droht, ist bislang unklar. Die Website von Palmers Zahnarztpraxis ist offline, ein Sprecher des Trophäenjägers erklärte aber in einem Statement gegenüber dem "Guardian": "Er hatte eine Genehmigung, er hat einen Löwen mit Pfeil und Bogen geschossen. Mister Palmer hält es daher durchaus für möglich, dass er dieses Tier erlegt hat. Er ist ein Großwildjäger und jagt auf der ganzen Welt." Im Internet kursieren zahlreiche Fotos, die Palmer mit erlegten Tieren zeigen, darunter ein Leopard, Wasserböcke, Hirsche und sogar ein Nashorn. Der Zahnarzt selbst ließ auf eine Anfrage der Zeitung "Minnesota Star Tribune" ausrichten: "Die Dinge wurden falsch dargestellt."

Cecil war mit seiner charakteristischen schwarzen Mähne bei den Besuchern des Hwange-Nationalparks sehr beliebt. Bryan Orford hat im Hwange-Nationalpark als Guide gearbeitet und Cecil viele Male gefilmt. Gegenüber dem "National Geographic" sagte er, dass der Löwe die "größte Touristenattraktion" war. Eines seiner YouTube-Videos zeigt Cecil auf seinen Streifzügen:

"Der Tod von Cecil ist eine Tragödie", so Johnny Rodrigues, Sprecher des Parks. Doch der Jäger könnte nicht nur das Löwenmännchen auf dem Gewissen haben: Als Alphatier des Rudels hinterließ Cecil sechs Junge. Die Naturschutzaktivisten befürchten, dass die jungen Löwen bereits von Cecils Nachfolger namens "Jericho" getötet worden sind.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).