Mi, 13. Dezember 2017

Ansuchen abgelehnt

28.07.2015 16:03

Keine Pension für Heim-Opfer

Eine „menschliche Lösung“ hat die Pensionsversicherungsanstalt nach einem „Krone“-Bericht über ehemalige Opfer der einstigen Gewaltherrschaft im Landesjugendheim Görtschach versprochen – allerdings war das Hoffen der Betroffenen vergeblich: „Uns wurde nun mitgeteilt, dass wir klagen müssen“, erzählen sie.

Bernhard und Günter sind beide über 50 und haben in Görtschach ihre schlimmsten Kinder- und Jugendtage verbracht: "Gewalt war an der Tagesordnung", erzählen sie. "Und auch Missbrauch."

Das ging so weit, dass mit elf, zwölf Jahren ein gemeinschaftlicher Fluchtversuch geplant war: "Wir haben Leintücher zusammengebunden und wollten bloß eines: weg." Doch Günter ist dabei aus dem zweiten Stock gefallen – er wurde so schwer verletzt, dass er noch heute unter den Spätfolgen leidet.

Dazu kommen die psychischen Probleme, die – wie berichtet – der Opferschutzkommission des Landes Kärnten eine Entschädigungssumme und der Landesregierung einen Entschuldigungsbrief wert waren. Schließlich sind beide Männer in Therapie. Auch, weil sie ihre Geschichte jahrzehntelang verdrängt haben. Am Arbeitsmarkt sind beide derzeit nicht vermittelbar. "Wir sind fertig", erzählen sie. "Zu alt, zu verkorkst, zu schwierig für jeden Chef."

Darum haben beide um eine Invaliditätspension angesucht. In Bernhards Fall hatte die Pensionsversicherungsanstalt nach dem "Krone"-Bericht über sein Schicksal von sich aus eine menschliche Lösung versprochen. Doch die gibt es nicht. Ohne neuerliche Untersuchung wurde das Ansuchen abgelehnt; der Villacher muss ebenso klagen wie Günter. "Zum Glück haben wir beim Zivilinvalidenverband Unterstützung gefunden. Dieser stärkt uns und hilft auch mit der Klage. Wir wurden vom System zu dem gemacht, was wir sind – also soll das System dafür gerade stehen."

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