Fr, 15. Dezember 2017

"Kein Zurückweichen"

28.07.2015 12:54

Friedensprozess beendet: Erdogan droht der PKK

Die NATO hat bei ihrem Sondertreffen am Dienstag der türkischen Regierung angesichts der Bedrohung durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat die "starke Solidarität" des Bündnisses zugesichert. Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, "Terrorismus in jeglicher Form kann nicht toleriert oder gerechtfertigt werden". Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan betonte, dass seine Regierung nicht vor dem Terrorismus - weder durch den IS noch durch die PKK - zurückweichen werde, und erklärte den Friedensprozess mit den Kurden für beendet.

Der Kampf gegen den Terrorismus werde mit derselben Entschlossenheit wie in den vergangenen Tagen fortgesetzt. Erdogan warf dabei den IS und die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans in einen Topf. Außerdem sagte der Staatschef, dass eine "Sicherheitszone" in Nordsyrien den Weg für die Rückkehr von 1,7 Millionen in der Türkei lebenden syrischen Flüchtlingen ermöglichen könne.

Angespannte Lage seit Attentat in Suruc
Die Spannungen zwischen der türkischen Regierung und der PKK hatten sich zuletzt deutlich verschärft. Hintergrund ist ein Selbstmordanschlag auf prokurdische Freiwillige in der südlichen Grenzstadt Suruc, bei dem vor einer Woche 32 Menschen getötet worden waren. Für das Attentat wird die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat verantwortlich gemacht, doch geben viele Kurden der Regierung in Ankara eine Mitschuld. Sie werfen ihr vor, die Aktivitäten der Dschihadisten zu lange geduldet zu haben.

Nach dem Anschlag startete die türkische Armee am Freitag Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien, sie bombardiert aber auch PKK-Lager im Nordirak. Aus Sicht der türkischen Regierung sind beide Gruppen gleichermaßen Terrororganisationen. Während die Luftangriffe gegen die IS-Miliz im Westen einhellig begrüßt wurden, stieß die Offensive gegen die PKK auch auf Kritik.

Gendarm bei Attentat getötet
Die PKK hatte in den vergangenen Tagen mehrere Attentate auf Polizisten verübt. Am Montagabend wurde ein Mitglied der türkischen Gendarmerie in der osttürkischen Provinz Mus getötet. "Terroristen" hätten das Auto des Mannes beschossen, berichtete die Nachrichtenagentur DHA unter Berufung auf den Provinzgouverneur. Im Wagen hätten sich auch die Ehefrau und die Tochter des Opfers befunden. Die Frau sei leicht verletzt worden. Die Familie sei auf dem Rückweg von einem Besuch bei Freunden gewesen.

Wenig später explodierte eine Gaspipeline im Osten der Türkei. Die Detonation in der Grenzprovinz Agri habe in der Nacht auf Dienstag ein Feuer an der Pipeline aus dem Nachbarland Iran ausgelöst, teilte Energieminister Taner Yildiz mit. Der Brand habe aber schnell gelöscht werden können, nach einer Reparatur könne bald wieder Gas durch die Pipeline fließen. In türkischen Medienberichten war von Sabotage die Rede, für die die PKK verantwortlich gemacht wurde.

NATO erwähnt Angriffe auf Kurden mit keinem Wort
Die NATO verurteilte bei ihrer Sondersitzung am Dienstag sämtliche Terrorangriffe der vergangenen Tage in der Türkei. "Wir verurteilen die Terrorangriffe gegen die Türkei auf das Schärfste und sprechen der türkischen Regierung und den Familien der Opfer in Suruc und von anderen Attacken gegen Polizei- und Militäreinheiten unser Mitgefühl aus. Terrorismus stellt eine direkte Bedrohung für die Sicherheit der NATO-Länder sowie für die internationale Stabilität und den Wohlstand dar", hieß es in einer Stellungnahme. Es handle sich um eine globale Bedrohung, die keine Grenzen, keine Nationalitäten oder Religionen kenne. Die Angriffe der Türkei auf Kurden blieben unerwähnt.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden