Sa, 18. November 2017

Chef-Kommentar

27.07.2015 21:33

Haslauer: Mehr Macht in der lahmen ÖVP

Die ÖVP sucht bei den brennenden Fragen der Republik ziemlich verzweifelt nach einer Linie. Das scheint mir vornehm ausgedrückt, denn ein politischer Mediziner könnte auch die Diagnose stellen: Sie lahmt. Erstens. Zweitens. Drittens.

So steckte Wilfried Haslauer I. in fulminanten Reden seine Ziele ab - und brachte sie dann durch. Er wurde zum legendären Landeshauptmann, erreichte die absolute Mehrheit und als die "bärtigen Grünen" mit zwei Mandaten in den Landtag einzogen, trat er am nächsten Tag zurück. In allen Gesellschaftsschichten ist die Festspielrede von Wilfried Haslauer II. in dieser Woche Thema. Die "Krone" brachte sie Montag ganzseitig im "Freien Wort": "Fürchten wir uns nicht!" So kennzeichnete er seine Meinung zu Flüchtlingen, Fremdenhass und Österreichs sichtlich verwundeter Seele.

Einige Plätze von mir entfernt, in der 10. Reihe der Felsenreitschule, saß Thesi Haslauer. Es war berührend zu sehen, wie ein Enkel ihre Hand ergriff, als der Landeschef zum Rednerpult ging: Eine Mutter fühlt immer mit, egal in welcher Position ihr Sohn ist. Nun, Wilfried Haslauer sprach mit seinen faszinierenden Gedanken den eigentlichen Festspiel-Redner, einen bekehrten Alt-Maoisten, an die Wand. Die Sätze des Landeshauptmanns holten die verschwommene Linie seiner Partei zurück zu den christlich-sozialen Wurzeln. Viele werden nicht seiner Meinung sein, das ist in einer Demokratie erlaubt. Stichwort: Unten die Langzeit-Arbeitslosen, oben am Kobenzl die Wirtschaftsflüchtlinge.

Jetzt zählen seine Sätze bundespolitisch
Doch andererseits erleben wir von der "Krone" eine ungeheure Welle von Spenden für die Asyl-Rucksäcke von Doraja Eberle. Haslauer konnte sich bei den so genannten Steuer-Verhandlungen nicht durchsetzen: Erbschaftssteuer durch die Hintertür, chaotische Raucher-Gesetze und miese Herabwürdigung der Gastronomie als Steuerhinterzieher sind nicht seins. In der heimischen Regierung mit den Grünen musste er Kompromisse eingehen. Aber jetzt zählen seine Sätze bundespolitisch. Bisher vergeblich forderte er die Schulreformen, die Bildungsdirektionen, den Stopp der Demontage des Heeres. Schon seit Josef Klaus (jüngster Salzburger Landeshauptmann und Kanzler einer ÖVP-Alleinregierung 1966-1970) galt das Wort aus dem Chiemseehof in der Wiener Parteizentrale etwas. Haslauer hat am Sonntag viel bewegt. In den Herzen und in seiner starren Partei.

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