Mo, 11. Dezember 2017

Sommergespräche

27.07.2015 21:25

Wie ist es, geputscht und Parteichef zu werden?

Anwalt Andreas Schöppl ist HC Straches Mann für’s Grobe in Salzburg. Grob ist der 53-Jährige, eben gewählte Landesobmann aber keineswegs, obwohl mit der abgespalteten FPS von Karl Schnell einige Funktionäre noch jede Menge Rechnungen offen haben. Ein Jahr hat er Zeit junge Nachfolger zu bestimmen, doch der Rechtsanwalt hält sich gekonnt bedeckt. Nur manchmal kommen ihm militärisch angehauchte Redewendungen über die Lippen - Schlagkräftig und wie ein scharfes Schwert soll die neue FPÖ sein, Verletzungen - damit meint er die FPS-Truppe - sind zu vergessen. Von ganz unten plötzlich nach ganz oben.

Schöppl ist ein Parteistratege wie sich es die FPÖ nur wünschen kann, rhetorisch brillant - sein "Seeehr geeeehrter Herrrr Bürgermeister, hoher Gemeinderat" - mit Herold artiger Betonung und vorwurfsvoller Miene ist in Stadtpolitikkreisen legendär. Doch der Stadtratsposten ging bei der Wahl 2014 um sechs Stimmen an die NEOS, das war der Moment, wo Kritik an ihm und seiner Linie in der Stadt aufkam. Innerhalb einer Stunde putschten ihn dann im Jänner 2015 seine vier Gemeinderatskollegen vom Klubchef-Sessel, Schöppl zog sich wutentbrannt in seine Anwaltskanzlei zurück, doch der Kontakt mit der Wiener Spitze blieb.

Der Mann politisch geschasst und nun wieder ganz oben. Jetzt legt sich keiner mehr mit ihm an, Andreas Reindl, der an seinem Sturz beteiligt war, musste sich bei ihm entschuldigen, den Delegierten gefiel es. Und nicht umsonst war Schöppl am famosen Abend des 9. Juni 2015 in Saalfelden dabei, an dem Strache Karl Schnell und Rupert Doppler feuerte und den Obmann nach den Statuten an Schöppl übergab - Erinnerungen: "Zu dieser Vorstandssitzung ist Strache überraschend mit sehr großen Teilen der FPÖ-Spitze gekommen, die Sitzung hat sich immer mehr zugespitzt, es wurde immer unfreundlicher, ja feindseliger. Dann hat Strache die zwei Ausschlüsse bekannt gegeben. Nach den Statuten übernimmt der älteste Stellvertreter. Ich war noch unhöflich (lacht) und habe Stellvertreterin Karin Berger nach ihrem Geburtsjahr gefragt. Ich habe nicht lange nachgedacht, ich bin in meinem Leben noch nie von etwas davon gerannt." Sie sind aber in der Stadt geputscht worden, wie Sie selbst sagen. Wie ist das so, nun Landeschef zu sein... "Ich will die Verletzungen vergessen und die Vergangenheit ruhen lassen. Wir müssen diese Wunden, die auch viele andere erlitten haben, überwinden, dann sehe ich eine große Zukunft für diese Partei. Schluss mit dem gegenseitigen Ausspielen, wie es in der Vergangenheit war. Wir wollen keine Querelen mehr."

Wie viel Einfluss hat Strache auf die FPÖ?
Ihre Gegner in der Schnell-Partei sagen, das war alles von langer Hand geplant? "Das ist Unfug, was da immer wieder für Verschwörungstheorien auftauchen. Ich halte mich davon fern. Die Partei hat aufregende Zeiten und Streitereien hinter sich, nun ist Ruhe eingekehrt. Der Landesparteitag ist aber kein Schlussstrich, sondern ein Startschuss, ich habe zusammen mit allen Funktionären ein Jahr Zeit, die Partei in junge, schlagkräftige Hände zu übergeben." Wen haben Sie da im Auge? Schöppl grinst: "Ich werde sicher nicht irgendwas dazu sagen. Es gibt sehr viele junge Talente, die sind hungrig. Doch die Partei soll ein Team und kein Kult mehr um eine Person betrieben werden. Wir werden uns wieder mehr auf der Straße zeigen und uns nicht im Landtag wie andere verstecken."

Beim Landesparteitag stachen Hermann Stöllner, Marlene Swazek und Alexander Schierhuber hervor, wie viel Freiheit lässt Ihnen Strache bei der Auswahl? "Die Partei heißt Freiheitlich, da ist die Freiheit im Namen. Meine einzige Grenze sind die Statuten, es gibt keine Vorschriften von Strache." Aber es sind auch Burschenschaftsvertreter in den Reihen und Sie müssen sich von der FPS abheben, gibt es einen Ruck weiter nach rechts? "Die FPÖ in Salzburg will genau jene Politik vertreten wie die Bundes-FPÖ mit Ecken und Kanten. Das heißt klare Positionen, aber mit dem notwendigen Augenmaß. Mit irgendwelchen Radikalismen hatte ich noch nie was zu tun." Ihnen wird aber ein scharfer Ton nachgesagt... "Die Tür ist für viele offen, aber wer in der FPÖ mitarbeiten möchte, muss sich bekennen. Ich verlange von jedem ein Bekenntnis zur Bundes- und Landes-FPÖ. Das ist in jeder Partei so." Ums Geld geht es auch, Sie beanspruchen die volle Parteienförderung. "Die Parteienförderung steht uns ganz klar zu, das Land muss aber entscheiden. Ich habe unsere rechtliche Position per Schreiben deutlich gemacht und an das Amt der Landesregierung geschickt. Ein Teilen kommt für uns nicht in Frage."

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