Do, 18. Jänner 2018

Personalsuche

30.04.2006 18:22

James Bond, bitte melden!

Pauschaltouristen brauchen sich erst gar nicht zu bewerben. Denn „Erfahrung in unabhängigem Reisen“ ist eine der Grundvoraussetzungen, die mitbringen muss, wer künftig im Dienste ihrer Majestät in aller Welt Geheimoperationen für Großbritannien durchführen will.

Irgendwie ergibt das schon Sinn: James Bond war schließlich auch nie mit den Neckermännern unterwegs oder ließ sich Flug, Hotel und Mietwagen von Expedia zusammenstellen. Geheimagent 007 hätte sich jedoch freilich auch nie auf eine Zeitungsanzeige hin bei seinem Arbeitgeber, dem Auslandsgeheimdienst MI6, beworben.

Denn bis vor kurzem noch wurden Britanniens Spione gezielt und geheimniskrämerisch im Privatgespräch an den Spitzenuniversitäten des Landes angeworben. Doch nun geht MI6 – wie schon zuvor die Kollegen vom Inlandsgeheimdienst MI5 und der große Bruder CIA – zum ersten Mal in seiner fast hundertjährigen Geschichte an die Öffentlichkeit:

Im Internet und in einem halbseitigen Farb-Inserat in der Berufsbeilage der Times sucht der „Secret Intelligence Service“ Mitarbeiter für alle Bereiche: In der Verwaltung, im Sprachendienst, in der Datenauswertung, oder in der Technologiesparte, mithin in jener Abteilung, die zu Bonds Zeiten von „Q“ geleitet wurde.

Mit der U-Bahn zum geheimen Dienst
Am meisten von Glamour und Geheimnis umrankt dürften freilich die „Operational Officers“ sein: Agenten, die draußen im Feld „Geheimoperationen planen und durchführen“. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass diese Männer und Frauen „Ergebnisse unter Druck liefern“ müssten – „oft in einer schwierigen und angespannten Umgebung“.


Eine derartige Berufsbeschreibung wäre auch James Bond vertraut vorgekommen. Andere Aspekte der Berufsbeschreibung seiner Nachfolger indes hätten ihn vermutlich die Stirne runzeln lassen. MI6 wirbt nämlich unter anderem mit Mutterschutz und Krankenversicherung, mit der Kinderbetreuung und der Kaffeebar in seinem Hauptquartier im Londoner Stadtteil Vauxhall.


Auch einen Aston Martin oder einen flotten BMW dürfen künftige Geheimagenten offensichtlich nicht mehr als Dienstwagen erwarten. Der Dienst ermutigt seine Mitarbeiter, zum Arbeitsplatz zu radeln oder die U-Bahn zu nehmen. In diesem Fall streckt MI6 sogar zinslos die Kosten für eine Jahreskarte vor.
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