Do, 14. Dezember 2017

Sommergespräche

27.07.2015 09:57

Was lief da wirklich in der Salzburger FPÖ?

Was hat Karl Schnell nicht schon alles mitgemacht in seiner politischen Ära: Haider, die Selbstzerfleischung der Blauen in Wien und die eigene Demontage als Landesrat nach einer Datenaffäre im Landtag. Rhetorisch vor allem auf Rundumschläge und das Wettern gegen Missstände in der EU und im eigenen Land bestens geschult, erlebte der 61-Jährige am 9. Juni den parteiinternen Supergau: HC Strache warf ihn aus der FPÖ - doch Schnell wäre nicht Schnell, wenn er nicht den Spieß umdrehen würde. Mit der neu gegründeten FPS schart er unzufriedene FPÖ-Mitglieder um sich und kostet der Strache-FPÖ jede Menge Nerven.

Locker ging es zu im Saalfeldener Schörhof an jenem 9. Juni 2015, Schnell wollte nach einer vermeintlich ausgestandenden Parteikrise junge Leute in Positionen heben, als Strache mit "seinem Rollkommando" den Parteitag sprengte: "Das war nur brutal. Die haben mich und den Doppler Bert, alle haben sie rausgefetzt - und diejenigen, die Probleme gemacht haben, sind nun Führungspersönlichkeiten. In Tirol hat er 100 Leute rausgeworfen, das weiß auch niemand. Er hat keinen Respekt vor verdienten Funktionären, das beweist es bei Rosemarie Blattl." Was war denn das Problem? "Das wissen wir nicht: Aber die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit. Ich wäre ja sowieso gegangen. Die, die dort mitgeholfen haben, sind nur Mittel zum Zweck, da stehen schon andere bereit, da wird es ein böses Erwachen geben." Wer soll da kommen? "Ich denke an Leute aus der Burschenschaftsriege. Wenn Strache die Wien-Wahl geschlagen hat, dann will er nur Plastilin-Politiker. Denen kann man per SMS sagen, was zu tun ist."

Hat sich der Eklat abgezeichnet? "Das war immer so: Bei Ewald Stadler - und live miterlebt habe ich das bei Barbara Rosenkranz. In einer Art und Weise, da hat es zwischen mir und Strache das erste Mal gekracht. Der Mölzer ist auch dran gekommen. Ich war der letzte Übrige, der Strache zum Bundesparteiobmann gemacht hat, alle anderen sind längst weg. Zack, Zack." Aber was war los? "Zwei Personen haben wir im Flachgau (Anm.: Es wurde behauptet, dass Abgeordneter Wiedermann Schnell erpresst, da dessen Sohn mit Drogen zu tun gehabt hätte. Schnells Sohn war zu dem Zeitpunkt neun Jahre alt) angezeigt, weil sie Gerüchte in die Welt gesetzt haben, da gibt es Zeugen. Ich dachte lange, das kommt vom politischen Gegner, aber Nein aus der eigenen Partei! Eine Sauerei ohne Ende. Daraufhin habe ich Strache angerufen und gesagt: Wenn du dich hinter Leute stellst, die meine Familie in den Dreck ziehen, dann spielts Granada. Er hat nie zurückgerufen, ich habe ihm 16 Termine angeboten. Der Herbert Kickl hat schon Wochen zuvor bei einem Treffen in Wien dem Rupert Doppler nach geschrien: Wir werden siegen!"

Ein abgekartetes Spiel also? "Das geht auf 2013 zurück, da wollte man die Mannschaft schon austauschen. Beim Andreas Schöppl (nun FPÖ-Landesparteiobmann) war das ganz arg. Man putscht ihn ohne eine Begründung und jetzt sitzt er Bussi-Bussi beinander mit denen, die ihn rausgeworfen haben. Es ist so abstrus. Die werden aber auch nichts bringen. Ein Vertrauter sagte mir: Ich hatte in der Stadt die meisten Vorzugsstimmen, die anderen hatten eine Stimme: Die wählt also nicht einmal ihre eigene Familie." Strache und Generalsekretär Kickl werfen Ihnen doch Personenkult vor? "Das ist ein Blödsinn. Strache und seine Gruppe streut Gerüchte, ich habe mich nie eingemischt in den Ortsgruppen, außer es ist um wichtige Beschlüsse gegangen. Sie sagen, der Schnell hat soviel Leute raus geworfen, auch das stimmt nicht: Den Haigermoser hat der Bund entfernt. Die meisten Rauswürfe sind in der Stadt und im Flachgau passiert, die Landesgruppe hat sie dann erst bestätigt. Ich habe nur einmal einen Antrag auf Ausschluss gestellt und der war rechtlich begründet."

"Die meisten Grün-Themen haben wir ja sogar schon früher aufgegriffen"
Sie wollten gehen, jetzt treten Sie wieder an? "Ich will nicht, dass die Partei, die ich 25 Jahre mitgeprägt habe, in Hände von Menschen kommt, denen es nur um Posten und Machtgeilheit geht. Jetzt macht es mir mehr Spaß denn je, in Saalfelden haben die Leute gesagt, wir haben eine Aufbruchstimmung wie in den Anfangsjahren von Jörg Haider. Wenn ich gehört habe, was da in Mittersill bei der FPÖ los war: Platz da, geh her da. Wir sind Freiheitliche und bleiben Freiheitliche, nur die Partei hat man uns gestohlen. Im Prinzip sind wir die gleichen, es gibt demokratische Grundlagen, keinen Ruck nach rechts, keinen Radikalismus. Es gibt auch keinen Klubzwang, das ist wichtig in der Demokratie. Die meisten Grünthemen haben wir ja sogar schon früher aufgegriffen." FPS und FPÖ beanspruchen nun gleichermaßen die Parteienförderung. "Das entscheidet das Land, die FPÖ beansprucht alles, wir haben aber soviel angespart, damit können wir zwei Wahlen schlagen. Alle bis auf eine Mandantarin sind uns geblieben, ich sehe da keine Probleme. Drei Klagen haben wir schon von der FPÖ bekommen, die werden uns noch eindecken." Müssen Sie jetzt für die Partei zurückstecken? "Ja, aber wir sind Freunde, wir werden uns die Arbeit gut aufteilen."

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