Di, 12. Dezember 2017

Kaserne in Fehring

25.07.2015 15:22

Soldaten machen Platz für Flüchtlinge

Wachablöse in Fehring! Die Soldaten, die hier jahrzehntelang stationiert waren, machen Platz für Flüchtlinge. Denn die Hadik-Kaserne wird - zumindest für ein Jahr - zum Asyl-Verteilzentrum. Ein Lokalaugenschein.

Bei der Einfahrt ins Gelände grüßt der Wachmann freundlich. "Unsere Wache hätte keine Kontrollbefugnis gegenüber Flüchtlingen", erklärt Oberst Christian Fiedler, Pressesprecher des steirischen Militärkommandos, der uns das Gelände zeigt. Da es aber durchaus möglich ist, dass die ersten Flüchtlinge hier eintreffen, bevor die letzten Soldaten abgezogen sind, könnte demnächst reges Treiben in der Stube herrschen, weil es für Asylanten dann eigenes Wachpersonal geben müsste.

Abgelegen im Wald
Es sind Probleme wie diese, mit denen sich das Bundesheer in Fehring nun beschäftigen muss. In den Wald eingebettet liegt die Hadik-Kaserne auf einer kleinen Anhöhe am Ortsrand. Würden am Gelände keine Militärfahrzeuge stehen, könnte man sich auch vorstellen, dass hier ein Ferienlager für Jugendliche einquartiert ist. Bis zu 200 Soldaten waren einst hier stationiert – wir treffen gerade eine Hand voll.

Details zum Abzug noch unklar
Mit 30. Juni 2016 hätte das Bundesheer den hiesigen Standort ohnehin aufgegeben. "Bis dahin hätten Truppen für den Kosovo und Grundwehrdiener ausgebildet werden sollen", erklärt Fiedler. Jetzt heißt es kreativ und flink sein. Denn die Details zum Abzug und zur Unterbringung der Flüchtlinge müssen erst verhandelt werden. Etwa, welche Möbel das Bundesheer mitnimmt. "Es obliegt dem Innenministerium zu entscheiden, was im Zuge eines Sachgüteraustausches für die Flüchtlinge hier bleibt."

Spartanisch und funktionstüchtig
In den 1960ern wurde die Kaserne gebaut, der Charme dieser Zeit herrscht noch heute. Spartanisch ist die Inneneinrichtung – Stockbetten und Kästen in den Schlafquartieren, rustikale Holzbänke in der Kantine, Küche und Krankenstation sind funktionstüchtig. Nur ein Tischfußballtisch lässt erahnen, dass nach Dienstende auch Spaß erlaubt ist.

Dem militärischen Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass trotz des Alters alles in gutem Zustand ist. Dem Argument, die Unterbringung in dieser Kaserne sei nicht menschenwürdig, entgegnet Fiedler: "Unsere Rekruten haben sich hier immer sehr wohl gefühlt."

Neue Situation für Anrainer
Die Anrainer der Hadik-Kaserne haben sich trotz der militärischen Nachbarn liebevoll ihr kleines Paradies errichtet: Die Rasenflächen sind bei unserem Besuch frisch getrimmt, die Balkonblumen stehen trotz Hitzewelle in voller Pracht. Viele hier formulieren Wut, Zweifel, eine gewisse Angespanntheit. Andere sehen im Verteilzentrum auch eine Chance für die Region.

Jedenfalls müssen sich die Menschen hier auf eine neue Situation einstellen. Am 28. August wird sich das Bundesheer mit einer Flaggenparade vom Standort Fehring verabschieden. Ein Jahr lang ist die Kaserne dann Übergangsheimat für bis zu 150 Asylwerber.

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